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Verkehrte Welt

05.07.2017  10:17 Uhr

Die Wahlprogramme der Bundestagsparteien liegen vor. Sogar die Union hat jetzt ihres vorgestellt (lesen Sie dazu auch Wahlprogramm: Union stützt Rx-Versandverbot). Dabei gibt es ungewöhn­liche Parallelen. In der Gesundheitspolitik sind CDU und Linke, was die Apotheker angeht, nahe beieinander. Sie unterstützen den freien Heil­beruf und das Versandverbot. Genau dieses lehnen FDP und Grüne ab. Beide Parteien setzen auf mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen. Für die Grünen gehören dazu Höchstpreise für Arzneimittel. Die ehemals apothekerfreundliche FDP wirbt dafür, »Markthemmnisse, wie das Fremdbesitzverbot, abzuschaffen«. Verkehrte Welt. So mancher Apotheker dürfte grübeln, für welche Partei er sich am 24. September entscheiden soll. Die SPD wird dabei vermutlich nicht ganz vorne stehen. Das liegt auch an der hartnäckigen Weigerung der Sozialdemokraten, dem Verbot des Rx-Versand­handels zuzustimmen. Hinzu kommt, dass den Sozialdemokraten in ihrem Wahlprogramm die Apothekerschaft exakt einen Satz wert ist: »Die Kompetenz der Apothekerinnen und Apotheker muss in die Versorgungsstrukturen effizient mit eingebunden werden.« Was auch immer das bedeuten soll.

 

Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Wer hätte vor zwei Legislaturperioden geglaubt, dass die gesundheitspolitischen Vorstellungen der Linken deckungsgleich sind mit denen der Apotheker, während jene der FDP die Apothekerschaft erschaudern lassen?

 

Besonders schwierig dürfte die Wahlentscheidung auch deshalb werden, weil es bei einer Bundestagswahl nicht nur um den eigenen Berufsstand, sondern auch um weltanschauliche Aspekte geht. Vermutlich werden vielen Apothekern die Steuerpläne der Linken weniger gut gefallen als deren gesundheitspolitischen Vorstellungen. Auch im Gesundheitswesen jenseits der Apotheke liegen die Positionen zwischen Apothekern und der Linken weit auseinander. Weder die Positivliste noch die Bürgerversicherung werden bei der Mehrheit der Apotheker auf Akzeptanz stoßen.

 

Stünde der GKV-Spitzenverband zur Wahl, dann käme er bei den Apothekern auf den letzten Platz. Im Vorfeld der Wahl macht der Kassenverband, unterstützt von der AOK, mit einer unappetitlichen Kampagne Stimmung gegen Apotheker – und für Apothekenketten, Versandhandel und neue Vertriebsstrukturen. Aber das dürfte den Kassenfunktionären egal sein.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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