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Ullas Vermächtnis

27.07.2010
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Der Politik fehlt die Nachhaltigkeit, kritisieren viele Gesundheitsexperten. Der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt können sie dies sicher nicht vorwerfen. Sie hat in ihrer Amtszeit Fakten geschaffen, die heute noch wirken – zum Beispiel die Hausarztverträge. Sie sollten den Status, die Arbeitsbedingungen und das Gehalt der Allgemeinmediziner verbessern. Außerdem wollte die SPD-Ministerin so die Macht der Kassenärztlichen Vereinigungen beschneiden und damit die Ärzteschaft schwächen. Die Hausärzte scheint dies bis heute nicht zu stören.

 

Natürlich kann niemand den Hausärzten vorwerfen, dass sie sich gegen die von der Bundesregierung geplante Kürzung der Honorare für die hausärztliche Versorgung zur Wehr setzen. Niemand verzichtet gerne auf einen Teil seines Einkommens. Bemerkenswert ist aber die Intensität und die Kompromisslosigkeit, mit der dies der Hausärzteverband tut (siehe dazu Hausärzteverband: Kampagne erntet heftige Kritik) In der Kampagne gegen das Spargesetz von Gesundheitsminister Philipp Rösler warnt Verbandschef Eberhard Mehl vor Todesfällen als Folge der Einschnitte bei den Honoraren. Mit aller Macht kämpft der Verband um einen Fortbestand der Sonderkonditionen für seine Mitglieder.

 

Dabei scheren sich die Hausärzte kaum um Allianzen. Die Kritik des Patientenvertreters Wolfram-Arnim Candidus prallt an ihnen ab. Ebenso wenig scheint es sie zu beeindrucken, dass mehrere Kassenärztliche Vereinigungen und der Hartmannbund ihr Befremden über das Vorgehen der Allgemeinmediziner öffentlich kundtun.

 

Es ist nicht sonderlich wahrscheinlich, dass sich die Hausärzte mit ihrer Haltung langfristig einen großen Dienst erweisen. Die Datenlage für den Nutzen von Hausarztverträgen ist nicht komfortabel. Die Euphorie der schwarz-gelben Bundesregierung für dieses Versorgungsmodell ist überschaubar. Nicht auszuschließen, dass den Hausärzten schon bald stärkerer Wind entgegenbläst. Dass ihnen dann die Fachärzte und die Kassenärztlichen Vereinigungen zur Seite springen, ist nicht gerade wahrscheinlich.

 

Der Politik kann es recht sein, wenn sich die Berufsgruppen im Gesundheitswesen uneins sind. Vielleicht ist Gesundheitsminister Rösler seiner Vorgängerin für dieses Vermächtnis sogar ein wenig dankbar. An einer zu starken Interessenvertretung der Ärzte kann auch er nicht interessiert sein.

 

Die Differenzen in der Ärzteschaft machen deutlich, wie wichtig eine Interessenvertretung ist, die mit einer Stimme spricht, die den gesamten Berufsstand und nicht die Einzelinteressen von Untergruppen vertritt. Die Apotheker gelten im politischen Berlin als ziemlich erfolgreich. Sicherlich auch deshalb, weil sie sich eben nicht haben auseinander dividieren lassen.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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