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Sonnenbrand

Bloß nicht rot werden

05.07.2011
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Von Annette Mende / Braune Haut gilt vielen Mitteleuropäern als Beweis für einen gelungenen Urlaub. Nach dem Motto »Erst rot, dann braun« wird dabei der Sonnenbrand in Kauf genommen. Das ist sowohl leichtsinnig als auch unnötig.

Rote Arme, schuppende Nasenrücken, Blasen auf den Schultern: Die Folgen eines schweren Sonnenbrands sind alljährlich an Urlaubsstränden zu besichtigen. Doch was passiert eigentlich genau mit der Haut, wenn die Sonne sie verbrennt, und wie kann man sich davor schützen?

Ein Sonnenbrand ist eine akute Entzündungsreaktion der Haut auf zu intensive oder zu lange Sonnenlichtbestrahlung. Auslöser ist die UVB-Strahlung, die mit Wellenlängen von 280 bis 315 nm einen Teil des unsichtbaren ultravioletten Spektrums ausmacht. Treffen UVB-Strahlen auf die ungeschützte Haut, durchdringen sie die Oberhaut (Epidermis) und gelangen bis zu deren tiefster Schicht, der Basalzellschicht. Die energiereiche Strahlung beschädigt die Zellen der Epidermis. Als Reaktion auf diese Schädigung sammelt sich Gewebewasser zwischen und in den Zellen an, ein Ödem entsteht und die Haut schwillt an. Außerdem setzen die Epidermiszellen Entzündungsmediatoren frei, die zu einer Ausbreitung der Entzündung in die tiefergelegene Lederhaut (Dermis) führen. Blutgefäße, die in dieser Hautschicht verlaufen, weiten sich und die Haut wird rot. Da Hautrötung und Entzündung charakteristisch für den Sonnenbrand sind, wird er auch als UV-Erythem oder Dermatitis solaris bezeichnet.

 

Dieser Mechanismus erklärt, warum sich ein Sonnenbrand erst einige Stunden nach der UV-Exposition bemerkbar macht. Je nach Ausmaß der Zellschädigung und Entzündungsreaktion kommt es dann neben Schwellung und Rötung zu Juckreiz, Schmerzen und Blasenbildung mit späterer Ablösung der Haut. Kühlende Umschläge oder eine Aftersun-Lotion verschaffen Linderung und reichen zur Behandlung eines leichten Sonnenbrandes bereits aus. Bei stärkeren Verbrennungen mit Blasenbildung und Hautablösung sollte dagegen ein Arzt aufgesucht werden. Er kann zur Entzündungshemmung externe Cortico­steroide oder orale nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) verordnen.

Sonnenschutz aus der Apotheke

Pünktlich zum Start der Feriensaison hat Stiftung Warentest Sonnenschutzmittel getestet – darunter auch einige apothekenexklusive Produkte. Von diesen schnitt mit Abstand am besten Ladival Sonnenschutz Lotion für normale bis empfindliche Haut ab (Testnote 1,7, auf Platz 2). La Roche-Posay Anthelios Spray erhielt eine 2,3; Eau Thermale Avène Spray eine 3,1 und Eucerin Sun Spray eine 3,2. Ilrido Sonnengel und Vichy Capital Soleil Sonnenschutz-Gel-Milch schnitten dagegen mangelhaft ab, da sie den angegebenen Lichtschutzfaktor nicht einhielten.

 

Warentest untersuchte 26 Produkte in Form von Cremes, Milch, Lotionen und Sprays. Am besten schnitten mit einer 1,6 Nivea Sun Light Feeling transparentes Spray und die Sun Ozon Sonnenmilch von Rossmann ab. Beurteilungskriterien waren unter anderem die Einhaltung des UVA- und UVB-Schutzes bei Lichtschutzfaktor 20, die versprochene Wasserfestigkeit, Feuchtigkeitsanreicherung sowie Hitzebeständigkeit, leichte Entnahme und Anwendung. Die Art des Lichtschutzfilters und die Verwendung von Konservierungs- und Farbstoffen, Emulgatoren und Parfüm werteten die Tester dagegen nicht.

Außer einem Sonnenbrand kann UV-Strahlung noch weiteren Schaden anrichten. Sie ist so energiereich, dass sie die DNA der Hautzellen beschädigt. Geringfügige DNA-Fehler können in der Regel von Reparaturenzymen ausgebessert werden. Immer wiederkehrende Überdosierungen von UV-Licht führen jedoch zu dauerhaften Schäden und erhöhen so das Risiko für Hautkrebs.

 

Einen Schutz des Erbmaterials vor der aggressiven UV-Strahlung bildet der Hautfarbstoff Melanin. Er lagert sich in der Epidermis um die Zellkerne herum und schirmt sie so vor den UV-Strahlen ab. Die Haut bräunt sich. Das braune bis schwarze Pigment Melanin wird unter UV-Einfluss von Melanozyten gebildet, die es in Melaningranula gespeichert an Epidermiszellen weitergeben. Damit bei häufiger Sonnenlichtexposition schnell viel Melanin zur Verfügung steht, wird auch die Bildung von Melanozyten durch UV-Licht angeregt.

Rote Haut direkt nach dem Sonnenbad beruht auf der Wirkung von UVA-Strahlung. Diese ist mit 315 bis 380 nm langwelliger und energieärmer als UVB-Strahlung, dringt aber tiefer in die Haut ein. UVA-Strahlung bewirkt in Zellen der tieferen Epidermis die Bildung von Melanin aus dort vorhandenen Vorstufen. Diese Sofortpigmentierung geschieht innerhalb von Minuten und führt zu einer Bräunung, die bereits wenige Stunden nach dem Sonnenbad zu sehen ist, aber nicht lange anhält. UVA-Strahlen dringen bis zur Dermis in die Haut ein, wo sie die natürliche Hautalterung beschleunigen und zu Faltenbildung führen.

 

Wie viel UV-Strahlung auf der Erdoberfläche ankommt, ist vor allem vom Sonnenstand abhängig. Dieser verändert sich am stärksten mit der Jahreszeit und der geografischen Breite. Daneben spielen Faktoren wie die Gesamtozonkonzentration in der Atmosphäre, das Wetter und die Höhenlage des Standortes eine Rolle. Ein Maß für den am Boden erwarteten Tagesspitzenwert der UV-Strahlung ist der UV-Index (UVI). Der UVI wird in ganzen Zahlen angegeben, wobei 0 die niedrigste Strahlenbelastung darstellt und Werte ab 8 eine sehr hohe. Vom Deutschen Wetterdienst berechnete tagesaktuelle UV-Indices sind im Internet unter www.uv-index.de abrufbar.

 

Ob die Haut sich schnell bräunt oder eher ein Sonnenbrand entsteht, hängt vom Hauttyp ab. Die hellen bis bräunlichen Hauttypen I bis IV kommen bei Europäern vor. Die dunkleren Hauttypen V und VI sind typisch für Bewohner Arabiens, Nordafrikas und Indiens sowie Ureinwohner Zentralafrikas und Australiens. Abhängig vom Hauttyp ist die minimale erythemwirksame Dosis (MED), die in Joule pro Quadratmeter angegeben wird. Sie bezeichnet die Menge an UV-Bestrahlung, die zur Ausbildung einer Hautrötung erforderlich ist. Beim Hauttyp II, der sich durch helle, empfindliche Haut, helles Haar, helle Augen und oftmals Sommersprossen auszeichnet, beträgt sie beispielsweise 250 J/m2. Diese Dosis wird in Mitteleuropa an einem sonnigen Sommertag zur Mittagszeit bereits nach 20 Minuten überschritten.

 

Um die Haut vor Sonnenbrand zu schützen, sollte man daher im Sommer die direkte Sonne zwischen 11 und 15 Uhr meiden. Unbedeckte Körperteile sollte man etwa 30 Minuten vor Sonnenlichtexposi­tion mit einem Sonnenschutzmittel eincremen. Darin enthalten sind entweder organische Substanzen, die das ultraviolette Licht herausfiltern, oder mineralische Substanzen wie Titandioxid, die durch Lichtstreuung schützen. Der auf der Verpackung ange­gebene Lichtschutzfaktor bezieht sich auf die UVB-Strahlung, der Schutz gegen UVA sollte laut EU-Empfehlung mindestens ein Drittel so hoch sein.

 

Bei der Wahl des Lichtschutzfaktors kann man sich am UVI orientieren. Dieser liegt im Sommer in Deutschland häufig bei 8. Der Lichtschutzfaktor sollte mindestens den doppelten UVI betragen, in diesem Fall also 15. Abweichend von dieser Faustregel können Menschen mit sehr heller Haut einen höheren Schutz benötigen. Nicht vergessen sollte man, auch die Augen vor übermäßiger UV-Bestrahlung mit einer Sonnenbrille zu schützen.

 

Einem Sonnenbrand vorbeugen soll die prophylaktische Einnahme von hoch­dosierten Betacarotin-Präparaten. Als Radikalfänger schützt das Provitamin A Zellen vor dem Angriff durch Sauerstoff­radikale und soll so eine Schwächung der Immunabwehr durch UV-Licht verhindern. Für diese postulierte Wirkung fand jedoch eine von der EU beauftragte Expertenkommission in einem 2009 veröffentlichten Gutachten keine ausreichenden Belege.

 

Wer sich vor einem Sonnenbrand schützen möchte, sollte also beim Umgang mit der Sonne Maß halten. Ausgedehnte Sonnenbäder ohne oder mit nur geringem Sonnenschutz sind zu vermeiden. In kleinen Dosen und bei hoher UV-Belastung gut eingecremt ist Sonnenexposition aber nicht nur ungefährlich, sondern auch wichtig, damit die Haut genügend Vitamin D produziert. /

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