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Lauterbach fordert weniger Arzneien für Pflegepatienten

26.07.2013
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Von Anna Hohle / Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich dafür ausgesprochen, die Arzneimittelversorgung in Pflegeeinrichtungen zu überprüfen. Es müsse untersucht werden, wie die Versorgung pflegebedürftiger Menschen durch den Einsatz von Blistern und die Wiederverwendung von Arzneimitteln verbessert werden kann, schlägt Lauterbach in seinem Papier »Eckpunkte für die Pflege« vor.

 

Auch bemängelt der SPD-Politiker die »systematische Übertherapie mit Arzneimitteln in der Pflege«. Die Patienten erhielten oft zu viele Arzneimittel, die sich nicht miteinander vertragen und gefährliche Nebenwirkungen verursachen könnten. Die Gelder, die durch die geringere Gabe und die Wiederverwendung von Medikamenten gespart werden, will Lauterbach in mehr psychotherapeutische Angebote in Pflegeeinrichtungen investieren. Insbesondere bei der Behandlung von depressiven pflegebedürftigen Menschen gebe es in Deutschland große Defizite, so der Gesundheitsexperte. Depressionen wiederum könnten die Entwicklung einer Demenz beschleunigen.

 

Daneben spricht sich Lauterbach für eine vorgeschriebene Mindestanzahl von Mitarbeitern in Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten sowie unangekündigte, stichprobenartige Überprüfungen dieser Einrichtungen aus. Das von SPD, Grünen und Linken favorisierte Konzept einer Bürgerversicherung will Lauterbach auch auf die Pflege übertragen. So sollen sich die Beiträge zur Pflegeversicherung abhängig vom Einkommen gestalten. Insgesamt will Lauterbach den Beitragssatz der Pflegeversicherung jedoch erhöhen, um die vorgeschlagenen Änderungen zu finanzieren.

 

Bereits vor einigen Jahren hatte Lauterbach ein Projekt ausgewertet, bei dem die Verblisterung in Pflegeheimen erprobt wurde. Damals war jedoch he­rausgekommen, dass nur 30 Prozent der ärztlich verschriebenen Medikamente verblistert werden konnten. Vor Kurzem hatte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück Lauterbach in sein Kompetenzteam berufen. Er ist dort für die Themen Gesundheit und Pflege zuständig. /

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