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Karriere

Im Auftrag der Pharmaindustrie

16.06.2008  10:02 Uhr

Karriere

Im Auftrag der Pharmaindustrie

Von Martina Janning, Berlin

 

Kaum eine Branche hat einen schlechteren Ruf als die Pharmaindustrie. Das hat sie nicht davon abgehalten, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller zu werden. Auch nicht, dass sie dort fast allein unter Männern ist. Ein Besuch bei Cornelia Yzer in Berlin.

 

Cornelia Yzer weiß, was ihr steht: Warme Farben, alles aufeinander und ihre blonden Haare abgestimmt. Ein beigefarbener Hosenanzug, ein cremeweißes T-Shirt, dezenter Goldschmuck mit Silbersprenkeln und eine randlose Brille mit vergoldeten Bügeln. Ein harmonisches Bild, nichts, was provozieren könnte. Das tut ihr Beruf schließlich schon genug. Cornelia Yzer ist die Cheflobbyistin der Pharmafirmen. Ihr Job ist es, Politikern die Sicht der forschenden Arzneimittelhersteller nahezubringen und deren Interessen zu wahren. Das eckt an bei denjenigen, die in der Pharmaindustrie einen der wichtigsten Kostentreiber im Gesundheitssystem sehen. Streit und Anfeindungen gehören daher zu Yzers Arbeitsalltag. Ihr Vorteil: Sie streitet gern.

 

Streitbar und eloquent

 

Das glaubt ihr, wer sie in einer Debatte erlebt, wo es nicht primär darum geht, Verbandsstatements abzugeben. Engagiert und eloquent. Ihrem Gegenüber zugewandt und hinhörend. »Ich bin eine große Anhängerin von Streit in der Sache. Beim Austausch gegensätzlicher Positionen lernt man dazu, das bringt einen weiter. Ein Streit darf aber nicht auf eine persönliche Ebene abrutschen«, sagt sie. Dass streitbare Frauen schnell als keifende Weiber abgestempelt werden, hat sie gelernt, gelassen zu nehmen. »Eine Frau sollte sich vergegenwärtigen, wie ihre Wirkung ist. Frauen haben nun mal eine andere Stimmlage. Aber daran lässt sich arbeiten.« Vielleicht hat sie den öffentlichen Auftritt etwas zu sehr trainiert - in Podiumsdiskussionen wirkt sie manches Mal leicht distanziert und wenig spontan.

 

Cornelia Yzer ist eine Ausnahme. Ganz oben in der Gesundheitswirtschaft gibt es nur wenige Frauen. Damit sich das ändert, müssten Entscheider bei Beförderungen bedenken, dass es ein Vorteil ist, Frauen in Teams zu haben, sagt sie. »Aber Frauen müssen auch wollen.« Viele überließen sich ihren Selbstzweifeln. »Frauen bauen sehr auf Erfahrungen. Sie sollten mutiger sein und Chancen ergreifen, auch abseits ihrer bisherigen Arbeitsfelder.«

 

Im Gegensatz zu Männern verfolgten Frauen meist einen schmal angelegten Karriereweg, auf dem sie viel Expertenwissen anhäuften. »Wer aber eine Führungsposition einnehmen will, muss auch mal springen und sich dadurch allgemeine Managementkompetenzen aneignen.« Doch ohne den Willen zum Durchbeißen nutze alles nichts, betont Yzer. »An die Spitze wird niemand gezogen, egal ob Mann oder Frau.« Sie selbst hat all ihre Ratschläge beherzigt. Sie wollte Karriere machen, sie hat sich unbekannte Arbeitsgebiete erschlossen, und sie hat sich durchgebissen. Schon mit 28 Jahren war die Rechtsanwältin leitende Mitarbeiterin bei der Bayer AG. Mit 29 Jahren zog sie für die CDU in den Bundestag, mit 30 wurde sie Staatssekretärin im Bundesministerium für Frauen und Jugend, danach im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Fünf Jahre später, 1997, kehrte sie der Politik den Rücken und wechselte als Hauptgeschäftsführerin zum VFA. Cornelia Yzer hat eine neunjährige Tochter, die sie allein erzieht.

 

Beim VFA dirigiert sie über 50 Mitarbeiter. Dabei ist sie gerne geradeheraus. Das kommt nicht bei jedem gut an, kann sogar verletzen. Früher hieß es: So eine vermeintliche Härte resultiert daraus, dass weibliche Vorgesetzte sich stärker behaupten müssen als männliche. Da war sicher einiges dran. Aber trifft das heute noch zu? Führen junge Frauen anders als ältere?

 

Eine schwierige Frage, meint Cornelia Yzer. Es gebe so wenige Ältere zum Anschauen. Plötzlich stockt sie: Mit ihren 47 Jahren gehöre sie ja inzwischen auch zu den Älteren, überlegt sie laut und denkt schnell um. Die Rahmenbedingungen hätten sich geändert, sagt sie dann. Heute herrschten flachere Hierarchien und mehr Transparenz. »Aber eine erfolgreiche Führungskraft, egal welchen Alters, vollzieht diese Entwicklungen mit.« So wie sie, impliziert das.

 

Verhaltenskodex verbessert Image

 

Doch in der Tat hat sie auch ihren Verbandsmitgliedern mehr Transparenz und Lauterkeit verordnet. »Das Verhältnis von Industrie und Ärzteschaft und ihr Zusammenwirken waren nicht immer einwandfrei. Deshalb haben wir als Verband für uns beschlossen, dass unsolide Marketingpraktiken abgestellt werden müssen. Dass wir heute einen Verhaltenskodex und eine Schiedsstelle haben, die Verstöße mit Sanktionen ahndet, hat Auswirkungen auf das Image der pharmazeutischen Industrie und damit letztlich auf ihren Markterfolg.«

 

Und um Erfolg geht es schließlich bei ihrer Arbeit, aber auch für sie selbst: Cornelia Yzer bezeichnet Erfolgsorientierung als ihre Stärke. Sicher, sie habe auch Schwächen, räumt sie ein. Aber darüber redet sie nicht öffentlich.

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