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Festbeträge

Laumann will mehr Beratung

23.07.2014
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Von Stephanie Schersch / Seit Anfang Juli müssen die Versicherten für deutlich mehr Arzneimittel etwas zuzahlen als bislang. Viele Patienten seien dadurch massiv verunsichert, kritisiert Karl-Josef Laumann (CDU). Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung sieht Ärzte, Apotheker und Krankenkassen in der Pflicht, die Versicherten besser über Festbeträge und Zuzahlungen zu informieren.

Hintergrund ist die zuletzt erfolgte Absenkung der Festbeträge zum 1. Juli. Der GKV-Spitzenverband hatte die Erstattungshöchstgrenzen für insgesamt 13 Wirkstoffgruppen herabgesetzt. Zahlreiche Hersteller wollten nicht mitziehen und hatten die Preise für ihre Präparate daher nicht entsprechend stark gesenkt. Das Ergebnis: Patienten müssen nun für deutlich mehr Arzneimittel als bislang etwas zuzahlen.

In seinem Büro seien zuletzt zahlreiche Anrufe von Patienten eingegangen, die sich um die medizinische Versorgung in Deutschland sorgten, sagte Laumann. So würden die Versicherten von ihrem Arzt häufig nicht darüber informiert, dass für ein wie gewohnt verordnetes Medikament nun eine Zuzahlung erforderlich ist. Davon erführen sie erst in der Apotheke. »Statt einer fachlichen Information und gegebenenfalls dem Rat, mit dem Arzt zu besprechen, ob ein anderes Arzneimittel in Betracht kommt, erhalten sie dort aber oft den Hinweis, den Patientenbeauftragten anzurufen«, so Laumann. Die Versicherten würden so gesehen »von einer Stelle zur anderen geschickt«, was schlichtweg nicht hinnehmbar sei.

 

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) will diese Kritik nicht auf sich sitzen lassen. DAV-Chef Fritz Becker wolle das Thema persönlich mit dem Patientenbeauftragten erörtern, so ein Verbandssprecher. Ein Gesprächstermin ist demnach »in der Abstimmung«.

Das sagen PZ-Leser auf Facebook

Auf der Facebook-Seite der PZ haben Leser die Kritik des Patientenbeauftragten der Bundesregierung kommentiert. Dieser fordert von Apothekern, Ärzten und Krankenkassen mehr Aufklärung über die Festbeträge. Rolf Lachenmeier vermisst in der Aufzählung einen Akteur: das Bundesministerium für Gesundheit. Sven Linnartz fordert, der Verursacher der aktuellen Probleme müsse die Patienten aufklären. Das sei allerdings Wunschdenken und werde nicht passieren. »Den Ärger bekommen ja nur die Leute im HV beziehungsweise in der Praxis ab.« Auch aus Sicht von Thomas Mark müssen vor allem die Krankenkassen die Versicherten informieren. »Warum sollte die Pflicht, unangenehme Informationen weiterzugeben, den Ärzten und Apothekern aufgehalst werden?«

 

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Nach Angaben des DAV ist die Zahl der Präparate ohne Zuzahlung zu Monatsbeginn um mehr als ein Drittel gefallen. Demnach müssen Patienten bei neun von zehn Arzneimitteln mit Festbetrag etwas draufzahlen.

 

Hersteller schlagen Alarm

 

Im Vorfeld der jüngsten Festbetragsabsenkung hatten bereits die Hersteller Alarm geschlagen und gewarnt, in einigen Wirkstoffgruppen werde eine ausreichende Versorgung der Versicherten mit zuzahlungsbefreiten Arzneimitteln nicht mehr möglich sein. Den Krankenkassen hatte das allerdings wenig imponiert.

 

Laumann befürwortet Festbeträge zur Steuerung der Arzneimittelmittelausgaben grundsätzlich. Viele Patienten könnten sich die zum Teil erheblichen Zuzahlungen jedoch nicht leisten und verzichteten häufig auf die Einnahme des Medikaments, wenn sie nicht aureichend über Alternativen aufgeklärt würden, sagte er. Das könne zu »erheblichen gesundheitlichen Schäden führen«. Aber auch die Umstellung auf ein anderes Arzneimittel könne für die Versicherten belastend sein.

 

Für die Zukunft forderte Laumann, die Absenkung der Festbeträge möglichst frühzeitig bekannt zu machen. »Eine unter den Beteiligten besser abgestimmte Kommunikationsstrategie wäre sicher hilfreich.« /

Kommentar

Schäbig

Nein, Apotheker sollten ihren Kunden keinen Anruf beim Patientenbeauftragten nahelegen. Staatssekretär Karl-Josef Laumann ist nicht die Beschwerde-Abteilung der Kassen.

 

Es ist aber nicht nachzuvollziehen, warum sich Laumann über Ärzte und Apotheker ärgert, die ihre Patienten angeblich nicht ausreichend über neue Zuzahlungen informieren. Der Hauptschuldige ist ein anderer. Natürlich müssen Apotheker ihre Patienten aufklären. Das tun die meisten auch. Wenn ein Patient zuzahlen muss, dann kommt der Apotheker nicht um eine Erklärung herum.

 

Schäbig ist es allerdings, dass die GKV zwar für die Festbetragssenkung verantwortlich ist, sich aber selbst aus der Kommunikation darüber vollständig heraushält. Über die Verfehlungen ihrer Marktpartner sprechen die Kassen immer gern und ausführlich. Für ihr eigenes Handeln sollten sie dann aber auch die Verantwortung übernehmen.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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