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Erhebungsstudie

Siriderma MED Spezialpflege-Serie bei Hauterkrankungen

04.07.2017
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Von Jan Ohme und Wolfram Ledwoch / Die Ergebnisse einer Erhebungsstudie zur Anwendung schwach basischer Produkte der Siriderma® MED Spezialpflege-Serie zeigen eine deutliche Verbesserung der Hautsymptomatiken insbesondere bei atopischen Hauterkrankungen wie Neurodermitis sowie bei Psoriasis und Rosacea in der initialen Phase und in der Daueranwendung. Die Anwendung wurde von den Studienteilnehmern hinsichtlich der Wirksamkeit und Verträglichkeit überwiegend mit sehr gut bis gut bewertet.

Für dermatologische Erkrankungen stehen Patienten indikationsabhängig eine Vielzahl von Medikamenten zur topischen Behandlung, aber auch spezielle kosmetische Mittel – sogenannte Dermatokosmetika – zur therapiebegleitenden Pflege zur Verfügung. Trotz eingehender dermatologischer Diagnostik und Therapie durch den Facharzt greifen insbesondere Patienten mit chronischen Hauterkrankungen und bei geringfügigeren Irritationen der Haut ergänzend zu medizinischen Hautpflegeprodukten.

Da viele der chronischen Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Rosacea, Psoriasis oder das chronische Ekzem in ihren Ursachen, Erscheinungsformen und Behandlungsmethoden sehr komplex sind, sollten die vorhandenen Erfahrungen und die Selbstkompetenz der Betroffenen unbedingt beachtet werden. Diese Notwendigkeit wird dadurch gestützt, dass viele der Betroffenen Kinder sind, deren Eltern die tägliche Behandlung durchführen müssen.

 

Häufig werden bei chronischen Hauterkrankungen oder dem chronischen Ekzem unterschiedlich starke Corticoide zur Anwendung auf der Haut verordnet. Diese reduzieren meist schnell die bestehenden entzündlichen Erscheinungen. Wegen häufig gravierender Nebenwirkungen werden Corticoide jedoch in der Regel nur kurzzeitig und auf kleineren Hautpartien appliziert. Über die Möglichkeit, Corticoidgaben zu reduzieren, wird in Einzelfällen von den Patienten in der Erhebungsstudie berichtet.

 

Nächtlicher Juckreiz und Kratzattacken können zu einem Schlafdefizit, tagsüber auch zu Konzentrationsstörungen und Gereiztheit führen. Darüber hinaus leiden viele der Betroffenen unter einer teilweise erheblichen Beeinträchtigung ihres Aussehens. Soziale Ausgrenzung und Verminderung des Selbstwertgefühls können die Folge sein. Eine therapiebegleitende, angemessene Hautpflege mit basischen Pflegeprodukten – hier: vier verschiedene Produkte der Siriderma® MED Spezialpflege-Serie – führt nach Angaben von mehr als 90 Prozent aller Patienten unterstützend zu einer nachhaltigen Beruhigung der Haut bei atopischen Hauterkrankungen.

PZ-Originalia . . .

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Ferner wird in der Erhebungsstudie über eine Verbesserung der typischen und häufig beobachteten Merkmale atopischer Hauterkrankungen wie Entzündungen, Hautreizungen und Hautrötungen berichtet.

 

Die Wirksamkeit und der Patientennutzen bei der Anwendung von medizinischen Kosmetika, im Rahmen der therapiebegleitenden Pflege sind bislang nur unzureichend untersucht. Als schwach basische Spezialpflegeprodukte unterstützen sie nachhaltig und hocheffektiv die Intensivpflege der Problemhaut, bei Patienten/innen mit atopischen Hauterkrankungen. Sie schützen und erhalten die natürliche Schutzbarriere der Haut und unterstützen vermutlich pH-Wert-puffernd ihre Säure-Basen-Regulation besonders bei lokal pH-Wert-beeinflussenden Erkrankungen wie Neurodermitis.

Methodik

 

Im Zeitraum von 2014 bis 2015 wurde deutschlandweit in einer Erhebungsstudie bei langjährigen Anwendern (Anwendungsdauer von mindestens ein Jahr bis zu 17 Jahren) der patientenseitige Nutzen ermittelt. Gegenstand der Erhebungsstudie sind die Dermatokosmetika der Siriderma® MED Spezialpflege-Serie der Firma Sirius GmbH, Monheim.

Die Spezialpflegeserie wurde aufgrund jahrelanger Erfahrungen und durch die Umsetzung innovativer Ideen zur Zusammensetzung und Wirksamkeit entwickelt und durch ein europäisches Patent geschützt. Bestehend aus vier unterschiedlichen Pflegeprodukten steht ein Programm zur nachhaltigen Pflege der Problemhaut zur Verfügung:

 

  1. Aufbaupflegecreme INTENSIV für die stark schuppende Problemhaut
  2. Aufbaupflegecreme BASIS für extrem trockene Problemhaut
  3. Aufbaupflegecreme PLUS für juckende, gerötete Problemhaut (Dieses Produkt wurde erst zu einem späteren Zeitpunkt in die Produkteserie aufgenommen.)
  4. Basisches Badekonzentrat

Die Pflegeserie wird therapiebegleitend sowie in den schubfreien Phasen erfolgreich bei Patienten mit Problemhaut wie bei Neurodermitis, Psoriasis oder Rosacea zur Intensivpflege eingesetzt. Die sehr gute Verträglichkeit der leicht basischen Formulierungen ist ein wesentliches Charakteristikum dieser Produktgruppe.

 

Die Produkte werden ausschließlich auf Basis hochwertiger pflanzlicher Öle und aus überwiegend auf pflanzlicher Basis gewonnenen Rohstoffen und Emulgatoren zu Rezepturen verarbeitet. Konsequent wird auf die Verwendung von Ethanol, organisch-synthetischen Konservierungsstoffen, Parabenen, Paraffinen beziehungsweise Vaseline sowie Inhaltsstoffen tierischen Ursprungs verzichtet.

Alle Rezepturen sind auf einen schwach basischen pH-Wert zwischen 7,2 und 8,2 eingestellt. Damit wird die natürliche Schutzbarriere der Haut gestützt und die Haut dabei unterstützt, überschüssige Säure zu kompensieren, das heißt, die Haut wird beruhigt. Daher sind die verwendeten Produkte auch bei Patienten mit sehr sensibler und zu Allergien neigender Haut äußerst gut verträglich.

 

Durchführung

 

Insgesamt wurden aus der Kohorte der langjährigen Anwender im Rahmen der Erhebungsstudie über 1000 Langzeitanwender mit Problemhaut selektiert und ihre Eignung zur Teilnahme an einer Erhebungsstudie ermittelt. Darauf basierend wurden 1080 Fragebögen mit insgesamt 29 Fragen versandt.

Neben detaillierten Fragen zur Einschätzung der anfänglichen Hautsituation, Anwendungsdauer und -häufigkeit der Testprodukte und der Beurteilung der Veränderung der Hautsituation durch die Pflegemaßnahmen wurden die Patienten gebeten, Fragen zu den einzelnen von ihnen benutzten Testprodukten zu beantworten.

 

Sämtliche Fragen wurden ausschließlich durch die Patienten selbst beantwortet; dadurch war jede Einflussnahme auf das Ergebnis der Erhebung ausgeschlossen. Alle Patienten waren bereit, ihre teilweise jahrelangen Erfahrungen mit den verschiedenen Produkten der Siriderma® MED Spezialpflege-Serie auf dem Fragebogen zu dokumentieren. Der Fragebogen wurde anschließend anonymisiert an die Herstellerfirma, Firma Sirius GmbH, Monheim, zur Auswertung gesandt.

Das Alter der Patienten umfasste ein breites Altersspektrum von weniger als sieben bis zu mehr als 50 Jahren. Während in den Altersgruppen von weniger als sieben Jahre und acht bis 17 Jahre der Anteil der männlichen und weiblichen Probanden etwa ausgewogen zwischen 35 Prozent und 50 Prozent lag, überwog der Anteil der weiblichen Probanden in den höheren Altersgruppen durchschnittlich mit über 80 Prozent deutlich; der männliche Anteil blieb unter 10 Prozent. Diese Verschiebung der Geschlechter­anteile von den jüngeren zu den älteren Probanden war bei der Ergebnisauswertung zu berücksichtigen.

 

Auswertung

 

Insgesamt waren von den 1080 Fragebögen grundsätzlich 858 auswertbar. Aus der Datenanalyse wurden Patienten ausgeschlossen, die in ihren Frage­bögen zum Beispiel keine Angaben beziehungsweise unklare Angaben unter anderem zum Alter, Geschlecht et cetera oder unklare Angaben zur Symptomatik oder Wirkungen der Produkte gemacht hatten. Daher variieren die Bezugsgrößen (Gesamt-n) für die Berechnung der Aussagen zu Prozentanteilen in den verschiedenen in dieser Veröffentlichung dar­gestellten Auswertungen.

 

Die Daten wurden deskriptiv mittels SPSS für Windows ausgewertet.

 

Die Anwendung klassischer statistischer Datenanalysemethoden (wie ein Chi-Quadrattest) war aufgrund der Struktur des Erhebungsbogens nur sehr eingeschränkt möglich. So wurden keine Variablen tatsächlich gemessen. Damit lagen keine Daten vor, deren Grundgesamtheit statistisch bearbeitet werden konnte.

 

Ergebnisse

 

In der Auswertung wurden Angaben von Patienten mit empfindlicher, zu Allergien neigender Haut und mit irritierter Haut sowie (sehr) trockener Haut berücksichtigt. Die Mehrheit der Anwender war älter (über 35 Jahre) und hatte Erfahrungen bei der Anwendung schwach basischer Pflegeprodukte. Hautprobleme wie trockene und Neigung zu empfindlicher Haut traten bei Anwendern am häufigsten auf, die älter als 50 Jahre waren.

Tabelle 1: Gesamtdauer der Anwendung und lfd. Häufigkeit der Anwendung

Anwendungsdauer bei lfd. Anwendung
< 2 Wochen n = 172 20,2 %
1 Monat n = 590 69,3 %
2 bis 3 Monate n = 67 7,9 %
4 bis 6 Monate n = 22 2,6 %
Gesamt n= 851 100,0 %
Gesamtdauer der Anwendung
bis 1 Jahr n = 21 2,5 %
1-5 Jahre n = 416 48,5 %
5-10 Jahre n = 269 31,4 %
10-20 Jahre n = 91 10,6 %
> 20 Jahre n = 60 7,0 %
Gesamt n = 857 100,0 %

(Es wurden nur die Angaben der Studienpatienten berücksichtigt, die eindeutig den vorgegebenen Kategorien zugeordnet werden konnten.)

Die Verteilung der unterschied­lichen Hauterkrankungen bezogen auf die Gesamtanzahl der angegebenen Hauterkrankungen lag bei Patienten mit Neurodermitis in der Altersgruppe von über 35 Jahren mit circa 55 Prozent am höchsten. Ebenfalls in der Altersgruppe der Patienten von mehr als 35 Jahren lag auch die Mehrzahl der Patienten mit angegebener Erkrankung an einer Psoriasis (Abbildung 1 und 2).

 

Die Patienten wurden unter anderem gebeten, im Fragebogen detailliert anzugeben, wie ihre Hautsituation vor Beginn der Pflege mit den Testprodukten war und wie sich ihre Hautsituation durch deren Anwendung verbessert hat. Dabei zeigte sich, dass es zu einer deutlichen Reduktion bei mehr als 80 Prozent der Patienten insbesondere bei den Symptomen Hautrötungen und -reizungen kam. Beinahe ebenso deutlich waren die Verminderung des Juckreizes und der Hauttrockenheit (Abbildung 3).

 

Angaben zum Zeitraum der jeweiligen Anwendung mit den Testprodukten zu Beginn der Hautpflege und Verbesserung der Hautsituation nach einer Anwendungsdauer von einigen Wochen bis zu sechs Monaten wurden ebenfalls in der Auswertung berücksichtigt. Dabei zeigte sich, dass die Mehrzahl der Patienten bereits innerhalb von vier Wochen nach Anwendungsbeginn über einen nachhaltigen Wirkungseintritt berichteten (Abbildung 4).

 

Bei einer bis zu zweimal täglichen Anwendung gab die überwiegende Mehrzahl der Patienten mit einer Neurodermitis beziehungsweise Psoriasis bereits nach weniger als zwei Wochen bis längstens vier Wochen einen zufriedenstellenden Wirkungseintritt an. Die überwiegende Anzahl der Patienten berichtete über einen spürbaren Wirkungseintritt innerhalb von längstens vier Wochen (Abbildung 5).

Tabelle 2: Nachhaltige Hautberuhigung durch die Anwendung der Siriderma® MED Spezialpflege – Produkte

Anteil der Studienpatienten, die eine Hautberuhigung durch die Anwendung der ­Präparate feststellen konnten *BB *AI *AB *AP
Neurodermitis 49,4 % 50,1 % 50,1 % 52,0 %
Psoriasis 41,2 % 37,9 % 37,8 % 38,9 %
Rosacea 6,2 % 7,0 % 7,4 % 6,2 %
Ekzem 3,2 % 4,9 % 4,7 % 2,9 %
100 % 100 % 100 % 100 %

(Die Studienpatienten konnten mehr als ein Produkt zur Anwendung bei einer Hauterkrankung nennen.) *BB = Basisches Badekonzentrat; *AI = Aufbaupflegecreme intensiv; *AB = Aufbaupflegecreme Basis; *AP = Aufbaupflegecreme Plus

Patienten mit Psoriasis wiesen nach eigenen Angaben vor Beginn der Anwendung Symptome wie schuppende, punktförmige bis handtellergroße Hautstellen oft mit Juckreiz auf. Eine nachhaltige Hautberuhigung konnte im Rahmen der therapiebegleitenden Anwendung mit allen Produkten der Siriderma® MED Spezialpflege-Serie erzielt werden. Auch eine Reduzierung des Symptoms Juckreiz konnte erreicht werden. Bei Patienten mit Rosacea trat bei allen angegebenen Symptomen während der therapiebegleitenden Anwendung eine deutliche Besserung ein. Mehr als 80 Prozent der Patienten gab einen nachhaltigen Wirkungseintritt innerhalb eines Anwendungszeitraums von circa drei Monaten an. Bereits nach weniger als zwei Wochen war bei 21 Prozent der Patienten ein nachhaltiger Wirkungseintritt zu verzeichnen (Abbildung 5).

 

Die Mehrheit der Patienten (75 Prozent) beurteilte die Verträglichkeit aller vier verschiedenen Testprodukte als sehr gut; weniger als 10 Prozent beurteilten die Verträglichkeit einzelner Produkte als (weniger) zufriedenstellend (Abbildung 6).

 

Tabelle 1 zeigt eine laufende Anwendungsdauer der Pflegeprodukte durch die Patienten zu beinahe 90 Prozent von weniger als zwei Wochen bis zu einem Monat. Die Gesamtdauer der Anwendung umfasste bei 80 Prozent aller Anwendungen einen Zeitraum von einen bis zu zehn Jahren, in etwa 11 Prozent aller Anwendungen sogar bis zu 17 Jahren. Von Barrierestörungen – die angeblich durch die Langzeitanwendung basischer Dermatokosmetika provoziert werden sollen – wurden, wie aus Abbildung 6 hervorgeht, nicht berichtet.

 

Die deutlichste hautberuhigende Wirkung auf Parameter wie Irritationen beziehungsweise Rötungen oder Reizungen zeigte sich bei Patienten mit Neurodermitis, bei denen eine gestörte Barrierefunktion der Haut vorliegt (Tabelle 2). Dabei hatte die Anwendung der Siriderma® MED-Aufbaupflegecreme PLUS mit 52 Prozent aller Hauterkrankungen den stärksten hautberuhigenden Effekt. Psoriatriker gaben an, dass alle Produkte eine hautberuhigende Wirkung hatten, die mit etwa 38 bis 41 Prozent weniger ausgeprägt war als bei Neurodermitikern.

Tabelle 3: Verminderung des Juckreizes durch Anwendung der der Siriderma® MED Spezialpflege - Produkte

Anteil der Studienpatienten, die eine Verminderung des Juckreizes durch die Anwendung der Präparate feststellen konnten *AI * AB *AP
Neurodermitis 51,0 % 49,7 % 50,7 %
Psoriasis 39,8 % 39,9 % 39,6 %
Rosacea 5,4 % 5,7 % 5,8 %
Ekzem 3,8 % 4,6 % 4,0 %
100 % 100 % 100 %

(Die Studienpatienten konnten mehr als ein Produkt zur Anwendung bei einer Hauterkrankung nennen.) *BB = Basisches Badekonzentrat; *AI = Aufbaupflegecreme intensiv; *AB = Aufbaupflegecreme ­Basis; *AP = Aufbaupflegecreme Plus

Neurodermitis und Psoriasis gehen häufig mit Symptomen wie Juckreiz einher. Die Reduzierung des Juckreizes wurde von Neurodermitikern von allen Hauterkrankungen mit 51 Prozent am stärksten eingeschätzt. Bei der Psoriasis war dieser Effekt bei allen Produkten der Siriderma® MED-Serie um circa 10 Prozent geringer (Tabelle 3).

 

Die spätere Einführung des Produktes der Siriderma® MED-Aufbaupflegecreme Plus hatte offenbar keinen signifikanten Einfluss auf die Bewertungen der Anwender. Sowohl bei der Haut­beruhigung als auch bei der Verminderung des Juckreizes gab es im Vergleich zu den anderen Produkten keine wesentlichen Unterschiede.

 

Diskussion

 

Ziel der vorliegenden Erhebungsstudie war die Erfassung des Nutzens einer dauerhaften topischen Therapiebegleitung mit verschiedenen schwach basischen Pflegeprodukten anhand der Siriderma® MED Spezialpflege-Serie für Patienten mit chronischen Hauterkrankungen. Die Erfassung des patientenrelevanten Nutzens einer therapiebegleitenden Pflege dermatologischer Erkrankungen ist bislang wenig beachtet, sollte aber in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden, da diese Therapiebegleitung durch die Patienten selbst und in Absprache mit dem behandelnden Arzt auch kostensenkend wirken kann.

 

Der sogenannte Säureschutzmantel der Haut wird als solcher bezeichnet, weil einer verbreiteten wissenschaftlichen Auffassung nach nur ein saurer pH-Wert der Haut deren wesentliche Funktionen aufrechterhält. Die englischsprachige Literatur verwendet häufig den Begriff der »scientific evidence«. Dessen nicht immer richtige Übertragung ins Deutsche im Kontext eines »offensichtlichen oder sogar belegten wissenschaftlichen Zusammenhanges« hat zu dem Paradigmum geführt, dass ein unter allen Umständen saurer pH-Wert das Optimum für die Hautfunktion darstellt.

 

Die Wirkungen unterschiedlicher pH-Werte, speziell die von basischen pH-Werten, wurden kaum differenzierend systematisch erforscht. Es liegen verschiedene Untersuchungsergebnisse vor, die zu der eher trivialen Aussage kommen, dass stark basische Agenzien zu nachhaltigen Hautschäden führen können. Nun ist die eiweißdenaturierende und fettlösende Wirkung besonders stärkerer Basen keine Erkenntnis, die den Einsatz von schwach basischen Dermatokosmetika risikobehaftet erscheinen lässt. Vielmehr liegen zur Interpretation von Studienergebnissen wie der von der Firma Sirius vorgelegten Erhebungsstudie nur weniger wissenschaftliche Ergebnisse vor.

 

Fragen wie die genauen Zusammenhänge von pH-Wert und der Funktion des stratum corneum sind von Interesse, wenn es um die Rolle des pH-Wertes der Haut bei der Homöostasis der Haut, also deren Systemeigenschaft als Barriere gegen äußere Einflüsse und mikrobielle Abwehr geht (1). Es wird ein pH-Wertgradient im stratum corneum postuliert, der für die Aktivierung von Enzymen funktionell verantwortlich sein soll, die die Barrierefunktion der Haut aufrechterhalten. Außerdem sollen die oberflächliche Loslösung von Zellgruppen aus ihrem epithelialen Verband, die Schuppung der Haut und damit deren Regeneration von diesem PH-Wertgradienten anhängig sein. Ergebnisse einer 2005 publizierten kontrollierten Studie an Probanden mit einer artifiziellen Hautreizung zeigten keine überlegene Wirkung einer Hautcreme mit einem pH-Wert von 4 im Vergleich zu einer Creme mit einem pH-Wert von 7,5. Inwieweit diese Ergebnisse auf Hauterkrankungen mit veränderten pH-Werten der Haut oder bei der Verwendung anderer Formulierungen übertragbar sind, bedarf weiterer Klärung (2).

 

Der pH-Wert der Hautoberfläche liegt in Abhängigkeit von der ausgewählten Haut(mess)stelle und dem Lebensalter im physiologischen Bereich zwischen einem pH-Wert von 4 bis 6. Im Vergleich zu gesunden Erwachsenen war bei Patienten mit atopischer Dermatitis der pH-Wert im Bereich der Hautläsion vermindert (3,4). Die sehr empfindliche, gereizte und oft rissige Haut bei diesen Patienten geht oft mit einem gestörten Gleichgewicht der natürlichen Hautflora und des Haut-pH-Wertes einher (5). Durch eine pH-Wert-Änderung der Haut bei Patienten mit atopischer Dermatitis kann es aufgrund einer geänderten Funktion der Hautbarriere ferner zu einer vermehrten Besiedelung mit Staphylococcus aureus kommen. (6). Beeinträchtigungen der Bildung freier Fettsäuren und des Fettstoffwechsels im stratum corneum hängen wahrscheinlich auch damit zusammen, dass mit zunehmendem Lebensalter die Stoffwechselaktivität reduziert ist. Altersabhängig verändert sich darüber hinaus nicht nur der Wassergehalt, sondern auch der physiologische pH-Wert der Haut, insbesondere bei Patienten im höheren Lebensalter (7, 8). In der vorliegenden Erhebungsstudie berichteten vorwiegend ältere Patienten über ein stärkeres Auftreten von atopischen Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Psoriasis. Dies könnte durch die oben beschriebenen alters- und stoffwechselbedingten Veränderungen des Haut-pH-Wertes erklärt werden.

 

In einer Auftragsstudie der Firma Sirius GmbH, in der dermatologische Prüfungen nach internationalen Richtlinien durchgeführt wurden, konnte 2009 gezeigt werden, dass die tägliche Pflege mit den schwach basisch eingestellten Produkten der Siriderma® MED Spezialpflege-Serie die Barrierefunk­tion der Haut stabilisieren kann, ohne allergische oder irritative Unverträglichkeitsreaktionen hervorzurufen (9).

 

Die Ergebnisse zeigen, dass Patienten durch die Pflege ihrer trockenen, irritierten und zu Juckreiz neigenden Problemhaut mit den Produkten der Siriderma® MED Spezialpflege-Serie eine deutliche Verbesserung ihrer Haussituation erreichen können. Von Neurodermitikern, mit einer sehr trockenen Haut und extremem Juckreiz (mit dem Risiko des Eindringens von Krankheitserregern durch Kratzen und Scheuern) wurde von einer dauerhaften Verbesserung durch die therapiebegleitende Pflege berichtet. Symptomfreie Phasen könnten dadurch begünstigt werden und der Einsatz cortisonhaltiger Cremes und Salben verringert werden.

 

Die Bewertung des Nutzens von medizinischen Kosmetikprodukten aus Sicht von Patienten wird immer wichtiger. Eine tiefergehende Beurteilung und Einordnung der beschriebenen Verbesserungen der unterschiedlichen Hautsituationen bei atopischen Haut­erkrankungen wie Neurodermitis oder Psoriasis durch die Produkte der Siriderma® MED Spezialpflege-Serie, wie sie in der vorgestellten Erhebungsstudie berichtet wird, erfordert auch zukünftig die vertiefte und systematische Erfassung neuerer Untersuchungs- und Erhebungsdaten über die therapie­begleitende Verwendung schwach basischer Hautpflegeprodukte.

 

Zusammenfassung

 

Die Ergebnisse der Erhebungsstudie zeigen in allen Altersgruppen mit allen Produkten der Siriderma® MED Spezialpflege-Serie eine deutliche Verbesserung der Hautzustände insbesondere bei atopischen Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Psoriasis in der initialen Anwendungsphase und in der therapiebegleitenden Daueranwendung. /

Literatur

 

  1. Ali, Saba M. und Yosipovith, Gil: Skin pH: from basic Science to basic skin care. Acta dermato-venerologica 2013; 93: 261 - 267
  2. Izabela Buraczewska und Marie Loden: Treatment of Surfactant-Damaged Skin in Humans With Creams of Different pH Values. Pharmacology 2005; 73: 1 – 7
  3. Jürgen Blaak/ Rainer Wohlfart/ Nanna Y. Schürer: Treatment of Aged Skin with a pH 4 Skin Care Product Normalizes Increased Skin Surface pH and Improves Barrier Function, Journal of Cosmetics, Dermatological. Sciences and Applications 2011; 58: 50
  4. Knor,Tanja/ Mrholjic-Fetahovic, Ajsa/ Mehmedagic, Aida: Stratum corneum hydration and skin surface pH in patients with atopic dermatitis. Acta dermatovenerologica Croatica 2011 ; 19: 242 – 247
  5. Schmid-Wendtner, M.-H./ Korting, H. C.: The pH of the skin surface and its impact on the barrier function. Skin pharmacology and physiology 2006; 19: 296 – 302
  6. Rippke. Frank / Schreiner, Volker/ Doering, Thomas / Maibach, Howard, I: Stratum corneum pH in atopic dermatitis: impact on skin barrier function and colonization with Staphylococcus Aureus, American journal of clinical dermatology 2004 ;5 : 217 – 223
  7. Thune, P / Nilsen, T / Hanstad,IK / Gutavsen, T / Lövig Dahl, H: The water barrier function of the skin in relation to the water Content of stratum corneum , pH and the skin lipids. The effect of alkaline soap and syndet on dry skin in elderly, non atopic patients. Acta dermatovenereologica 1988; 68: 277 – 283
  8. Waller, Jeanette M and Maibach, Howard I.: Age and skin structure and function, a quantitative approach (I): blood flow, pH., thickness, and ultrasound echogenicity. Skin research and technology 2005; 11: 221 – 235
  9. Voss, Werner und Schlippe, Gerrit: pH-Wert-Messung an der menschlichen Haut, fachärztliches Gutachten 2009; 1 - 8

Kontakt

Professor Dr. J. Ohme

Institut für Healthcare-Management

c/o Hochschule Niederrhein

Fachbereich Gesundheitswesen

Geschäftsführender Institutsleiter: Prof. Dr. Hubert Otten

Reinarzstraße 49

47805 Krefeld

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