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Apothekenmode

Was die Arbeitskleidung aussagt

29.06.2011  10:05 Uhr

Von Alexandra Schramm / Die einen Apotheker schwören auf einen weißen Kittel, andere halten ihn für ein Relikt aus alten Zeiten, der nicht in eine moderne Apotheke passt. Doch egal wofür ein Apothekenteam sich entscheidet, auf paar Dinge sollte es bei der Berufskleidung achten.

Viele Apotheken gleichen heute durchgestalteten Gesundheitstempeln: großzügige helle Räume, Milchglas, indirektes Licht hinter den Regalen. Kunden können sich an sogenannten Beratungsinseln über Impfungen und Ernährung informieren, ihren Blutdruck messen lassen, aber auch Kosmetik und Bücher rund um die Themen Medizin und Gesundheit kaufen. Da stellt sich die Frage: Passt in eine solche moderne Apotheke noch der traditionelle weiße Kittel?

Ältere Kunden bevorzugen Kittel

 

Für Apotheker gibt es laut der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände keine vorgeschriebene Dienstkleidung. Apotheker Jens Groschinski von der Prignitz-Apotheke aus Perleberg sieht die Sache so: »Die Entscheidung, ob jemand einen Kittel trägt oder nicht, ist zum einen eine Frage der persönlichen Einstellung, zum anderen auch vom jeweiligen Kundenstamm der Apotheke abhängig.«

 

Vor allem ältere Kunden fühlten sich besser aufgehoben, wenn der Apotheker in weißer Berufsbekleidung auftrete. »Ich persönlich habe mich für das Tragen des Kittels entschieden, weil er auch für die pharmazeutischen Kernkompetenzen steht: das Herstellen und Prüfen von Arzneimitteln«, erklärt Groschinski. Ein Kittel bietet aber auch praktische Vorteile: Er schützt die Kleidung in der Rezeptur, und die Kitteltaschen eignen sich gut, um darin Kugelschreiber, Visitenkarten, Bonbons für Kinder oder Notizzettel griffbereit zu verstauen.

 

Wenn Kunden eine Apotheke betreten, entscheiden sie sich binnen Sekunden, ob sie sich dort gut aufgehoben fühlen und ob sie die Mitarbeiter für kompetent halten – und das allein aufgrund des äußeren Eindrucks. »Der weiße Kittel steht für die über Jahrzehnte gewachsene Identifikation mit einem Berufsbild«, sagt Dirk Ehrich, Apotheker und Vorstand der Apothekenkooperation Gesine. Seiner Meinung nach signalisiert der weiße Kittel einem Hilfesuchenden Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit. Und er macht das Apothekenteam leicht erkennbar. »Kollegen haben schon häufiger berichtet, dass Stammkunden sie ohne Kittel auf der Straße zunächst gar nicht erkennen«, berichtet Ehrich.

 

Auch die Kittelfarbe spielt eine Rolle. »Weiß steht für Reinheit, Klarheit und Sauberkeit, ist emotional neutral und verkörpert den Begriff Freiheit«, erklärt Professor Harald Braem vom Institut für Farbpsychologie aus Bettendorf. Weiß symbolisiere eine objektive Instanz, die durch keine »Nebengedanken« belastet ist. »Damit ist eine weiße Bekleidung für Ärzte, Apotheker und Pflegepersonal die ideale Arbeitskleidung, weil ihr Vertrauen entgegengebracht wird.«

 

Weißer Kittel schafft Vertrauen

 

Doch nicht nur die Farbe ist wichtig: Ein Kittel gleicht einer Uniform. Die verkörpere eine übergeordnete Instanz, sagt Professor Braem. »Noch höher als die Polizeiuniform ist die weiße ›Uniform‹ der helfenden Berufe anzusehen.« Das bestätigt eine Studie des Online-Marktforschungsinstituts Marketagent, bei der rund 2000 Befragte aus Deutschland, der Schweiz und Österreich unter 27 Berufen die vertrauenswürdigsten auswählten. Dabei belegten Mediziner mit 41,1 Prozent den Spitzenplatz, knapp dahinter folgten Feuerwehrmänner mit 38,4 Prozent. Apotheker landeten auf dem dritten Platz mit 35 Prozent.

Trotz seines Uniformcharakters bietet ein Kittel aber auch Möglichkeiten zum Variieren. Je nach Absprache im Team können Mitarbeiter ihn geschlossen oder offen tragen. Bei geschlossenem Kittel lässt sich ein Lieblingspullover unterziehen, bei offenem kann das Team zusätzlich einheitliche T-Shirts mit dem Logo der Apotheke tragen. Falls die Apothekenmitarbeiter private Kleidung unter den Kitteln anziehen, sollte sie weiß oder zumindest hell sein. Denn Muster, Aufdrucke oder sehr grelle Farben schimmern durch weiße Kittel hindurch.

 

Nicht zu groß, nicht zu klein

 

Im Beruf sollte der persönliche Geschmack zwar hinten anstehen, trotzdem ist es wichtig, dass sich alle Mitarbeiter in ihrer Arbeitskleidung wohlfühlen. Sonst fällt es ihnen schwer, selbstbewusst und kompetent aufzutreten.

 

Apothekenkittel müssen richtig sitzen und Ihrem Träger passen: Sie dürfen nicht zu groß oder zu klein, nicht zu lang oder zu kurz sein. Wichtig ist außerdem ein angenehmes Material, das nicht kratzt. Da die Kittel auf keinen Fall schmutzig sein dürfen, empfiehlt sich ein gut waschbares, pflege- und bügelleichtes oder sogar knitterarmes Material. Außerdem sollten die Kittel nicht schon nach zehn Wäschen aus der Form geraten.

 

Um sich von anderen Apotheken abzuheben, können Mitarbeiter zum weißen Kittel zum Beispiel farbige Halstücher in den Corporate-Design-Farben der Apotheke tragen.

 

Für mehr Kundennähe sind Namensschilder sehr empfehlenswert. Eine Alternative zu Plastikschildern ist es, den Namen des jeweiligen Mitarbeiters und das Apothekenlogo auf seinen Kittel sticken lassen.

 

Einheitlichkeit muss sein

 

Wenn ein Apothekenteam keine Kittel tragen will, können kurzärmelige Polo-Shirts eine Alternative sein – so wie in den Filialen der Post- und Hirsch-Apotheke in Warburg. »Wenn es kalt ist, haben wir weiße oder hellblaue Fleece-Jacken über unseren Polo-Shirts an«, berichtet Inhaber Edmund Küpper. Für ihn ist der Kittel ein Relikt aus alten Zeiten, das Ehrfurcht vermittelt und Distanz schafft. »Dabei sollten Barrieren abgebaut und Vertrauen geschafft werden«, meint Küpper.

 

Doch auch ohne Kittel ist Einheitlichkeit wichtig. So seien die Mitarbeiter einer Apotheke schnell als Team erkennbar, sagte Gesine-Vorstand Ehrich. Eine homogene Kleidung fördere den Eindruck der Geschlossenheit und sendet eine Nachricht an die Kunden: In dieser Apotheke werden Sie von jedem Mitarbeiter gleich gut be- raten.  /

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