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Starke Forschung, starke Lehre

26.07.2013
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Von Brigitte M. Gensthaler, München / Wer an der Fakultät für Chemie und Pharmazie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München forscht, lehrt und studiert, tritt in große Fußstapfen. Nobelpreisträger und weltweit angesehene Professoren waren und sind mit ihren Arbeitsgruppen hier tätig. Die Studenten profitieren von der forschungsorientierten Lehre.

Wer die Fakultät für Pharmazie und Chemie in München besuchen will, muss aus dem Stadtzentrum an den westlichen Stadtrand fahren. 1999 zog die Fakultät aus der Innenstadt hinaus auf den neu gegründeten HighTechCampus, der an das Gelände des Klinikums Großhadern angrenzt. Der Campus bietet mit neuen Gebäuden und exzellent ausgerüsteten Laboratorien und Hörsälen hervorragende Studienbedingungen.

Und ein optimales wissenschaftliches Umfeld mit starken biomedizinischen Einrichtungen, darunter das Genzentrum, das Helmholtz-Zentrum, die Max-Planck-Institute für Biochemie und Neurobiologie sowie das Uniklinikum. Es wird ständig weitergebaut: Neben den Pharmazie-Gebäuden entsteht gerade das Bayerische Forschungszentrum für Molekulare Biosysteme.

 

Mit dem Umzug nach Großhadern wurden die einzelnen pharmazeutischen Institute aufgelöst und in einem Department für Pharmazie vereinigt, das als »Zentrum für Pharmaforschung« firmiert. Dazu sagt Professor Dr. Angelika Vollmar, Geschäftsführende Direktorin des Departments: »Die einzelnen Disziplinen innerhalb der Pharmazie sind alle ausgerichtet auf die Entwicklung von Arzneistoffen und Arzneimitteln und finden in dieser intensiven, fächerübergreifenden Zusammenarbeit sehr gut zusammen.«

 

Verankert in den Exzellenz-Clustern

 

Die Pharmazie in München ist stark vernetzt und forschungsgeprägt. Ihre Hochschullehrer sind eng in die Forschungsschwerpunkte der Exzellenz-Universität München eingebunden.

 

»Wir sind ein essenzielles Brückenglied in beiden Exzellenz-Clustern des Campus Großhadern, und verbinden die reinen Naturwissenschaften mit den Life Sciences«, bemerkt Vollmar. Sowohl im Center for Integrated Protein Sciences (CIPSM) als auch im NIM (Nano Initiative Munich) seien Professoren der Pharmazie als »Principle Investigators«, also an führender Stelle tätig. Die Teilnahme an den Exzellenz-Clustern biete dem Fach Pharmazie selbst, aber auch dem Nachwuchs die Chance, »den eigenen Horizont auf exzellente Weise zu erweitern«. Studiendekan Professor Dr. Franz Paintner weist auf die hochschulpolitische Bedeutung der Vernetzung hin: Diese verankere die Pharmazie im Forschungsverbund der beiden Universitäten Münchens, der LMU und der Technischen Universität (TUM).

Die Professoren und ihre Arbeitsgruppen sind eingebunden in Sonderforschungsbereiche, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert werden. Vollmar leitet die DFG-geförderte Forschergruppe 1406, die sich mit Naturstoffen in der Tumortherapie befasst, als Sprecherin. Intensive Kooperationen mit der Biotech- und Pharma­industrie, ob lokal im bundesweiten Excellenzcluster M4 in München, oder europaweit, werden vor allem in der Pharmazeutischen Technologie und Biotechnologie gepflegt. Die Professoren Wagner, Winter und Frieß haben zusammen 25 Jahre selbst in der Indus­trieforschung gearbeitet.

 

Zwei Studiengänge in der Pharmazie

 

Auch die Studenten profitieren von dem Forschungsverbund. In München haben sie die Wahl. Am Department für Pharmazie werden sowohl der Studiengang Pharmazie (Staatsexamen) mit derzeit etwa 700 Studierenden als auch der konsekutive Bachelor-Master-Studiengang »Pharmaceutical Sciences« mit circa 200 Studierenden angeboten. Davon sind etwa 140 Bachelor- und 60 Master-Studierende. Jedes Jahr beginnen etwa 200 junge Menschen mit dem Studiengang Pharmazie.

 

Pharmaceutical Sciences versteht sich als Studium im Bereich der Lebenswissenschaften und fokussiert auf moderne Pharmaforschung. Das Programm soll die Studierenden auf eine Forschungs- und Entwicklungstätigkeit in der pharmazeutischen Industrie oder an wissenschaftlichen Einrichtungen vorbereiten. Der Staatsexamens­studiengang orientiert sich naturgemäß an der Approbationsordnung.

Steckbrief: LMU

Der Bachelor-Master-Studiengang ermögliche im Gegensatz zum Approbationsstudiengang eine sehr gute Vernetzung mit anderen Disziplinen, sagt Vollmar. »Unser Ansinnen ist hier, spezifisch für die Forschung auszubilden.« Die beiden Studiengänge stünden nicht in Konkurrenz zueinander. Michael Kastenbauer, Vorsitzender der Fachschaft Pharmazie, bestätigt das: »Es ist keine Konkurrenz spürbar. Wir haben eine gemeinsame Fachschaft und vertreten die Interessen beider Studiengänge.« Da eine Reihe von Vorlesungen und Seminaren studiengangsübergreifend angeboten werden, gebe es viel Kontakt.

 

Lehre aus der Forschung

 

Alle Pharmazieprofessoren unterrichten in beiden Studiengängen. Diese unterscheiden sich vor allem in den Seminaren und Praktika. Die Inhalte hängen vom Ausbildungsziel ab. Beim Staatsexamensstudiengang orientieren sich die Praktika stärker an den Anforderungen der Apotheke. Dagegen befassen sich die Pharmaceutical-Sciences-Studenten viel früher und stärker mit Forschungsthemen, denn sowohl in den Forschungspraktika als auch für die Bachelor- und Master-Arbeiten sind die Studenten in die wissenschaftlichen Projekte der Arbeitskreise integriert.

 

»Die Forschungsorientierung zeigt sich besonders im Studiengang PharmaScience«, findet Kastenbauer. »Forschungsorientierte Lehre« bedeutet zum Beispiel, dass die Professoren eigene Forschungsthemen in die Vorlesungen einbringen und wissenschaftliche Fragen erörtern. Außerdem würden freiwillige Seminare angeboten, in denen die Studenten aktuelle Publikationen mit Dozenten und Doktoranden besprechen. Im Bachelor-Master-Studiengang »lebt die Lehre aus der Forschung«, betont Vollmar.

 

Als Pluspunkt für ein Studium in München heben Paintner und die Studentenvertreter die exzellente apparative Ausstattung der Pharmazie hervor. Beispielsweise gebe es mehr als 20 HPLC-Anlagen nur für die Lehre, und die GMP-orientierte Sterilabteilung in der Pharmazeutischen Technologie werde auch in der Lehre genutzt.

 

Das Studium in München sei anspruchsvoll, sagen die Fachschaftsvertreter einhellig. »Das Niveau ist sehr hoch.« Die Bedingungen seien allerdings optimal – für beide Studiengänge. »Alles Wichtige ist direkt und schnell in Großhadern erreichbar; so sind Mensa, Bibliothek und Laborräume nicht durch weite Strecken getrennt.« Das Department liege zwar nicht zentral in München, sei aber mit Auto, Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar.

Pharmazeutische Forschung in München

Die Münchner Hochschulpharmazie gliedert sich in vier Fachrichtungen. Traditionell ist die Pharmazeutische Chemie stark vertreten. Dieser Fachrichtung gehören derzeit die Professoren Dr. Franz Bracher, Dr. Klaus Wanner und Dr. Franz Paintner an. Ein weiterer Lehrstuhl mit der Ausrichtung »Chemical Biology« ist derzeit unbesetzt. Die wichtigsten Forschungsfelder von Brachers Arbeitsgruppe sind die Naturstoffchemie und die Entwicklung von Enzyminhibitoren (vor allem Kinase- und Sterolbiosynthese-Inhibitoren). Wanner befasst sich mit der Entwicklung von Inhibitoren der GABA-uptake-Proteine, floureszenzmarkierten und photoschaltbaren Sonden sowie Massenspektrometrie-basierten Bindungs- und Drug-Screening-Assays.

 

Die Pharmazeutische Biologie vertreten die Professoren Dr. Angelika Vollmar, Dr. Ernst Wagner und Dr. Stefan Zahler. Vollmars wissenschaftliches Interesse gilt der zellulären und molekularen Wirkweise von Naturstoffen (insbesondere aus Myxobakterien) in der Tumorbiologie. Nanomedizin, Onkologie und neue Arzneistoffe auf DNA- und RNA-Basis sind die Hauptforschungsbereiche Wagners. Die Tumorforschung, genauer die Angiogenese und deren Inhibi­tion, ist auch Zahlers wissenschaftliches Arbeitsgebiet.

 

Ganz andere Themen beschäftigen die Professoren Dr. Wolfgang Frieß und Dr. Gerhard Winter im Fach Pharmazeutische Technologie. Die Stabilisierung und Analytik von Proteinarzneimitteln, parenterale Depots und Devices, Vaccine, Trocknungstechnologien und kolloidale Arzneistoffträger beschäftigen Winter und seine Arbeitsgruppe. Auch Frieß arbeitet mit seinem Team an der Formulierung, Analyse und Freisetzung von Peptid- und Protein-Arzneimitteln, erforscht Biomaterialien und Prozesstechnologie für Parenteralia.

 

Im Fach Pharmakologie für Naturwissenschaften lehren und forschen die Professoren Dr. Martin Biel und Dr. Christian Wahl-Schott. Die Wissenschaftler gehen mit ihren Arbeitsgruppen den (Fehl-)Funktionen sowie der physiologischen Regulation von Ionenkanälen auf den Grund. Im Fokus stehen Kationenkanäle, die von zyklischen Nukleotiden gesteuert werden, sowie Ionenkanäle in der Retina des Auges. Ihr Ziel sind neue Arzneistoffe und gentherapeutische Ansätze zur Behandlung von »Kanalopathien«, speziell von genetisch bedingten Augen­erkrankungen. In der Lehre vertreten sie neben der Pharmakologie auch die Klinische Pharmazie.

 

Des Weiteren arbeiten am Department Pharmazie mehrere Nachwuchsgruppen und Habilitanden an eigenen Forschungsthemen.

Also alles ideal? »Natürlich gibt es immer Spielraum für Verbesserungen«, sagt Kastenbauer und lobt, dass Professor Paintner sowie alle Dozenten stets »ein offenes Ohr für uns Studenten haben«.

 

Nach dem Studium weiterlernen

 

Wer sein Studium in München erfolgreich abschließt, hat gute Möglichkeiten, sich weiter zu qualifizieren. Mehrere Professoren sind Mitglieder in Graduierten-Programmen, zum Beispiel in der Graduate School Life Science Munich (LSM) oder der Graduate School of Systemic Neurosciences (GSN). Die von der DFG unterstützten Graduiertenkollegs sollen den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern. Im Mittelpunkt steht die Qualifizierung im Rahmen eines thematisch fokussierten Forschungsprogramms.

 

Der wissenschaftliche Austausch nützt allen. »Unsere Doktoranden sollen andere Arbeitskreise kennenlernen«, sagt Vollmar. Übrigens ist die LMU sehr aktiv in puncto Frauenförderung, es gibt ein Mentoring-System in der Exzellenz-Initiative. Laut Paintner ist rund die Hälfte des wissenschaft­lichen Nachwuchses weiblich.

 

An der Zukunft der Pharmazie zweifeln beide Professoren keinen Augenblick lang. »Wir bilden für einen attraktiven Beruf aus, der sehr nachgefragt ist. Wir fördern unseren eigenen Nachwuchs in dem Bewusstsein, dass wir einen klaren Auftrag haben – und gute Möglichkeiten, diesen zu erfüllen«, fasst Vollmar zusammen. Die Stärke der universitären Pharmazie sei es, dass sie in sich interdisziplinär angelegt ist. Die Absolventen könnten selbstbewusst und authentisch auftreten. »Pharmazeuten als interdisziplinäre Naturwissenschaftler nehmen im Fächerkanon der Life Sciences eine wichtige brückenbildende Rolle ein.«

 

Auch im Gesundheitswesen wird die Pharmazie ihren Platz behaupten, ist Paintner überzeugt. »Essenziell dafür ist, dass Apotheker als Arzneimittelfachleute auf eine fundierte naturwissenschaftliche Ausbildung zurückgreifen.« Dieses Fundament bekommen die Münchner Studenten ganz gewiss. /

Bereits erschienen

In der Reihe »Hochschulporträt« stellt die PZ die Hochschulstandorte des Fachs Pharmazie in Deutschland vor. Welche bereits erschienen sind sehen Sie in unserer Rubrik Zum Thema unter Hochschulporträts.

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