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Anti-Tabak-Aktion

Nichtrauchen macht schön

22.07.2014  13:37 Uhr

Von Ulrike Abel-Wanek / Lieber Krankheiten verhindern als sie später jahrelang behandeln. Das dachte sich der Gießener Medizinstudent Titus Brinker bei der Gründung des Präventions-Projekts »Aufklärung gegen Tabak«. Seine Zielgruppe sind 10- bis 15-jährige Schüler. Um sie zu erreichen, verfolgen er und seine Mitstreiter eine ungewöhnliche Taktik.

»Aufklärung gegen Tabak«, kurz AGT, ist ein Netzwerk Medizinstudierender, das sich seit Anfang 2012 gegen das Rauchen an Schulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz engagiert. Auch wenn Studien zufolge die Zahl der Raucher in den letzten Jahren zurückgegangen ist: Immer noch sterben rund 120 000 Menschen* in Deutschland allein durch den blauen Dunst. Tabak ist die größte Ursache für vermeidbare Krankheiten und frühzeitigen Tod in Europa. Vor allem, wer früh anfängt zu rauchen läuft Gefahr, dass die im Tabakrauch enthaltenen toxischen und kanzerogenen Substanzen seinem noch nicht ausgereiften Organismus gravierende Schäden zufügen. Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Krebserkrankungen in späteren Jahren sind die Folge.

 

Brinker kam die Idee für eine Kampagne gegen Glimmstängel auf deutschen Schulhöfen während eines USA-Aufenthalts. Hier klärten Kommilitonen an einer Universität in Texas Schüler über die Folgen des Kautabak-Konsums auf, ein großes Problem in Texas, das vor allem Krebserkrankungen im Mund- und Rachenraum verursacht. Zurück in Deutschland, setzte sich der angehende Mediziner an ein Konzept, das Anfang Juni 2014 als »Startsocial«-Projekt im Bundeskanzleramt als eines der wichtigsten deutschen sozialen Nachwuchsprojekte ausgezeichnet wurde.

 

Die AGT ist innerhalb von knapp drei Jahren enorm gewachsen.Nach seinem USA-Aufenthalt schrieb Brinker rund 300 E-Mails an alle medizinischen Hochschulen hierzulande mit dem Ziel, auch andere Medizinstudenten für seine Anti-Raucher-Kampagne zu begeistern. Eine Gründungsanleitung für Gruppen, die sich engagieren wollten, gab es direkt dazu. »Als ich das Konzept damals geschrieben habe, war mir wichtig, kein weiteres Programm nach dem »Prinzip Hoffnung« zu machen. Es gibt so viele Präventionsprogramme, aber keiner weiß, ob sie wirklich etwas bringen«, sagt er. Brinker wälzte wissenschaftliche Studien zur Präventionsforschung, allen voran die Coch­rane-Studie, eine Meta-Analyse, die Studien zusammenfasst und zeigt, was nötig ist, um so ein Projekt erfolgreich zu machen. Unterstützung bekommt er außerdem von einem wissenschaftlichen Beirat, Professoren verschiedener Universitäten, die die Initiative evaluieren und unter anderem dafür sorgen, dass die Erkenntnisse aus der Aufklärungsarbeit in Forschung und Lehre einfließen. An der Gießener Universität wurde auf Initiative von AGT im Rahmen der Medizinerausbildung bereits das Wahlfach »Aufklärung gegen Tabak« eingerichtet. Den theoretischen Teil über die Entstehung von Bronchialkarzinomen, COPD oder Arteriosklerose übernehmen Dozenten, der praktische Teil läuft über die Aufklärungsarbeit in den Schulen.

 

Medizinstudenten aus 27 Unis engagieren sich bei der »Aktion gegen Tabak«. Von Berlin bis München besuchen die ehrenamtlich arbeitenden Studenten Schüler der Jahrgangsstufen sechs bis acht aus allen Schultypen, um sie interaktiv über die Folgen des Rauchens aufzuklären, rund 16 000 Schüler pro Jahr werden so erreicht. »Die Resonanz ist super«, sagt Brinker. Von Vorteil sei, dass die Studenten kaum älter sind als die Schüler. Auch dass sie aus dem Gesundheitsbereich kommen, mache sie authentisch und ihr Anliegen glaubwürdig. Vor allem aber ist es das Konzept der AGT, die Jugendlichen »da abzuholen, wo sie stehen«, so Brinker. 13-Jährige seien schwer zu beeindrucken mit Bildern von schwarzen Raucherlungen, die irgendwann Jahrzehnte später auftreten können. Zukünftige gesundheitliche Probleme seien einfach zu weit weg vom Leben der Jugendlichen. Die Medizinstudenten setzen in den Seminaren deshalb neben Aufklärungsarbeit und Selbsterfahrung auf ein Argument, das alle Jugendlichen interessiert: dass Rauchen alt und hässlich macht. »Die Message, die wir rüberbringen, ist, und das wissen viele nicht: Nichtrauchen ist die beste Kosmetik (lesen Sie dazu auch Smokerface: Altern in Sekunden). /

 

*) Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung www.bzga.de/forschung/studienuntersuchungen/studien/suchtpraevention/ Bundesgesundheitsblatt 2014, 57:830-839 doi 10.1007/s00103-014-1982-8

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