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Infizierte Zecken

Rhein und Main als Grenze

26.07.2013
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Von Christina Hohmann-Jeddi / In der Rhein-Main-Region bilden die beiden Flüsse eine natürliche Grenze für Zecken, die Erreger für Lyme-Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) in sich tragen. Hierdurch entstehen unterschiedlich belastete Gebiete.

Dass der Rhein eine Grenze darstellt, wird schon aus der Karte des Robert-Koch-Instituts für die FSME-Risikogebiete deutlich: Das westlich des Flusses gelegene Rheinland-Pfalz (mit Ausnahme des Landkreises Birkenfeld) ist FSME-frei, während die rechts liegenden Landkreise von Baden-Württemberg und Hessen bis hinauf nach Groß-Gerau zu den Risikogebieten zählen. Dort bildet der Main die Obergrenze Richtung Norden. Für die Bewertung des Risikos werden die Erkrankungszahlen einer Region verwendet, inwieweit die dort lebenden Zecken mit Erregern infiziert sind bleibt unberücksichtigt.

Um die Durchseuchung der Zecken in der Rhein-Main-Region zu untersuchen, haben die Wissenschaftler um Dr. Jens Amendt vom Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) und des Klinikums der Goethe-Universität Frankfurt Zecken aus diesem Ballungsgebiet gesammelt. Insgesamt 12 500 Tiere der Art Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock) ordneten sie nach Entwicklungsstadium und untersuchten sie einzeln oder gruppenweise auf FSME-Viren und Borrelien. Von den neun untersuchten Gebieten wurden nur in den vier als Risikogebiet geltenden Gebieten mit FSME-Erregern infizierte Zecken gefunden. Nur 0,8 Prozent der Tiere trugen das FSME-Virus in sich. Das berichten die Forscher im Fachjournal »Ticks and Tick-borne Diseases« (doi: 10.1016/j.ttbdis.2012.11.012).

 

Bei den Borrelien sah es dagegen anders aus: Die Erreger der Borreliose, Bakterien des Borrelia-burgdorferi-Komplexes, kamen in allen Untersuchungsgebieten vor. Insgesamt wurden sie bei 9,5 Prozent der untersuchten Zecken gefunden. Die bei Weitem häufigste Art unter den fünf nachgewiesenen Borrelien-Spezies war Borrelia afzelii.

 

»Wenn man die regionale Verteilung betrachtet, waren südlich des Mains deutlich mehr Zecken positiv für Borrelia-Arten als nördlich davon«, sagt Dr. Ulrich Kuch vom BiK-F laut einer Pressemitteilung. »Der Main stellt also eine natürliche Barriere dar.« Das könne daran liegen, dass Flüsse für die Wirtstiere – mit Ausnahme von Vögeln und Fledermäusen – ein kaum überwindbares Hindernis darstellen, das auch die Zecken und die in Wirt und Zecke transportierten Krankheitserreger an der Ausbreitung hindert, vermuten die Forscher. Als Nächstes wollen sie untersuchen, welche Tiere im Rhein-Main-Gebiet als Reservoir für Borrelien und andere Krankheitserreger dienen. /

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