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VFA

Neue Frau, neue Zahlen

21.06.2011
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Von Sven Siebenand, Frankfurt am Main / Bei einer Presseveranstaltung des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VFA) gab die neue Hauptgeschäftsführerin, Birgit Fischer, Einblick in ihre Vorhaben. Außerdem präsentierte der Verband die aktuellen Branchendaten für das Jahr 2010.

Steigende Bedeutung des Exports, nahezu Jobstabilität und eine eher verhaltene Bereitschaft zu Investitionen: Mit diesen drei Punkten fasste der VFA-Vorsitzende, Dr. Wolfgang Plischke, die wirtschaftliche Entwicklung der 43 im VFA organisierten Unternehmen im Jahr 2010 zusammen.

Ingesamt erwirtschafteten die Unternehmen einen Umsatz von 38,8 Milliarden Euro – ein Plus von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Umsätze verteilen sich auf zwei etwa gleichstarke Beine: Inlandsumsatz (18,8 Milliarden Euro) und Auslandsumsatz (20,0 Milliarden Euro). »Das Exportbein hat an Muskelkraft gewonnen«, sagte Plischke. Immerhin sei hier eine Veränderung gegenüber dem Vorjahr von plus 5,6 Prozent erzielt worden, beim Inlandsumsatz »nur« ein Plus von 3,2 Prozent.

 

Insgesamt haben die VFA-Unternehmen im Jahr 2010 mehr als 85 000 Menschen beschäftigt. »Der Rückgang von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist im Vergleich zur Gesamt-Pharmaindustrie und zu anderen Branchen marginal«, sagte Plischke. So sei in der gesamten Pharmaindustrie ein Rückgang der Beschäftigtenzahlen von 4,6 Prozent zu verzeichnen, in der Elektronikindustrie zum Beispiel ein Minus von 3,4 Prozent.

 

Ein deutlicher Rückgang, nämlich minus 13,7 Prozent, ist bei den Investitionen der Branche in Sachanlagen zu verzeichnen. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung liegen nur knapp unter dem Niveau von 2009 (- 0,7 Prozent). Das hört sich erst einmal nicht so gravierend an. Wenn man aber weiß, dass es in diesem Bereich in den Vorjahren jeweils signifikante Wachstumsraten gegeben hatte, dann zeigt sich die verhaltene Bereitschaft zu Investitionen auch an dieser Stelle ganz deutlich. »Der Grund dafür sind standortrelevante Rahmenbedingungen«, erklärte Plischke. Vor allem den Zwangsrabatt, also die seit August 2010 geltende Erhöhung des Herstellerrabattes, hob er in diesem Zusammenhang hervor.

Das Neuordnungsgesetz zum Arzneimittelmarkt (AMNOG) habe seinen Anteil an der gegenwärtigen Zurückhaltung, sagte die neue Hauptgeschäftsführerin des VFA, Birgit Fischer. Insgesamt träten mehrere Faktoren gleichzeitig auf, die zu Unsicherheit bei der Planung und Kalkulation führen. Fischer, die zuvor Chefin der Krankenkasse Barmer GEK und Gesundheitsministerin in Nordrhein-Westfalen war, hat das Gesundheitswesen schon aus vielen Blickwinkeln betrachtet. Sie sieht sich selbst als Netzwerkerin und Brückenbauerin. »Ich bin der festen Überzeugung, dass die zukünftige Entwicklung im Gesundheitswesen nur gelingt, wenn alle Akteure darin zusammenspielen«, sagte Fischer. Sie warb für ein andere Kommunikation und ein neues Aufeinanderzugehen. »Wir brauchen sektorübergreifende Konzepte.«

 

Steuerliche Forschungsförderung

 

Neben diesem neuen Rollenverständnis will Fischer sich für eine Stärkung von Forschung und Entwicklung sowie für eine Infrastruktur einsetzen, die die Pharmaindustrie in Deutschland auch weiterhin wettbewerbsfähig mache. Fischer plädierte für die Einführung der steuerlichen Forschungsförderung. Nicht nur die Pharmabranche, sondern auch andere Zweige der Gesundheitswirtschaft würden davon profitieren.

 

»Deutschland hinkt bei dieser Entwicklung anderen Ländern hinterher«, kritisierte die VFA-Hauptgeschäftsführerin. In den meisten mitteleuropäischen Ländern sowie in den USA und Japan gebe es längst eine steuerliche Forschungsförderung. »Wenn die Forschung erst einmal weg ist aus Deutschland, wird sie auch nicht so schnell wieder zurückkommen«, warnte Fischer in Frankfurt am Main. Der VFA will zum Beispiel eine 10-prozentige Förderung von Forschungsaufwendungen privater Unternehmen, idealerweise als ein auszahlbarer »Tax Credit«. /

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