Pharmazeutische Zeitung online
Homöopathika

Auch Koalition stellt sich gegen Erstattung

Nach den Kassenärzten haben sich jetzt auch Fachpolitiker der Großen Koalition dafür ausgesprochen, die freiwillige Kostenerstattung für homöopathische Mittel durch die Krankenkassen abzuschaffen.
dpa
PZ
12.07.2019
Datenschutz bei der PZ

»Es ist schwer vermittelbar, dass Kosten für Homöopathie teilweise übernommen werden, während an anderer Stelle gespart werden muss«, sagte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Deswegen kann ich mir durchaus ein Ende der Erstattungsfähigkeit vorstellen.« Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sabine Dittmar, kritisierte fehlende Wirksamkeitsnachweise für Homöopathika. »Ich sehe es deshalb kritisch, dass Krankenkassen und damit die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler diese Mittel finanzieren.« Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP sieht es so: »Jeder, der Homöopathie befürwortet, soll sie auch weiter erwerben können. Aber auf Selbstzahler-Basis«, sagte Christine Aschenberg-Dugnus.

Während Rüddel die Zuschüsse abschaffen möchte, hält seine Parteikollegin Karin Maag eine freiwillige Übernahme seitens der Kassen für »vertretbar«. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion verwies am Freitag im Deutschlandfunk auf die freie Kassenwahl: »Derjenige, der für sich Homöopathie ablehnt, der kann ohne weiteres eine Kasse finden, die diese Medikamente nicht erstattet.« Zudem begründete Maag ihre Haltung mit den geringen Kosten für die Kassen: »Wir reden von 0,03 Prozent der Ausgaben.«

Nach einem Bericht des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI) zahlte die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) im Jahr 2017 lediglich 10,5 Millionen Euro für homöopathische Mittel. Im Gegensatz dazu beliefen sich die gesamten Arzneimittelausgaben in jenem Jahr nach BPI-Berechnungen auf 39,6 Milliarden Euro. Der Linken-Politiker Harald Weinberg hält die Debatte mit Blick auf die Zahlen für überzogen. Die Kosten für Homöopathie für die Krankenkassen seien extrem niedrig, es gebe wichtigere Probleme. Im Nachbarland Frankreich sollen homöopathische Arzneimittel ab 2021 nicht mehr von der Kasse erstattet werden. In Deutschland sind sie kein Bestandteil des Leistungskatalogs der GKV. Allerdings erstatten viele Kassen die Kosten dennoch – auch aus Marketinggründen.

Mehr von Avoxa