Pharmazeutische Zeitung online
Gerüche

Ein Protein macht den Unterschied

27.07.2010
Datenschutz bei der PZ

Von Ulrike Abel-Wanek / Jeder tut es, aber keiner spricht gerne darüber. Die Rede ist vom Schwitzen. Warum Schweiß beim einen unangenehm riecht und beim anderen nicht, fanden Hamburger Wissenschaftler heraus.

Schweißgeruch und Schweißflecken auf der Kleidung können zum Problem werden. Im Büro oder im Kundengespräch – Schwitzen gilt, außer beim Sport oder bei bestimmten Krankheiten, als Tabu.

Warum mit dem Schwitzen überhaupt Gerüche verbunden sind, fanden Wissen­schaftler des Forschungszentrums der Beiersdorf AG in Hamburg heraus. Die Biologen und Chemiker entdeckten das Transportprotein ABCC11. Es schleust nicht riechende Geruchsvorläufermoleküle aus der apokrinen Schweißdrüse an die Hautober­fläche. Erst dort werden sie dann durch Bakterien zerlegt, wodurch die typische »Duftnote« entsteht. Das Wissen um diese körpereigene Schlüsselstelle liefert der Wissenschaft ganz neue Ansätze, um an innovativen Produkten zu forschen.

 

»Herkömm­liche Deoprodukte setzen im Prozess der Geruchentstehung erst am letzten Schritt der Kette an, nämlich bei den Bakterien, die die Geruchsvorläufermoleküle zersetzen und damit den Schweißgeruch freisetzen«, sagt Dr. Annette Martin von der Forschungsabteilung Körperpflege. Der Wirkstoff der Zukunft solle der Geruchsbildung frühzeitig entgegenwirken. Die Herausforderung liege darin, so Martin auf Nachfrage der PZ, »einen Deowirkstoff zu entwickeln, der in der Lage ist, tief in die Haut zu gelangen und gleichzeitig spezifisch an der apokrinen Schweißdrüse zu wirken. Wir denken hierbei an eine kosmetische Anwendung.« Bis dahin gäbe es allerdings noch eine Menge Forschungsarbeit.

 

Der Mensch schwitzt rund um die Uhr. Durchschnittlich ein bis zwei Liter Schweiß verdunsten Tag für Tag über die Haut. Dafür sorgen die sogenannten kleinen Knäueldrüsen, die hauptsächlich geruchlosen Kühlungsschweiß abgeben. Anders die apokrine Flüssigkeit, die Jugendliche und Erwachsene beispielsweise bei Stress und Angst aus den großen Schweißdrüsen absondern. Diese Substanz enthält Fette, Proteine und Aminosäuren und ist ein wahres Fressen für Bakterien. Was als unangenehmer Geruch in die Nase sticht, sind meist kurze, verzweigte Fettsäuremoleküle, die Hautbewohner wie Staphylokokken und Corynebakterien nicht weiter verwerten konnten. Bei emotionalem Stress macht sich dieser Geruch besonders bemerkbar.

 

Heute eher lästig, hatte der Körpergeruch seit jeher jedoch auch wichtige Funktionen. »Es wird angenommen, dass Schweißgeruch Pheromon-artige Wirkung besitzt und so der non-verbalen olfaktorischen Kommunikation zwischen Artgenossen dient«, so Martin. Vermutlich habe diese Fähigkeit unseren Vorfahren entscheidende Vorteile in lebensgefährlichen Situationen, aber auch bei der Fortpflanzung gebracht. Angstschweiß warnte die Artgenossen einerseits vor Gefahren. Anderseits fanden Frauen und Männer, wenn sie sich gut riechen konnten, zueinander und sorgten für den Arterhalt. Was für unsere instinktbetonten Ahnen noch galt, steht heute nicht mehr hoch im Kurs. Man muss nicht müffeln, um sich näher zu kommen. Im Gegenteil: Millionensummen werden Jahr für Jahr für Deos und Kosmetika gegen das Schwitzen ausgegeben.

 

Im Kampf gegen Körpergeruch badeten schon die alten Ägypter in duftenden Essenzen und rieben sich mit parfümierten Ölen ein. Mit Rasiermesser und Pinzette rückten sie zudem ihrer Körperbehaarung zuleibe, denn sie galt als ungepflegt und unrein. Bis zur Entdeckung der Schweißdrüsen und des Zusammenspiels von Schweiß und Bakterien im 19. Jahrhundert, konnten die immer raffinierter werdenden Parfümkreationen die Ausdünstungen des Menschen jedoch allenfalls übertünchen. Erst allmählich ergaben sich neue Ansatzpunkte für wirkungsvolle Deodorants.

 

Heute können Deos Gerüche absorbieren, Bakterien reduzieren oder, wie zum Beispiel die Antitranspirantien, ihnen die Nahrungsgrundlage entziehen. Als gängige Antitranspirantwirkstoffe werden Aluminiumsalze, hauptsächlich Aluminiumchlorohydrat, eingesetzt, die die Schweißporen verengen und so bewirken, dass weniger Schweiß auf die Hautoberfläche gelangt. Zur Verminderung von Schweißgeruch werden hauptsächlich antimikrobielle Wirkstoffe wie Polyglyceryl-2 Caprate (DMC), Ethylhexylglycerin, 2-Butyloktansäure oder Silbercitrat eingesetzt. Außerdem spielt natürlich auch das Parfüm weiter eine wichtige Rolle bei der Überdeckung von Körpergeruch.

 

Alle großen Deo-Hersteller stecken viel Geld in die Forschung, um die Fauna der menschlichen Achselhöhle weiter zu entschlüsseln. Die Beiersdorf-Studie identifizierte beispielsweise nicht nur das für Gerüche verantwortliche Protein. Die Forscher »erschnüffelten« auch ethnische Unterschiede. Deutlich dezenter als die Europäer rochen beispielsweise Probanden aus China, Korea, Thailand und den Philippinen. Je nach regionaler Herkunft haben 30 bis 100 Prozent der asiatischen Bevölkerung kein Problem mit ausgeprägtem Körpergeruch. Hintergrund ist ein Genunterschied, durch den ABCC11 seine ursprüngliche Transportfunktion nicht oder nur sehr schwach ausüben kann. Dass sich die asiatische Genvariante so stark durchsetzte, könnte, anders als bei unseren Vorfahren, an der Vorliebe für wenig riechende Partner gelegen haben. /

Mehr von Avoxa