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Todesursachen von HIV-Patienten in reichen Ländern verschieben sich

23.07.2014
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Von Daniela Biermann / Die Überlebenschancen für Menschen mit HIV-Infek­tion sind in den Industrieländern in den vergangenen 15 Jahren um rund 50 Prozent gestiegen. Gesunken ist vor allem die Zahl der Todesfälle aufgrund von Aids sowie infolge von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Leber. Aids-bedingte Todesfälle führen die Sterbestatistik jedoch weiterhin an. Das berichten Wissenschaftler im Fachjournal »The Lancet« (doi: 10.1016/S0140-6736(14)60604-8).

Die Zahlen stammen aus einer Beobachtungsstudie mit fast 50 000 HIV-Patienten an mehr als 200 Behandlungszentren in Europa, Australien und den USA. Im Untersuchungszeitraum zwischen 1999 und 2011 starben insgesamt 3909 dieser Patienten. In 29 Prozent der Fälle war der Tod eine Folge der Immunschwäche Aids. 15 Prozent der Gestorbenen erlagen Krebserkrankungen, die nichts mit der HIV-Infek­tion zu tun hatten, vor allem Lungenkrebs. 13 Prozent starben an Leber­erkrankungen wie Hepatitis und 11 Prozent aufgrund von kardiovaskulären Problemen.

Ein Vergleich der Todesursachen der Zeiträume 1999 bis 2000 und 2009 bis 2011 ergab, dass Aids-bedingte Krankheiten und Erkrankungen der Leber an Bedeutung verloren: Ihr Anteil sank von 34 Prozent auf 22 Prozent beziehungsweise von 16 Prozent auf 10 Prozent. Krebs als Todesursache wurde dagegen häufiger und stieg von 9 Prozent auf 23 Prozent.

 

Die Wissenschaftler um Dr. Colette Smith vom University-College London merken an, dass der deutliche Rückgang an Leber- und Herz-Kreislauf- Erkrankungen nicht allein durch die Demografie und eine verbesserte antiretro­virale Therapie (ART) erklärt werden kann. Sie vermuten darüber hinaus ein besseres Management von Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum und Hepatitis sowie die verbesserte Verträglichkeit antiretroviraler Arzneimittel. Es müsse allerdings weiter untersucht werden, warum die Rate der nicht durch Aids bedingten Krebserkrankungen unverändert hoch sei und ob bestimmte HIV-Medikamente hierauf einen Einfluss haben.

 

Insgesamt beweise die sinkende Todesrate jedoch den Nutzen der ART. Um die Haupttodesursache bei HIV-Infizierten, die Aids-bedingten Erkrankungen, weiter zu senken, müsse die Diagnose möglichst frühzeitig erfolgen und die Therapie-Adhärenz weiter verbessert werden. Die Konsequenzen der lebenslangen antiretroviralen Behandlung müssten zudem weiterhin aufmerksam beobachtet werden, heißt es in einem begleitenden Kommentar (doi: 10.1016/S0140-6736 (14) 60848-5). /

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