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WIPIG

Prävention hoch im Kurs

07.07.2008
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WIPIG

Prävention hoch im Kurs

Von Brigitte M. Gensthaler und Hartmut Morck, München

 

»Prävention ist, das Leben gesund zu genießen.« Mit diesem Slogan tritt WIPIG - Wissenschaftliches Institut für Prävention im Gesundheitswesen an die Öffentlichkeit. Ziel des unabhängigen Instituts ist es, die Apotheker in der Prävention fest zu verankern.

 

»Prävention ist ein wichtiger Baustein im Leistungsspektrum der Apotheker. Es war 5 vor 12, dass die Apotheker sich hier mit WIPIG positionieren«, sagt Margit Schlenk, Sprecherin des Institutsdirektoriums, im Gespräch mit der PZ. »Wir Apotheker gehören bei der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention unbedingt dazu«, ist die Nürnberger Apothekerin überzeugt. Die Vorbeugung sei derzeit politisch en vogue und hier müssten die Apotheker »den Pflock einrammen«, wenn sie auch künftig mitwirken wollen.

 

Aus diesem Grund beschloss der Vorstand der Bayerischen Landesapothekerkammer (BLAK) im Sommer 2007 die Institutsgründung. Nach der Berufung von Direktorium, Geschäftsführung und Beirat im Frühjahr dieses Jahres starteten auch gleich die ersten Projekte. Zwei Kriterien sind dem Kammerpräsidenten Dr. Ulrich Krötsch besonders wichtig: »WIPIG ist ein unabhängiges Institut und seine Arbeit wird wissenschaftlich begleitet.«

 

»Die Apotheker sind für Aufgaben in der Prävention prädestiniert, denn sie vereinen Gesamtüberblick und menschliche Kompetenz«, vertritt Schlenk. Als Heilberufler hätten sie in ihrer Ausbildung ein breites Wissen auf vielen Gebieten wie Physiologie, Biochemie, Ernährungswissen, Pharmakologie und Krankheitsbilder erworben. Nicht zu unterschätzen: »Für die Bürger sind wir die niedrigschwelligste Anlaufstelle für Gesundheitsfragen. In die Apotheke kann jeder ohne Eintrittsgebühr kommen.«

 

Allerdings bieten die Apotheker ihre Leistungen bislang unentgeltlich oder gegen eine geringe Schutzgebühr an. Das ist nach den Vorstellungen der WIPIG-Verantwortlichen nicht länger akzeptabel. Leistung muss bezahlt werden. Apotheker müssten auch einfordern, was ihnen zusteht. Eine Honorierung von Präventionsleistungen sei zwingend erforderlich. Und erreichbar. WIPIG solle dabei eine wichtige Rolle übernehmen, sagt Schlenk. Denn das firmenunabhängige Institut könne wissenschaftliche Schulungsunterlagen, beispielsweise zur Raucherentwöhnung, erstellen und bei den Kassen einreichen. Auch die Wahltarife der Kassen böten eine Einstiegsmöglichkeit für die Apotheker. Kassenverhandlungen will das Institut aber nicht führen. Dies sei Aufgabe des Bayerischen Apothekerverbands, sagt Schlenk. Bewusst sei ein BAV-Vorstandsmitglied im WIPIG-Direktorium vertreten.

 

Mit Elan in die ersten Projekte

 

Das Institut hat seine ersten Projekte bereits durchgeführt oder bereitet sie vor. So konnten die Apothekenleiter in München, Augsburg und Nürnberg im Mai per Fragebogen zu ihrem Engagement in der Raucherentwöhnung Stellung nehmen (siehe dazu Nichtraucherschutz: WIPIG-Umfrage zur Raucherentwöhnung in der Apotheke). Die Ergebnisse sollen beispielsweise in die zertifizierte Kammerfortbildung zu diesem Thema einfließen, sagt die Sprecherin.

Ein Jahr WIPIG im Zeitraffer

Im Juli 2007 gründete der BLAK-Vorstand das unabhängige Institut WIPIG; in den Folgemonaten erarbeitete eine Arbeitsgruppe aus Vorstandsmitgliedern erste Konzepte. Im Frühjahr 2008 wurden die Strukturen für den Institutsbetrieb im Bayerischen Apothekerhaus geschaffen, im April Direktorium, Geschäftsführung und Beirat berufen. Erste Vernetzungen mit regionalen und überregionalen Einrichtungen des Gesundheitswesens entstehen. Im Mai stellt Kammerpräsident Dr. Ulrich Krötsch das neue Institut allen bayerischen Apothekern per Brief und Flugblatt vor. Auch die Delegiertenversammlung vor Beginn des Bayerischen Apothekertags in Regensburg befasst sich Ende Mai mit der neuen Einrichtung. Das Echo ist überwiegend positiv. Nach der Umfrage zum Nichtraucherschutz und zum »Tag des Cholesterins« in Nürnberg stehen die nächsten Aktionen an. Ab September werden die Arbeitsgruppe Weiterbildung tagen und das Projekt »Apotheke macht Schule« starten. 2009 soll der erste Kurs der Weiterbildung »Prävention und Gesundheitsförderung« beginnen.

Als großes Projekt startet nach den Sommerferien die Aktion »Apotheke macht Schule«, die die Bayern von der LAK Baden-Württemberg übernommen und leicht modifiziert haben. Hier geht es um Primärprävention in den Schulen. Apotheker, die in einer Schulklasse Vorträge halten möchten, erhalten von WIPIG zielgruppen- und altersgerecht ausgearbeitete Unterlagen zu bestimmten Themen und können an einer freiwilligen Schulung teilnehmen. Dieses Projekt findet in Kooperation mit dem Bayerischen Kultusministerium statt.

 

Das Interesse der Schulen an den Vorträgen sei groß, informiert Schlenk. »Unser Projekt soll die lokale Vernetzung zwischen der Apotheke und der Schule am Ort fördern und eine Bindung zum Apotheker aufbauen helfen.« Selbstverständlich sind die Vorträge vor Eltern oder Kindern produktneutral.

 

In wenigen Tagen findet die Cholesterol-Messaktion beim Nürnberger Gesundheitsmarkt statt. Die Apotheker informieren über »gutes« und »böses« Cholesterol, angepasste Ernährung und Prävention und bieten den Bürgern gegen eine Spende eine differenzierte Bestimmung der Blutfettwerte an. Die anonymisierten Daten werden anschließend evaluiert. Hier kooperiert das Institut mit der BLAK, dem BAV und der Lipid-Liga.

 

Krötsch machte zudem auf ein für den Herbst geplantes Projekt aufmerksam. Die Apotheker wollen sich beim Tag der Osteoporose beteiligen. Gemeinsam mit dem VdK sind WIPIG und BLAK Mitveranstalter. Das Institut will unter anderem neue Zahlen zum medikamentösem Versorgungsgrad von Osteoporose-Patienten erheben.

 

Partner im Netzwerk

 

Soviel Aktivität braucht Verbündete und auch Geld. Je nach Projektinhalt arbeite man mit unterschiedlichen Kooperationspartnern zusammen, sagt Schlenk. WIPIG könne als Netzwerkpartner auch bundesweit agieren, biete Strukturen und bündele Synergien. Über www.wipig.de könnten sich auch Vereine und Nicht-Apotheker als Netzwerkpartner melden. Ohnehin habe man bewusst auf den Apotheker im Institutsnamen verzichtet, um die unabhängige wissenschaftliche Institution in den Vordergrund zu stellen. Davon erhoffe man sich zudem ein besseres Entrée bei den Medien.

Personen im WIPIG

Dem Direktorium gehören neben Margit Schlenk, Vorstandsmitglied der BLAK und Sprecherin des Direktoriums, die Kammervizepräsidentin Jutta Rewitzer aus Furth im Wald sowie der stellvertretende BAV-Vorsitzende Dr. Hans-Peter Hubmann aus Kulmbach an. Geschäftsführer ist Dr. Helmut Schlager. Dem wissenschaftlichen Beirat gehören derzeit die Professoren Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz und Dr. Werner Richter an.

 

WIPIG - Wissenschaftliches Institut für Prävention im Gesundheitswesen, Maria-Theresia-Straße 28, 81675 München, Telefon 089 926239, Fax 089 926266. E-Mail: info(at)wipig.de, www.wipig.de.

Und die Finanzierung? Den Anschub gaben die Apothekerkammer und die Bayerische Apothekerstiftung, erklärt WIPIG-Geschäftsführer Dr. Helmut Schlager. Man werde versuchen, auch Förderanträge bei der Lesmüller-Stiftung, beim Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, beim Bund sowie bei der EU einzureichen. »Wir wollen zusätzliche Fördergelder gewinnen.« Klar ist aber auch: WIPIG ist und bleibt industrieunabhängig. 

 

Der Weg zum Präventionsmanager

Welch hohen Stellenwert die Prävention für die bayerischen Apotheker genießt, zeigt auch die neu geschaffene Weiterbildung »Prävention und Gesundheitsförderung«. Auf Bundesebene wurde bereits ein Curriculum in Angriff genommen, das unter anderem vom WIPIG weitergetragen und ausgebaut wird, berichtet Krötsch. Dabei sollen praktische und theoretische Seminarinhalte mit der Praxiserfahrung der Teilnehmer unterfüttert werden. Neben dem 80-stündigen Curriculum sollen diese später je nach individueller Interessenslage freiwillig noch 20-stündige Aufbaumodule zu verschiedenen Schwerpunktthemen belegen.

 

Aufgabe der BLAK ist es, die Weiterbildung anzubieten; das WIPIG könne dann nach erfolgreichem Abschluss einen zusätzlichen Titel verleihen, erläutert Schlager, der in der Kammer für die Weiterbildung verantwortlich ist. »Präventionsmanager WIPIG«: Mit diesem Titel könnten die Teilnehmer dann ihre Präventionsleistungen für die Kunden öffentlichkeitswirksamer nach außen tragen.

 

Dem Attribut Wissenschaftlichkeit im Institutsnamen trägt das WIPIG Rechnung: Ab August wird eine Doktorandin die Arbeit des Instituts tatkräftig unterstützen und die WIPIG-Aktionen wissenschaftlich vorbereiten, begleiten und evaluieren, sagt Krötsch. Die Apothekerin solle eine Dissertation auf dem Gebiet der Prävention erstellen. Wissenschaftlichen Support leisten natürlich auch die Beiratsmitglieder.

 

»WIPIG soll den Apothekern helfen, ihre Apotheke als Gesundheitszentrum zu etablieren. Darauf ist die neue Weiterbildung ausgerichtet«, sagt Schlager. Die Apotheke solle sich ganzheitlich positionieren für die Verbraucher, damit könne sie sogar ein wenig unabhängiger von der GKV werden.

 

Der Kammervorstand unterstützt das Institut tatkräftig. Doch bei allem Elan warnt Krötsch vor überzogenen Erwartungen: »WIPIG muss erst wachsen.« Seine Vision: Apotheker sind großflächig in die Prävention eingebunden, beispielsweise bei Ernährungsberatung, Management chronischer Erkrankungen, Monitoring von Blutparametern, Gesundheitstraining und -erziehung. Alle Beteiligten sind überzeugt: »WIPIG steht für Gesundheitsvorsorge.« Das hat Zukunft.

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