| Johanna Hauser |
| 15.05.2026 18:00 Uhr |
Ein gesunder Lebensstil senkt das Risiko für kardiometabolische-Erkrankungen. / © Getty Images/fcafotodigital
Ein gesunder Lebensstil senkt das Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Doch wirken sich Anpassungen auch nach einer Hypertonie-Diagnose noch positiv auf die Gesundheit aus? Dieser Fragestellung ging ein Team aus amerikanischen und chinesischen Wissenschaftlern nach. In einer prospektiven Kohortenstudie werteten sie Daten der US-amerikanischen »Nurses’ Health Study« und der »Health Professionals Follow-up Study« aus.
Beide untersuchten den Zusammenhang zwischen Lebensstil, Ernährung und Krankheiten. Bei 25.820 Erwachsenen wurde während der Nachbeobachtungsphasen eine Hypertonie diagnostiziert. Die Beobachtungsdauer betrug bis zu 24 Jahre nach Hypertonie-Diagnose. In dem Zeitraum traten zwar 3300 kardiovaskuläre Erkrankungen und 2529 Fälle von Typ-2-Diabetes auf. Gleichzeitig stellte sich aber heraus, dass die Umstellung zu einem gesünderen Lebensstil auch nach einer Hypertonie-Diagnose lohnend ist.
Die Beurteilung des Lebensstils erfolgte anhand des »Healthy Lifestyle-Scores« (HLS), der sich aus fünf Komponenten zusammensetzt: gesunde Ernährung, Nichtrauchen, körperliche Aktivität, moderater Alkoholkonsum und ein gesunder Body-Mass-Index. Für jede Komponente wird ein Punkt vergeben, sodass sich eine Skala von 0 bis 5 Punkten ergibt.
HLS-Skala
Alle zwei bis vier Jahre wurden Veränderungen des Lebensstils erfasst und der HLS-Score der Teilnehmer neu berechnet. Die Veränderungen des Scores flossen in die Analyse ein. Somit kann besser beurteilt werden, wie sich das Zusammenspiel einzelner Lebensstilfaktoren und deren Veränderung über die Zeit auf die Gesundheit auswirken.
Die im Fachjournal »JAMA Network Open« veröffentlichten Ergebnisse zeigen eindrücklich, dass eine Verbesserung des Lebensstils auch nach einer Hypertonie-Diagnose noch einen deutlichen Nutzen für die kardiometabolische Gesundheit hat.
Ein höherer HLS war stufenweise mit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD) und Typ-2-Diabetes (T2D) verbunden. Dieser Zusammenhang blieb auch nach Adjustierung für medikamentöse Therapien und weitere Risikofaktoren bestehen.
Im direkten Vergleich zwischen Teilnehmern mit dem höchsten HLS (5 Punkte) und jenen mit den niedrigsten Werten (0–1 Punkte) zeigte sich ein um 51 Prozent reduziertes Risiko für CVD (adjustierte Hazard Ratio, aHR 0,49) sowie ein um 79 Prozent geringeres Risiko für T2D (aHR 0,21).
Teilnehmer, die ihren Lebensstil nach einer Hypertonie-Diagnose verbesserten, hatten im Vergleich zu dauerhaft ungesund lebenden Personen ein um 12 Prozent niedrigeres Risiko für CVD (aHR 0,88) und ein um 44 Prozent reduziertes Risiko für T2D (aHR 0,56).
Verschlechterte sich der Lebensstil hingegen nach der Diagnose, nahm das Risiko entsprechend zu – für CVD um 14 Prozent und für T2D um 75 Prozent (jeweils im Vergleich zu Personen mit dauerhaft hohem HLS). Der schützende Effekt eines gesunden Lebensstils zeigte sich unabhängig von der Einnahme antihypertensiver Medikamente. Lebensstilmaßnahmen und Pharmakotherapie wirken demnach komplementär und nicht als Alternativen.