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Genetische Ursache für kindliche Hirntumore entdeckt

26.07.2013
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Veränderungen in einem einzigen Signalweg sind die Ursache für die häufigste Form von Hirntumoren im Kindesalter: die pilozytischen Astrozytome. Das berichten Forscher um Professor Dr. Stefan Pfister vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg im Fachjournal »Nature Genetics« (doi: 10.1038/ng.2682).

 

Die Forscher sequenzierten das Genom aus Tumorproben von 96 Patienten. In allen untersuchten Fällen fanden sie Defekte in Genen, die am sogenannten MAPK-Signalweg beteiligt sind. Die Abkürzung steht für Mitogen-aktivierte Proteinkinase. Dieser Signalweg umfasst in Serie hintereinander geschaltete Übertragungen von Phosphatgruppen vom einen Protein zum nächsten. Auf diese Weise übermitteln Zellen Botschaften an den Zellkern. Die MAPK-Signale regulieren zahlreiche grund­legende biologische Prozesse wie die Embryonalentwicklung oder die Differenzierung, das Wachstum und den Tod von Zellen.

 

»Wir hatten bereits vor einigen Jahren die Hypothese aufgestellt, dass pilo­zytische Astrozytome grundsätzlich aufgrund einer fehlerhaft aktivierten MAPK-Signalgebung entstehen«, sagte Erstautor Dr. David Jones laut einer Pressemitteilung des DKFZ. In etwa einem Fünftel der Fälle hatten die Forscher zunächst keine solchen Mutationen gefunden. Bei der Gesamtanalyse der Genome seien sie jetzt bei drei weiteren am MAPK-Signalweg beteiligten Genen auf aktivierende Defekte gestoßen, die bisher beim Astrozytom noch nicht beschrieben worden waren.

 

»Die wichtigste Schlussfolgerung aus unseren Ergebnissen ist, dass potenziell für alle pilozytischen Astro­zytome zielgerichtete Wirkstoffe zur Verfügung stehen, die eine überaktive MAPK-Signalkaskade an verschiedenen Stellen blockieren können«, so Studienleiter Pfister. »Damit können wir hoffentlich zukünftig auch den Kindern helfen, deren Tumoren operativ schwer zugänglich sind.«

 

Mit Vemurafenib (Zelboraf®) ist bereits seit 2012 ein Inhibitor der BRAF-Kinase, einer zentralen Komponente des MAPK-Signalwegs, auf dem deutschen Markt. Dabrafenib, ein weiterer BRAF-Hemmer, wurde in den USA im Mai 2013 in Form von Kapseln zugelassen. Der MEK-Kinasehemmer Trame­tinib ist ebenfalls seit Mai 2013 in den USA in Form von Tabletten auf dem Markt. / 

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