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Arzneimittelpreise

Kassen begrüßen EU-Position

22.06.2016
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Von Jennifer Evans / Die Gesundheitsminister der EU-Mitgliedstaaten sehen die Preisgestaltung für neue Arzneimittel kritisch. Das geht aus dem vergangene Woche veröffentlichten Positionspapier des Gremiums hervor. Der Brüssler Standpunkt bestätigt die Sorgen des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

»Ebenso wie die europäischen Gesundheitsminister befürchten wir, dass durch überhöhte Preise der Zugang zu wirksamen und bezahlbaren Arzneimitteln in der EU gefährdet ist«, sagte Johann-Magnus Freiherr von Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbands.

Laut EU-Papier liegt ein Grund für die Versorgungsprobleme im derzeitigen Trend, neue medizinische Produkte nur für eine segmentierte Patientengruppe eines bestimmten Krankheitsbereichs zuzulassen oder eine Zulassung auf eine einzige Substanz für mehrere seltene Erkrankungen zu beschränken. »Die EU betrachtet mit großer Besorgnis, dass Firmen sehr hohe Preise verlangen, obwohl der Zusatznutzen einiger dieser Produkte nicht immer belegt ist«, heißt es in den Papier.

 

Zudem fordern die EU-Gesundheitsminister eine systematische Überprüfung von beschleunigt zugelassenen Medikamenten. Es gebe Hinweise, dass Hersteller verpflichtende Daten zum Versorgungsalltag sowie zu nötigen Patientenstudien schlichtweg nicht nachreichten. Das unterstreicht auch von Stackelberg: »Das saloppe Auslegen der Vorschriften geht zu Lasten von Patienten und öffnet fahrlässig eine Sicherheitslücke.« Eine beschleunigte Zulassung solle daher eine Ausnahme bleiben, fordert er.

 

Ziel des EU-Papiers ist es, bei den EUStaaten eine Änderung in der Arzneimittel-Gesetzgebung anzuregen. Des Weiteren sollen sich künftig Stakeholder aus Politik, Pharmaindustrie, Patientenorganisationen sowie Kostenträger regelmäßig an einen Tisch setzen. Ein Vorstoß, der dem GKV-Spitzenverband entgegenkommt, wie von Stackelberg betonte. /

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