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Gesundheitsmarkt

Jeder Zweite scheut Apothekenketten

15.07.2008
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Gesundheitsmarkt

Jeder Zweite scheut Apothekenketten

Von Uta Grossmann, Berlin

 

Die Deutschen sind gut vorbereitet auf ein Gesundheitswesen, das mehr und mehr zu einem Markt wird. 88 Prozent holen auch künftig Medikamente am liebsten in Apotheken.

 

»Die Menschen sind offen für Veränderungen im Gesundheitswesen«, sagte Dr. Karsten Neumann, Principal bei Roland Berger, bei der Präsentation der Studie vorige Woche in Berlin. »Sie wollen Wahlfreiheit und sie sind hochinteressiert an Prävention.« Die Unternehmensberatung hatte die Studie nicht für einen Auftraggeber sondern »aus eigenem Interesse« erstellt, wie Roland-Berger-Partner Dr. Joachim Kartte sagte. Die Studie fragt nach den Strategien der Anbieter im deutschen Gesundheitssystem und deren Akzeptanz in der Bevölkerung. Dazu wurden 1000 Erwachsene interviewt. Fazit der Studie: »Die Bürger haben den Rollenwechsel von Leistungsempfängern hin zu aktiv handelnden Kunden angenommen.«

 

Nach dem Einkauf von Medikamenten auch außerhalb der Apotheke befragt, würden 88 Prozent weiterhin die herkömmliche Apotheke bevorzugen. Die Studie geht von einer Zulassung des Fremd- und Mehrbesitzes aus. Mit 54 Prozent folgen Apothekenketten auf dem zweiten Platz. In Internetapotheken würden 37 Prozent der Befragten Arzneimittel kaufen, im Drogeriemarkt 30 Prozent. Supermarkt, Tankstelle und Kiosk kommen für die wenigsten in Betracht (13, sechs und fünf Prozent). 93 Prozent der Deutschen wollen, so das Ergebnis der Studie, individuelle Leistungen und würden vom Standardangebot der Krankenversicherung abweichende Tarife mit zusätzlichen oder eingeschränkten Leistungen wählen. Allerdings kommen die bereits jetzt von Krankenkassen angebotenen Wahltarife bekanntlich schlecht bei den Versicherten an. Das liege daran, dass sie unattraktiv gestaltet seien, sagte Unternehmensberater Neumann.

 

Kritisch hinterfragen sollte man auch die Aussage der Studie, die Versicherten seien bereit, für bessere Leistungen mehr zu bezahlen. Das ist in einer Umfrage leicht behauptet. Wenn es tatsächlich ans Portemonnaie geht, sieht es erfahrungsgemäß meist anders aus.

 

Während kaum ein Befragter auf die freie Arztwahl verzichten würde, nähmen bei Arzneimitteln 60 Prozent eine Beschränkung auf Vertragspartner der Krankenkassen hin, wenn dadurch die Beiträge sänken.

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