Pharmazeutische Zeitung online

Herausforderung und Chance

19.07.2010  15:17 Uhr

Mehr als 50 000 zugelassene Fertigarzneimittel bilden die Grundlage für die moderne Pharmakotherapie. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welchen Stellenwert die Magistralrezeptur heute noch hat. Braucht es diese Form der Arzneimittelherstellung überhaupt noch?

 

Etwa 16 Millionen Rezepturen, die im Jahr 2009 zulasten der Krankenkassen in deutschen Apotheken angefertigt wurden, geben auf diese Frage eine deutliche Antwort. Die Magistralrezeptur ist keineswegs obsolet, vielmehr spielt sie auch heute noch eine wichtige Rolle bei der Behandlung vieler Erkrankungen. Die aktuelle Ausgabe der PZ trägt dem mit einer Stellungnahme der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) und einem Beitrag über Rezepturringversuche Rechnung (siehe dazu ZL-Rezeptur-Ringversuche: Qualitätssicherung in der Apotheke).

 

In einer Arzneimittelversorgung, die ausschließlich auf Fertigarzneimitteln beruht, sind therapeutische Lücken vorprogrammiert, wenn zum Beispiel Wirkstoffe nicht ausreichend stabil sind, eine individuelle Dosierung notwendig ist oder Fertigarzneimittel mit einem bestimmten Arzneistoff noch nicht oder nicht mehr zur Verfügung stehen. In diesen Fällen ist es notwendig, die Lücken durch Magistralrezepturen zu schließen. Individuell in der Apotheke angefertigte Rezepturen stellen somit unverzichtbare Elemente der Arzneimitteltherapie dar. Ihre Bedeutung wird im Rahmen einer personalisierten Medizin der Zukunft noch steigen.

 

Hinsichtlich der Qualität müssen Rezeptur-Arzneimittel selbstverständlich die gleichen hohen Anforderungen erfüllen, die für Fertigarzneimittel gelten. Die Umsetzung von Rezepturverordnungen zu qualitätsgesicherten Arzneimitteln ist deshalb eine große Herausforderung und ein wichtiger Teilaspekt der Qualitätsoffensive der Bundesapothekerkammer. Wichtige Elemente sind dabei die Fortentwicklung des NRF von einer bloßen Rezepturensammlung hin zu einem Rezepturgesamtkonzept, die Leitlinien der Bundesapothekerkammer zur Qualitätssicherung sowie insbesondere die Rezepturringversuche des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker (ZL) als wirksames Instrument zur Qualitätssicherung.

 

Die Magistralrezeptur ist Herausforderung und Chance zugleich, um pharmazeutische Expertise zu beweisen. Darüber hinaus ist sie eines der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale der Apotheke. Um die Zukunft der Magistralrezeptur zu sichern, sind Apothekerinnen und Apotheker gefordert. Denn nur wenn deren Qualität dauerhaft gesichert ist, werden Rezepturarzneimittel als integraler Bestandteil einer umfassenden Arzneimittelversorgung nachhaltige Akzeptanz finden.

 

Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz

Mitglied der Chefredaktion

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