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Alkohol

Trinker sterben an Infektionen, Unfällen und Krebs

29.08.2018
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Von Judith Lorenz / Alkoholkonsum zählt weltweit zu den führenden Gesundheitsrisiken. Mit zunehmender Trinkmenge steigen die Gesamtmortalität sowie insbesondere das Risiko, an einem bösartigen Tumor zu versterben.

 

»Diese massiven schädlichen Effekte überwiegen bei Weitem die wenigen gesundheitsfördernden Wirkungen des Alkohols, beispielsweise auf die Herzgesundheit.« Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam um Dr. Max Griswold von der University of Washington in den USA nach Auswertung umfangreicher Bevölkerungsdaten.

Die Wissenschaftler haben im Rahmen der Global Burden of Disease Study 2016 das Trinkverhalten der Menschen in 195 Ländern und Territorien im Zeitraum zwischen 1990 und 2016 analysiert. Ihre Ergebnisse stellen sie im Fachjournal »The Lancet« vor (DOI: 10.1016/S0140-6736(18)31310-2). Ziel der Untersuchung war es, die komplexen Zusammenhänge zwischen dem Alkoholkonsum und der Gesundheit der Bevölkerung auf globaler Ebene zu beleuchten. Hierzu werteten die Wissenschaftler Daten von 694 Studien zum weltweiten Trinkverhalten sowie 592 Studien zu den mit dem Alkoholkonsum verbundenen Gesundheitsrisiken aus.

 

Im Vergleich zu vorangegangenen Untersuchungen konzentrierten sie sich nicht nur auf Angaben der Menschen zu ihrem Konsumverhalten, sondern berücksichtigten bei ihren Berechnungen auch die Alkohol-Verkaufszahlen, Daten aus dem Tourismus sowie Schätzungen zum illegalen Handel beziehungsweise zum Heimbrauen.

 

Die Ergebnisse: Weltweit trinkt jeder Dritte – das entspricht einer Zahl von 2,4 Milliarden Menschen – regelmäßig Alkohol; 25 Prozent der Frauen und 39 Prozent der Männer. Die höchste Prävalenz dauerhafter Alkoholkonsumenten findet sich in Dänemark (95 Prozent der Frauen und 97 Prozent der Männer trinken regelmäßig) und die geringste in Bangladesch und in Pakistan. Deutschland liegt bezüglich des Trinkverhaltens bei den Frauen auf Platz drei und bei den Männern auf Platz vier.

 

Jedes Jahr sterben 2,2 Prozent der Frauen und 6,8 Prozent der Männer an Alkohol-bedingten Erkrankungen. Insgesamt steht Alkohol mit 2,8 Millionen Todesfällen auf Platz sieben der Todesursachen, in der Gruppe der 15- bis 49-Jährigen sogar auf Platz eins: In dieser Altersgruppe seien 3,8 Prozent der Todesfälle bei Frauen und 12,2 Prozent der Todesfälle bei Männern auf den Alkohol­konsum zurückzuführen.

 

Tödliche Folgen des Alkoholkonsums sind dabei vor allem Tuberkulose, Straßenunfälle sowie Selbstverletzungen. Ab dem Alter von 50 Jahren sind Alkohol-bedingte Todesfälle dagegen sowohl in der männlichen als auch in der weiblichen Bevölkerung verstärkt auf Krebserkrankungen zurückzuführen.

 

Trotz einer nachweislich kardio­protektiven Wirkung des Alkohols könne angesichts der vielfältigen schädigenden Effekte auch bei geringen Trinkmengen nicht von einem »sicheren Konsum« ausgegangen werden, so Griswold. Die Forscher appellieren daher an die Politik, Maßnahmen zur Einschränkung des Alkoholkonsums zu treffen. /

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