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Kassenärzte

Weigeldt Opfer des Machtkampfes

10.07.2007
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Kassenärzte

Weigeldt Opfer des Machtkampfes

PZ/dpa / Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat nach einem beispiellosen Machtkampf einen ihrer beiden Vorstände aus dem Amt gedrängt. Ulrich Weigeldt trat nach einem klaren Misstrauensvotum gegen ihn am vergangenen Freitag zurück.

 

Andreas Köhler wurde dagegen als Vorstandsvorsitzender im Amt bestätigt. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sprach von einem »Trauerspiel«. »Das Erschütternde ist: Es geht nur um Macht, und es geht nur um Geld«, sagte sie der dpa. Als Auslöser für das Misstrauensvotum werden Konflikte innerhalb des KBV-Vorstands sowie zwischen Haus- und Fachärzten angesehen. Köhler vertritt im KBV-Vorstand die Interessen der Fachärzte, Weigeldt war der Hausärzte-Vertreter. Beide Gruppen ringen um eine Honorarreform für die niedergelassenen Ärzte.

 

Schlappe für Hausärzte

 

Die KBV-Vertreterversammlung hatte Weigeldt zuvor das Vertrauen entzogen. 47 Mitglieder votierten gegen ihn, 11 für ihn, 2 enthielten sich. Gleichzeitig stellten sich 51 Mitglieder hinter Köhler, 6 stimmten gegen ihn, 3 enthielten sich. Das Ergebnis ist eine Schlappe für den Hausärzteverband, dessen Vorstand sich vor der Wahl deutlich gegen Weigeldts Abwahl ausgesprochen hatte. In einem Brief hatte der Verbandsvorstand eine mögliche Entscheidung gegen Weigeldt als »Affront gegen die Hausärzte« bezeichnet, den diese als Herauswurf aus der Körperschaft empfinden könnten.

 

Köhler war nach der Wahl um Schadensbegrenzung bemüht. »Ich freue mich über das eindeutige Votum der Vertreterversammlung, das ich als klaren Vertrauensbeweis für die Arbeit der KBV betrachte. Ich habe immer betont, dass ich Politik für die niedergelassenen Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten mache und nicht in berufspolitischen Lagern denke. Diesen Kurs werde ich gemeinsam mit meinem noch zu wählenden hausärztlichen Kollegen weiter verfolgen.« Ein Nachfolger Weigeldts als Hausarzt-Vertreter soll am 11. Juli gewählt werden. Bislang kandidiert dafür nur der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz, Carl-Heinz-Müller.

 

Ministerin Schmidt mahnte, die KBV müsse »endlich eine gerechte Honorarordnung auf den Weg bringen«. Diese stritten nun aber lieber, »anstatt sich gemeinsam um Lösungen zu bemühen«. Die KBV betonte dagegen, die Arbeiten an der Honorarreform liefen »auf Hochtouren weiter«. Nach der jüngsten Gesundheitsreform soll für niedergelassene Ärzte von 2009 an eine neue Vergütungsordnung mit festen Euro-Preisen gelten, die das aktuelle, heftig kritisierte Punktesystem ersetzen soll.

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