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Lungenerkrankungen

Sport zum Atmen

22.06.2016
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Von Elke Wolf, Gießen / Körperliches Training ist die wichtigste und effektivste nicht medikamentöse Therapiemaßnahme, die Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen ergreifen können. Bei der Umsetzung in die Praxis scheint es damit aber Probleme zu geben, wie auf dem Patientenforum Lunge klar wurde.

Die Effekte des Ausdauer- und Krafttrainings auf Atmung, körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität sind unbestritten. »Die Atemarbeit wird ökonomisiert, die Lungenfunktion verbessert, die Belastungsfähigkeit gestärkt und die Reizschwelle für die Auslösung von Exazerbationen angehoben«, verdeutlichte Pneumologe Dr. Stefan Kuhnert von der Universität Gießen und Marburg auf dem 15. Patientenforum Lunge, ausgerichtet vom Deutschen Zentrum Lungenforschung, dem Lungeninformationsdienst und dem Helmholtz-Zentrum München. »Sport ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie, wenn die Patienten optimal medikamentös versorgt sind. Sport hilft sogar, Arzneimittel einzusparen, etwa bei Asthmatikern«, erklärte der Experte.

Dennoch scheint die Trainingstherapie im ambulanten Bereich nicht ohne Hindernisse abzulaufen. So wird etwa derzeit nur der in Gruppen angeleitete Lungensport über längere Zeiträume (50 Einheiten in 18 Monaten oder 120 Einheiten in 36 Monaten) von den Kostenträgern finanziert, das geräte­gestützte Training bleibt ausgeschlossen. Anwesende Patienten berichteten überdies von erheblichen Schwierigkeiten, den Lungensport überhaupt verordnet zu bekommen. Dabei muss der verantwortliche Mediziner lediglich das sogenannte Formular 56 »Antrag auf Kostenübernahme für Rehabilitationssport« ausfüllen.

 

Ein weiteres Hemmnis sei die relativ überschaubare Zahl von rund 800 Lungensportgruppen über Deutschland verteilt. Von einer flächendeckenden, wohnortnahen Versorgung könne nicht die Rede sein. Die AG Lungensport führt unter www.lungensport.org ein Register der Lungensportgruppen in Deutschland. Kuhnert riet den Lungenpatienten, als Alternative eine Herzsportgruppe aufzusuchen. Diese seien deutschlandweit dreimal so häufig vertreten und die vermittelten Atemtechniken und Bewegungsabläufe seien denen in Lungensportgruppen sehr ähnlich.

 

Lungensport versteht sich nicht als Leistungssport, sondern als spezielles Training, das für Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale, COPD mit und ohne Lungenemphysem, Mukoviszidose, Lungenfibrose oder Bronchiektasen angepasst ist. Eine Lungensporteinheit dauert in der Regel zwischen 60 und 90 Minuten bei dafür speziell ausgebildeten Übungsleitern.

 

»Mit einer Einheit Lungensport in der Woche sollte das Thema Bewegung für den Rest der Woche allerdings nicht erledigt sein«, erinnerte Kuhnert. Betroffene sollten jede Möglichkeit im Alltag nutzen, um zu trainieren. Dabei gelte es, »klein anzufangen«. Ein Schrittzähler sei in jedem Fall hilfreich. So werden für COPD-Patienten etwa 4500 Schritte am Tag empfohlen. »Auch wenn es sich nach Peanuts anhört und sie bei nur 500 Schritten täglich starten: Selbst eine Steigerung von täglich zwanzig Schritten mehr dient der Gesundheit«, verdeutlichte Kuhnert. /

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