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Altersvorsorge

Wachsendes Interesse an Riester-Rente

27.07.2010
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Von Siegfried Löffler, Erkner / Die Gesetzliche Rentenversicherung bleibt als erste Säule der Sicherung eines ausreichenden Lebensstandards im Alter für die meisten Bundesbürger unverzichtbar, ist aber angesichts steigender Kosten, zunehmender Selbstbeteiligung der Krankenversicherten und ausbleibender Rentenerhöhungen ergänzungsbedürftig.

Wer nicht das Glück hat, zusätzlich eine Betriebsrente zu erhalten, muss die »dritte Säule« der privaten Vorsorge für das Alter stärken. Beim Presseseminar der Deutschen Rentenversicherung Bund in Erkner bei Berlin stellte der Leiter der Zulagenstelle für Altersvermögen in Brandenburg, Ulrich Stolz, mit Genugtuung fest, dass nach anfänglicher Zurückhaltung gegenüber der vor zehn Jahren geschaffenen und nach dem damaligen Bundesarbeitsminister Walter Riester benannten Zusatzrente Ende 2005 ein Sprung nach oben erfolgte.

Er führte dazu, dass es inzwischen 13,6 Millionen Riesterverträge gibt, Tendenz steigend. War 2009 die Zahl von 12,15 auf 13,25 Millionen Verträge gestiegen, gab es in den ersten drei Monaten dieses Jahres bereits 377 000 Neuabschlüsse. Es spricht Vieles dafür, dass zum Jahresende die 15-Millionen-Grenze überschritten wird.

 

Das Interesse an der zusätzlichen Riester-Rente ist in den neuen Bundesländern größer als im Westen. Während im Osten knapp 20 Prozent der Gesamtbevölkerung leben, sind sie mit rund 26 Prozent an der Gesamtzahl der Riester-Verträge beteiligt. Der Anteil der Frauen an der Zahl der Zulageempfänger liegt bei knapp 57 Pro­zent. Die Experten, die unter anderem darauf hinwiesen, dass Zulagen und damit verbundene Verwaltungskosten nicht aus dem Beitragseinkommen der Rentenver­sicherung, sondern aus Steuermitteln gezahlt werden, widersprachen in Erkner der Behauptung, dass die Riester-Verträge vorwiegend von Gutverdienern abgeschlossen würden. Die aktuelle Statistik weist aus, dass über 70 Prozent der Zulageempfänger ein unterdurchschnittliches Jahreseinkommen von bis zu 30 000 Euro haben.

 

Familienfreundliche Aspekte

 

Dr. Reinhold Thiede, Leiter des Bereichs »Entwicklungsfragen der sozialen Sicherung und Altersvorsorge« bei der Deutschen Rentenversicherung Bund, würdigte die familienspezifischen Aspekte der Riester-Rente. Diese würden zu einer deutlichen Reduzierung des Eigenbeitragsanteils von grundsätzlich 4 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Entgelts führen.

 

So werde zum Beispiel für eine gering verdienende alleinerziehende Frau mit zwei Kindern die Beitragslast durch Grund- und Kinderzulagen von 4 auf 0,5 Prozent reduziert. Überhaupt brauche im Prinzip niemand 4 Prozent des Einkommens für die zusätzliche Riester-Rente aufzuwenden, weil auch Unverheiratete ohne Kinder eine Grundzulage von 154 Euro erhalten. Dadurch reduziere sich der Eigenbetrag auf maximal 3,5 Prozent.

 

Thiede stellte fest, dass das Leistungsrecht der Gesetzlichen Rentenversicherung bereits heute zahlreiche kinder- und ehespezifische Regelungen enthalte, die auch zugunsten von Lebensgemeinschaften angewandt werden. So bringe zum Beispiel die Erziehung eines nach 1991 geborenen Kindes im Regelfall eine Erhöhung des monatlichen Rentenanspruchs um circa 82 bis 144 Euro in den alten beziehungsweise 72 bis 128 Euro in den neuen Bundesländern.

 

Auch die Riester-Rente beinhalte eine starke familienspezifische Komponente: Mehr als die Hälfte des Zulagevolumens sei »familienspezifisch motiviert«. Da eine »starke Verteilungswirkung zugunsten von Familien« bestehe, gebe es in absehbarer Zeit keinen Handlungsbedarf, was selbstverständlich »sinnvolle Anpassungen, Aktualisierungen oder Ergänzungen einzelner Regelungen nicht ausschließt«. / 

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