| Jennifer Evans |
| 11.05.2026 09:00 Uhr |
Du stinkst, ich gehe: Wie ein Mensch riecht, verrät eine Menge über ihn. Zum Beispiel verändert sich der Schweiß, wenn wir krank oder gestresst sind. / © Shutterstock/Krakenimages.com
Die gute Nachricht zuerst: Veränderungen des Körpergeruchs sind in den meisten Fällen kein Hinweis auf eine Erkrankung. Der Duft entsteht, weil Bakterien oder Pilze auf der Haut Schweiß und Talg zersetzen und dabei stechend riechende Stoffe freisetzen.
Stress, Hormone und Ernährung können diesen Geruch jedoch verändern. Am bekanntesten sind wohl die duftenden Folgen von Knoblauch oder Zwiebeln. Auch eine kohlenhydratarme Ernährung verändert den Atem. Schwankungen im Menstruationszyklus oder die Menopause beeinflussen ebenfalls, wie Schweiß und Hautfett riechen.
Grundsätzlich kann unsere Spezies subtile Signale mit der Nase wahrnehmen. Im modernen Alltag vergessen wir das nur, wie Mats J. Olsson, Professor für experimentelle Psychologie am Karolinska Institut in Stockholm, im Podcast »Strange Health« betonte.
In seinen Experimenten zeigte er unter anderem, dass Menschen den Schweißgeruch einer kranken Person erkennen können und oft als unangenehmer einstufen als den einer gesunden. Sobald die Nase eindeutige Krankheitssignale erschnuppert, reagiert oft auch das Immunsystem darauf. Gerüche wahrzunehmen gehöre zum Schutzsystem unseres Körpers, sagte er.
Wir könnten sie vielleicht nicht immer in Worte fassen, aber wir registrierten sie schnell als angenehm, neutral oder abstoßend, so Olsson. Selbst Babys lernten das rasch, obwohl sie anfangs keine Präferenzen hätten. Viele Bewertungen entstehen kulturell – wir lernen, wie wir bestimmte Düfte einordnen sollen.
Wer also die passenden Rezeptoren besitzt, kann Krankheiten bei anderen erschnüffeln. Nierenleiden riechen beispielsweise nach Ammoniak, schlecht eingestellter Diabetes erzeugt einen fruchtigen Atem- und Uringeruch und bei Cholera duften die Fäkalien süßlich. Eine Lungenentzündung kann einen fauligen Geruch aus dem Mund austreten lassen. Riecht der Körper nach Knoblauch, kann eine Arsenvergiftung dahinterstecken. Skorbut zeigt sich durch modrigen Schweiß, Phenylketonurie erinnert an Moschus.
Auch Emotionen gelangen über unseren Körpergeruch nach außen. Angst etwa setzt andere Moleküle im Blut frei, die sich über den Schweiß verbreiten. Mit dem eigenen Odeur lässt sich demzufolge kommunizieren.
Olsson sieht im Körpergeruch ein durchaus verlässliches Diagnosewerkzeug der Zukunft. Das größte Hindernis besteht derzeit darin, die Moleküle gezielt zu identifizieren, die sich bei bestimmten Erkrankungen bilden.
»Strange Health« geht Gesundheitstrends aus dem Netz nach und beleuchtet sie wissenschaftlich. Moderiert wird er von Katie Edwards von der Wissenschaftsplattform »The Conversation« und Dan Baumgardt, Allgemeinmediziner und Dozent an der Universität Bristol.