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Boehringer Ingelheim

Aus für Faldaprevir

02.07.2014
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Von Annette Mende / Es ist ein Aus auf der Zielgeraden: Boehringer Ingelheim wird das Hepatitis-C-Medikament Faldaprevir nicht weiterentwickeln, obwohl mit der Zulassung des neuen Protease-Inhibitors demnächst zu rechnen war.

In einer Pressemitteilung gab das deutsche Pharmaunternehmen jetzt bekannt, dass es die weltweit eingereichten Zulassungsanträge zurückziehen wird. Als Begründung für diesen ungewöhnlichen Schritt nennt Boehringer die großen Fortschritte in der Therapie der Hepatitis C, die es seit dem Einreichen der Zulassungsanträge für Falda­previr gegeben habe. 

 

Dank mehrerer neuer Wirkstoffe und angesichts der für dieses Jahr erwarteten Zulassung weiterer neuer Präparate, die eine Interferon-freie Therapie ermöglichen werden, gebe es keinen Bedarf mehr für Faldaprevir.

 

In der Tat hat sich in kaum einer anderen Indikation in letzter Zeit so viel getan wie bei der chronischen Hepa­titis-C-Infektion. Mit dem Protease- Inhibitor Simeprevir (Olysio®, Janssen- Cilag) und dem NS5B-Polymerase-Inhibitor Sofosbuvir (Sovaldi®, Gilead) erhielten allein in diesem Jahr bereits zwei neue Wirkstoffe die EU-Zulassung. Mit den NS5A-Inhibitoren Daclatasvir und Ledipasvir stehen darüber hinaus zwei Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse in den Startlöchern.

 

Einen Arzneistoff so kurz vor der Zulassung fallenzulassen, ist eine teure Angelegenheit. Die Entwicklung und klinische Prüfung von Faldaprevir dürfte Boehringer einen Milliardenbetrag gekostet haben. Das Unternehmen zieht sich mit diesem Schritt komplett aus der Indikation Hepatitis C zurück, nachdem es im Januar bereits die Entwicklung des Polymerase-Inhibitors Deleobuvir in fortgeschrittener Phase der klinischen Prüfung gestoppt hatte. Offenbar hofft man bei Boehringer, die Verluste mit anderen Wirkstoffen in der Pipeline wettzumachen. /

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