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Warenautomat

Zwischen Kosten und Nutzen

26.07.2013
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Von Guido Michels / Wie in PZ 24/2013 berichtet, kann ein Kommissionierer große Chancen mit sich bringen. Doch nicht für jede Apotheke lohnt ein Warenautomat. Denn das Kosten- Nutzen-Verhältnis ist von Fall zu Fall verschieden.

Heutzutage bieten die Hersteller mehrere Automaten-Varianten an. So gibt es standardisierte Einstiegssysteme, die mindestens 70 000 bis 80 000 Euro kosten. Darüber hinaus gibt es modular aufgebaute Maschinen, die an die individuellen Gegebenheiten angepasst werden können und durchaus mehr als 100 000 Euro kosten können.

Hinzu kommen je nach Wünschen und technischer Machbarkeit die Kosten für Zusatzmodule, Transportsysteme sowie Service- und Wartungsverträge. Letztere sind Pflicht und schlagen – je nach Ausgestaltung – mit monatlich 400 bis 800 Euro zu Buche. Zusammen mit Strom- und sonstigen Reparaturkosten hat man über die ganze Lebensdauer der Maschine den Kaufpreis sicherlich ein zweites Mal in Form laufender Kosten gezahlt.

 

Den Zeitgewinn nutzen

 

Bei der Ermittlung des Nutzens muss man auf Annahmen und Hochrechnungen zurückgreifen. Im Handverkauf liegt der Nutzen im Zeitgewinn. Dieser kann entweder zur verstärkten Beratung oder aber zu kürzeren Bedienzeiten genutzt werden. Es kann sinnvoll sein, vor der Investition die Lauf- und Bedienzeiten sowie die Kundenfrequenz zu messen, um sich ein Bild über die Abläufe und die mögliche Zeitersparnis zu machen. Auch können diese Zeiten mit Personalkosten gegengerechnet werden, um mögliches Einsparpotenzial zu identifizieren.

 

Erfahrungen der Treuhand Hannover aus Beratungsprojekten haben aber gezeigt, dass Apotheken mit einem Kommissionierer in der Regel nicht direkt am HV-Personal sparen. Allerdings hilft der Automat in Spitzenzeiten oder beim Ausfall von Mitarbeitern, einen Kundenansturm besser zu bewältigen.

 

Ein Warenautomat kann durchaus zu Mehrumsatz im Handverkauf führen, zum Beispiel über Zusatzverkäufe, die die Mitarbeiter in der frei gewordenen Zeit empfehlen. Dieser Beitrag sollte aber nicht überschätzt werden. So kostet die typische Zusatzempfehlung selten mehr als 10 Euro – mit einem Rohgewinn zwischen 1 und 3 Euro.

 

Ein größerer Faktor ist der Mehrumsatz, der durch höhere Kundenfrequenz entsteht. Kommen mehr Kunden, weil die Apotheke attraktiv umgestaltet wurde oder weil sich die intensivere Beratung in der Bevölkerung rumspricht, dann hilft der Automat, dieses Wachstum mit dem bestehenden Personal zu bedienen. Hier sind im Schnitt 3 bis 6 Prozent Kundenwachstum nötig, um die Kosten des Automaten auszugleichen.

 

Groß ist das Einsparpotenzial auch im Bereich der Lagerverwaltung. Die vereinfachte Lagerpflege und das eigenständige Wegräumen der Ware im Falle der Vollautomatisierung bringen hohe Effizienzgewinne. Voraussetzung ist, dass die Arbeitsprozesse entsprechend umgestaltet werden. Entweder führen die Mitarbeiter in der frei werdenden Zeit andere Tätigkeiten aus oder aber man prüft eine Stundenreduzierung für die PKA mit entsprechend geringeren Personalkosten. Hier ist aber Augenmaß gefragt: Wer heute schon nur mit einer PKA arbeitet, der wird diese Kraft kaum rationalisieren können.

 

Wichtige Regalmeter

 

Sehr unterschiedlich fällt der mögliche Raumgewinn aus, sofern es überhaupt einen gibt. Hierbei kommt es nicht darauf an, wie groß die gewonnene Fläche überhaupt ist, sondern inwieweit sie in umsatzbringende Regalmeter umgesetzt werden kann. Auch hier ist zu bedenken, dass insbesondere zusätzliche Freiwahlsortimente in Bezug auf den Umsatz meist nur eine geringe Rolle spielen.

 

Insgesamt ist der Einbau eines Automaten allerdings nicht nur als reines Kostensparinstrument zu sehen, sondern vielmehr als strategische Entscheidung darüber, wie Arbeitsprozesse bei Ware und Kunde ausgestaltet werden sollen und wie sich die Apotheke im Wettbewerb positioniert. Dies könnte auch zu dem Schluss führen, dass der Einbau durchgeführt wird, obwohl rein rechnerisch mehr Kosten als Erträge entstehen. /

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