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Darmkrebsprävention

ASS-Effekt abhängig vom Genotyp

26.07.2013
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Von Ulrike Viegener / Eine Subanalyse zweier großer US-amerika­nischer Langzeitstudien bringt Licht ins Dunkel um den potenziellen darmkrebspräventiven Effekt von Acetylsalicylsäure (ASS). Danach hängt dieser Effekt vom Mutationsstatus des BRAF-Gens ab.

Das BRAF-Gen zählt zu den Protoonkogenen: Definierte Mutanten dieses Gens sind mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebserkrankungen verbunden. Das betrifft unter anderem kolorektale Karzinome, deren Prognose bei Vorliegen bestimmter Mutationen deutlich schlechter ist als bei intaktem BRAF-Gen.

Vor diesem Hintergrund werteten Wissenschaftler des Dana-Farber Cancer Institute in Boston jetzt die Datenpools der Nurses Health Study und der Health Professionals Follow-up Study erneut aus – und zwar im Hinblick auf das darmkrebspräventive Potenzial von ASS. Das Ergebnis publizierten sie im Fachjournal »JAMA« (doi: 10.1001/jama.2013.6599).

 

Bei der Nurses Health Study handelt es sich um eine US-amerikanische Längsschnittstudie an mehr als 100 000 Krankenschwestern, die inzwischen seit über 30 Jahren läuft. Bei der Health Professionals Follow-up Study handelt es sich um eine analoge Studie an Männern. Ein Großteil der Probanden beider Studien nahm beziehungsweise nimmt ASS ein.

 

Bei der aktuellen Subanalyse kamen die Daten von knapp 130 000 Personen und mehr als 3,1 Millionen Beobachtungsjahren zur Auswertung. Insgesamt traten in diesem Kollektiv 1226 kolorektale Karzinome auf. Die differenzierte Analyse brachte ans Licht, dass ASS einen signifikanten Effekt auf die Rate kolorektaler Karzinome bei der Wildtyp-Variante des BRAF-Gens hat. Die Risikoreduktion betrug im Mittel 27 Prozent. Bei Vorliegen prognostisch ungünstiger Mutanten dagegen war keine präventive Wirkung zu verifizieren.

 

Bei Wildtyp-Tumoren bestand eine klare Abhängigkeit des präventiven Effekts von der ASS-Dosis und der Dauer der Anwendung. Nahmen die Anwender ASS länger als 14 Wochen ein, erkrankten sie zu 53 Prozent seltener an einem Tumor. Bei Mutanten des BRAF-Gens dagegen hatten Dosis und Anwendungsdauer keinerlei Einfluss auf die Rate kolorektaler Karzinome.

 

Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist, dass die Einnahme von ASS nach Diagnose eines kolorektalen Karzinoms – unabhängig vom Genotyp – keinen Effekt auf das Überleben hatte. Die Autoren schließen daraus, dass der ASS-Effekt in frühen, nicht aber in späteren Krankheitsstadien zum Tragen kommt.

 

Sollte sich bestätigen, dass ASS nur bei prognostisch günstigen Wildtyp- Tumoren greift, würde das eine Erklärung für den kontroversen Ausgang prospektiver Studien zum darmkrebspräventiven Potenzial von ASS liefern: Diese konnten zwar eine reduzierte Erkrankungsrate, nicht aber eine reduzierte Mortalität dokumentieren. /

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