Pharmazeutische Zeitung online

Glaubenskrieg um Globuli

13.07.2010  16:42 Uhr
Datenschutz bei der PZ

Bislang war die Homöopathie vor allem ein akademisches Streitthema. Seit dieser Woche mischen nun auch die Politiker mit. Karl Lauterbach, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD, will den Krankenkassen verbieten, homöopathische Behandlungen zu bezahlen – und provoziert damit einen Aufschrei quer durch alle Parteien (siehe dazu GKV-Leistungen: Streit um Homöopathie).

 

Ohne Frage ist die Homöopathie beliebt. Laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Allensbach aus dem vergangenen Jahr ist jeder vierte Deutsche überzeugter Anwender von Globuli & Co. Das kann jedoch nicht die Allgemeinheit verpflichten, für Therapien ohne nachgewiesenen Nutzen zu zahlen. Denn wissenschaftlich betrachtet ist Lauterbachs Forderung berechtigt: In evidenzbasierten Studien kommt die Homöopathie nicht über den Placeboeffekt hinaus. Ihre Anhänger argumentieren nur mit Fallbeispielen. Wieso sollte die Gesetzliche Krankenversicherung angesichts knapper Kassen etwas zahlen, wofür es keinen Wirksamkeitsnachweis gibt? Sie muss ja nicht einmal mehr unzweifelhaft wirksame Insulinanaloga bezahlen.

 

Die Homöopathie ist zwar keine Regelleistung, wird aber von manchen Krankenkassen durch Zusatzverträge abgedeckt. Dabei subventionieren alle Versicherten die Therapiewünsche der Homöopathie-Anhänger. Fairer sind Wahltarife, bei denen die einzelnen Mitglieder private Zusatzversicherungen abschließen. Diese sollten jedoch nicht von der Allgemeinheit subventioniert werden.

 

Ein beliebtes Argument dieser Woche ist, dass die Homöopathie trotz großer Anhängerschaft nur einen kleinen Teil der GKV-Ausgaben ausmacht. Laut Bundesverband der pharmazeutischen Industrie liegen die Kosten für Homöopathika bei 0,06 Prozent der Arzneimittelausgaben auf Basis der Herstellerabgabepreise, Wahltarife nicht mitgezählt. Das klingt zunächst vernachlässigbar. Doch wenn man bedenkt, dass die GKV mehr als 28 Milliarden Euro im Jahr 2009 für Arzneimittel ausgegeben hat, kommt da eine ansehnliche Summe zusammen – Behandlungshonorare für lange Sitzungen beim Homöopathen noch nicht mitberechnet.

 

Immerhin waren Homöopathika den Deutschen laut Bundesverband der Arzneimittelhersteller im Jahr 2008 knapp 400 Millionen Euro in der Selbstmedikation wert. Daran gibt es auch nichts auszusetzen. Dem mündigen Bürger und Patienten sollte schließlich selbst überlassen werden, ob er an die Heilkraft der Homöopathie glaubt. Doch dafür sollte er dann auch aus eigener Tasche bezahlen.

 

Daniela Biermann

Redaktion PZ

Mehr von Avoxa