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Fluglärm schädigt die Blutgefäße

26.07.2013
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Nächtlicher Fluglärm beeinträchtigt die Gefäßfunktion und erhöht den Spiegel des Stresshormons Adrenalin.

 

Das trägt zur Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei, berichten Forscher um Professor Dr. Thomas Münzel von der Universitätsklinik Mainz im »European Heart Journal« (doi: 10.1093/eurheartj/eht269). »Wir wissen, dass Fluglärm Bluthochdruck, Herzinfarkte und auch Schlaganfälle auslösen kann. 

Die genauen Mechanismen, die zu diesen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, waren bisher jedoch nicht bekannt«, sagt Münzel laut einer Pressemitteilung der Uniklinik. In der Untersuchung wurden 75 gesunde junge Männer ohne diagnostizierte Vorschädigung des Herz-Kreislauf-Systems in zufälliger Abfolge nachts drei unterschiedlichen Lärmszenarien ausgesetzt. »In diesen Lärmszenarien haben wir Nachtflüge mit einem durchschnittlichen Lärmwert von 60 Dezibel simuliert und die Probanden zu Hause dieser Lärmbelastung in einem Feldversuch ausgesetzt. Mal waren es 30, mal 60 simulierte Nachtflüge«, erklärt Dr. Frank Schmidt, der an der Untersuchung beteiligt war. Als Kontrolle diente eine lärmfreie Nacht.

 

Der Lärm trieb bei den Probanden den Adrenalinspiegel in die Höhe. Zudem beeinträchtigte er die Gefäßfunktion, wie die Forscher mit hochauflösenden Ultraschallgeräten messen konnten. Die Erweiterungsfähigkeit der Gefäße nahm ab: Es entstand eine endotheliale Dysfunktion. Diese ließ sich durch die Gabe von Vitamin C interessanterweise wieder ausgleichen.

 

Die Forscher vermuten, dass durch Lärm ausgelöster oxidativer Stress die Gefäßfunktion beeinträchtigt, was ein wichtiger Mechanismus für die Entstehung von lärmbedingtem Bluthochdruck und dessen möglichen Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sein könnte. Außerdem scheinen sich Menschen nicht an den nächtlichen Lärm zu gewöhnen. »Eine Beschallung mit 30 Überflügen induzierte in einer nachfolgenden Nacht mit 60 Überflügen eine deutlich schlechtere Gefäßfunktion«, berichtet Münzel. Dieser sogenannte Priming-Effekt müsse in weiteren Untersuchungen noch überprüft werden. Aufgrund der schädlichen Auswirkung auf das Herz-Kreislauf-System fordern die Mediziner, die nächtliche Lärmbelastung für die Bevölkerung so niedrig wie möglich zu halten. /

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