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Demografie

Alt werden und produktiv bleiben

21.07.2008  16:31 Uhr

Demografie

Alt werden und produktiv bleiben

Von Uta Grossmann, Berlin

 

Die Menschen in Deutschland werden immer älter und bleiben dabei öfter gesund. Einen Beitrag dazu leisten ein gewandelter Lebensstil und eine bessere medizinische Versorgung, besonders in der Behandlung der Haupttodesursachen Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs. Das ergab eine Studie zur Lebenserwartung.

 

»Einen großen Anteil an dieser positiven Entwicklung haben moderne Therapieformen. Besonders bei der Indikation Bluthochdruck trägt die gute Versorgung mit Medikamenten erheblich dazu bei, dass immer weniger Menschen an Herzinfarkten und Schlaganfällen sterben«, sagte Professor Dr. Gabriele Doblhammer-Reiter am vergangenen Freitag in Berlin. Die Direktorin des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels hatte im Auftrag des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) eine Studie zur Lebenserwartung der Deutschen erstellt. Das Zentrum ist eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung und der Universität Rostock.

 

VFA-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Yzer erinnerte daran, dass viele Meilensteine in der Arzneimittelforschung in das 20. Jahrhundert fallen. »Dies zeigt, dass kaum eine andere Branche einen so zentralen Beitrag für die Verlängerung der Lebenszeit leistet wie die forschenden Pharmaunternehmen. Mit ihrer Forschungsarbeit an innovativen Arzneimitteln tragen diese kontinuierlich dazu bei, dass Menschen länger und gesund leben«, so Yzer.

 

Wie hoch der Anteil der Pharmaindustrie an der gestiegenen Lebenserwartung ist, lässt sich wissenschaftlich seriös nicht beziffern. Doblhammer-Reiter sprach von einem ganzen Bündel von Faktoren, deren Zusammenspiel sich positiv auswirke. Neben medizinischen Innovationen und der Entwicklung von Medikamenten seien soziale Einflüsse und das Verhalten entscheidend. Der Lebensstil spielt eine große Rolle, und zwar in der Reihenfolge Ernährung, Sport, Rauchen, Alkohol und Risikobereitschaft. Wichtig sind überdies Arbeitsumfeld und Umweltfaktoren sowie das Gesundheitsverhalten.

 

Die meisten Lebensjahre kosten die durch einen ungesunden Lebensstil geförderten Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck sowie Rauchen und starker Alkoholkonsum. Cornelia Yzer nannte als Beispiel für den direkten Einfluss pharmazeutischer Innovation auf eine sinkende Sterberate HIV/Aids. Anfang der 90er Jahre starben mehr und mehr Menschen, vor allem Männer, an der erworbenen Immunschwächekrankheit. Mit dem kombinierten Einsatz antiretroviraler Medikamente begann die Sterberate der mit dem HI-Virus Infizierten zu sinken: in den westlichen Ländern von fünf Männern je 100.000 Einwohner Mitte der 90er Jahre auf heute einen Toten je 100.000 Einwohner.

 

Angst vor Altersarmut

 

Das Thema der alternden Bevölkerung sei noch immer weitgehend angstbesetzt, sagte die VFA-Hauptgeschäftsführerin Yzer. Viele fürchten sich vor einem Alter in Armut. Die zentrale Frage ist aber nach Meinung Yzers, wie produktiv eine alternde Gesellschaft bleibe.

 

Die durchschnittliche Lebenserwartung ist nach Aussage der Studienleiterin Doblhammer-Reiter in Deutschland seit Beginn des 20. Jahrhunderts um mehr als 30 Jahre gestiegen. Sie liegt momentan für Frauen bei 82 und für Männer bei 77 Jahren. Nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes könnten Frauen im Jahr 2050 durchschnittlich fast 90 Jahre alt werden, Männer 85 Jahre.

 

Weltweit leben derzeit japanische Frauen am längsten. Sie werden durchschnittlich 85,8 Jahre alt. Bei den Männern ist die Schweiz mit 79,1 Jahren Spitzenreiter. In Deutschland gibt es regionale Unterschiede: In Baden-Württemberg leben die Menschen am längsten, Frauen durchschnittlich 83 Jahre und Männer 78 Jahre, in Mecklenburg-Vorpommern am statistisch kürzesten (81,4 beziehungsweise 74,5 Jahre). Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland werden seit der Wende von Jahr zu Jahr geringer.

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