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Japanische Enzephalitis

Reiseimpfung vermehrt empfohlen

21.06.2010  13:48 Uhr

Von Daniela Biermann, Hamburg / Reisende erkranken selten an Japanischer Enzephalitis. Doch wenn der Fall eintritt, ist das Risiko, neurologische Schäden davonzutragen oder zu sterben, sehr groß. Seit im vergangenen Jahr eine gut verträgliche Vakzine auf den Markt gekommen ist, raten Reisemediziner vermehrt zur Impfung.

Die Japanische Enzephalitis kommt nur in Asien und der Nordspitze Australiens vor. Das Virus aus der Familie der Flaviviren tritt von Nordchina bis Indonesien, von Pakistan bis Papua-Neuginea auf. Überträger sind nachtaktive Culex-Mücken, die vor allem in Reisfeldern und Sümpfen brüten. »Die Ausbreitung von Mücken und Viren hat mittlerweile ihre geografischen Grenzen erreicht«, sagte Privatdozent Dr. Tomas Jelinek auf einer Pressekonferenz von Novartis-Behring in Hamburg. »In diesem Gebiet leben etwa drei Milliarden Menschen.« Zudem sei Asien weiterhin ein beliebtes Reiseziel. »Die Japanische Enzephalitis ist selten, aber gefährlich«, sagte Jelinek, der Medizinischer Direktor des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin ist.

 

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation treten jedes Jahr etwa 50 000 Erkrankungen mit 10 000 Todesfällen auf. Das Risiko für den einzelnen Reisenden sei schwer einzuschätzen, so Jelinek. Eine neue schwedische Studie hätte gezeigt, dass die Krankheit bei einem von 400 000 Reisenden auftritt. »Das sind mehr, als bislang vermutet«, sagte der Reisemediziner. Bei Reisen in ländlichen Gebieten kann das Risiko bei 1:5000 liegen. Nach Schätzungen entwickelt einer von 200 bis 300 Infizierten eine Enzephalitis. Die Inkubationszeit beträgt etwa 4 bis 14 Tage. Oft treten die ersten grippeähnlichen Symptome noch während des Urlaubs auf. Eine kausale Therapie gibt es nicht. Bei etwa einem Drittel heilt die Erkrankung ohne Folgen aus. Ein Drittel trägt bleibende neurologische und psychische Schäden davon, wie Persönlichkeits- und Bewegungsstörungen oder Krampfanfälle. Etwa ein Drittel der Infizierten verstirbt.

 

Die Annahme, das Virus trete nur kurz vor und während der Regenzeit auf, sei falsch. Ausbrüche passieren unvorhergesehen. Betroffen sind auch klassische Urlaubsziele wie Bali. Selbst in Ländern mit niedrigen Fallzahlen kann das Risiko für Touristen hoch sein. Denn die erwachsenen Einheimischen sind nach durchlebter Krankheit oder Impfung seropositiv, doch die Viren existieren weiter in ihrem natürlichen Reservoir wie Wasservögeln und Schweinen. Zwar steigt das Infektionsrisiko mit längeren und häufigeren Aufenthalten in Asien, doch auch bei Kurzaufenthalten besteht Infektionsgefahr. Daher empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin neuerdings allen Reisenden in ländliche Gebiete sowie Reisenden, die länger als zwei Wochen bleiben, sich impfen zu lassen.

 

Bereits seit den 1960er-Jahren gibt es effektive Impfstoffe. Die Nebenwirkungsrate dieser attenuierten Lebendimpfstoffe aus Mäusekultur ist relativ hoch. Seit April vergangenen Jahres ist in Europa der erste Totimpfstoff aus Zellkulturen zugelassen (Ixiaro®). »Er zeigt eine sehr gute Immunogenität bei fast 100 Prozent Ansprechrate«, sagte Jelinek. »Da dieser Impfstoff sehr gut verträglich ist, empfehlen wir die Impfung jetzt häufiger.« Die Grundimmunisierung kann einen Monat vor der Reise stattfinden. Geimpft wird an Tag 0 und 28. Wie viele Jahre der Schutz hält, sei noch unklar. Seit März empfiehlt die europäische Arzneimittelbehörde vor einer erneuten potenziellen Exposition eine Auffrischung 12 bis 24 Monate nach der Grundimmunisierung. / 

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