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Interview

»Prävention ist keine Spaßbremse«

27.07.2010
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Von Brigitte M. Gensthaler / Vor drei Jahren ist WIPIG – Wissenschaftliches Institut für Prävention im Gesundheitswesen der Bayerischen Landesapothekerkammer gestartet. Kürzlich wurde die Kulmbacher Apothekerin Cynthia Milz zur neuen Sprecherin des Direktoriums gewählt. Ihr erstes Interview in dieser Funktion gab sie der PZ.

PZ: Frau Milz, herzlichen Glückwunsch zu diesem Amt. Was verbindet Sie mit dem Institut?

 

Milz: Mir liegt die Prävention sehr am Herzen. Mit dem WIPIG wollen wir das Bewusstsein schaffen und stärken, dass jeder Mensch verantwortlich für seine Gesundheit ist. Persönlich verbindet mich mit dem Institut unter anderem die Weiterbildung und der darauf aufbauende Präventionsmanager WIPIG®.

 

PZ: Eine Grundidee von WIPIG lautet: Apotheker sind unverzichtbar in der Präven-tion. Warum?

 

Milz: Die Apotheke ist eine leicht erreichbare Anlaufstelle für alle. Wir können unsere Kontakte nutzen, Menschen zu motivieren. Prävention ist eine Aufgabe für jeden Apotheker, aber mehr noch: eine Teamleistung. Wir ersetzen keinen Arzt, können aber Patienten begleiten und entscheidend zu einer guten Compliance beitragen oder auf gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und die richtige Arzneimitteleinnahme hinweisen. Ich sehe dabei keine Konkurrenz zu anderen Berufen, denn jeder erreicht seine Zielgruppen. Keiner kann Prävention alleine leisten.

 

PZ: Stichwort Patientenbegleitung. Was macht das Projekt Herzensangelegenheit 50+, das Personen mit kardiovaskulären Risikofaktoren identifizieren und begleiten möchte?

 

Milz: Dieses Mammutprojekt in Nordostbayern ist sehr erfolgreich angelaufen. Ende Juli werden 1800 bis 2000 Teilnehmer rekrutiert sein. Mehr als 85 Prozent der bislang getesteten Personen hatten auffällige Blutwerte. Dies schreit geradezu nach Begleitung durch den Apotheker.

 

PZ: Ende Oktober findet der erste WIPIG-PZ-Präventionskongress statt. Welche Botschaft soll von dieser Tagung ausgehen?

 

Milz: Besonders wichtig ist der Netzwerkgedanke, denn in der Prävention müssen verschiedene Experten zusammenarbeiten. Das umfangreiche Programm soll Apothekern neue Anregungen geben und Kooperationen mit Partnern vorstellen. Die präsentierten Projekte der Präventionsmanager sollen Lust auf Prävention machen.

 

PZ: Wann wird WIPIG sich generell für alle Berufsgruppen öffnen?

 

Milz: Es ist bereits offen. Am WIPIG-Netzwerk können und sollen viele Institutionen und Einzelpersonen teilnehmen. Zudem planen wir die Gründung eines Fördervereins, dem man als Fördermitglied beitreten kann. Auch dies unterstützt den Präventionsgedanken.

 

PZ: Ein neues Projekt ist die Analyse von Präventionsaktivitäten in Apotheken. Wa-rum dieser hohe Aufwand?

 

Milz: Viele Apotheken bieten Aktionen zu klassischen Präventions- und Gesundheitsthemen an, aber es gibt dazu keinen umfassenden Überblick (siehe Kasten). Dies wollen wir ändern und in Kooperation mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium sodann ein federführendes Projekt auswählen, das flächendeckend umgesetzt werden kann. Der ganze Prozess wird von ei-ner wissenschaftlichen Mitarbeiterin begleitet.

 

PZ: Dieses Projekt wird großteils vom Bayerischen Gesundheitsministerium gefördert. Wie finanziert sich das Institut?

 

Milz: Überwiegend über den Kammerhaushalt, die Dr. August und Dr. Anni Lesmüller-Stiftung und die Bayerische Apothekerstiftung. Zudem wollen wir weitere Fördergelder einwerben, was jetzt erstmals gelungen ist.

 

PZ: Ihr Motto für WIPIG?

 

Milz: Prävention soll keine Spaßbremse sein. Sie erhält Lebensqualität und Lebensfreude. Man kann Menschen nur motivieren, wenn ein bisschen Spaß dabei ist. / 

Dem Bedarf auf der Spur

Bislang gibt es keine Gesamtübersicht der apothekerlichen Aktivitäten zu Prävention und Gesundheitsförderung. WIPIG startet jetzt eine umfassende Bestands- und Bedarfsanalyse. Per Fragebogen werden die Apotheker nach ihren Präventionsaktivitäten und dem Interesse der Bürger gefragt. Daraus sollen Projekte ermittelt werden, die viele Apotheken anbieten können und die gut angenommen werden. Ein Pilotprojekt wird dann so ausgearbeitet, dass eine Übertragung auf alle Apotheken möglich ist. Das voraussichtlich einjährige Projekt wird von WIPIG in Kooperation mit der Apotheke des Universitätsklinikums Erlangen durchgeführt und vom Bayerischen Gesundheitsministerium gefördert.

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