Pharmazeutische Zeitung online
Rheumatoide Arthritis

IQWiG vergleicht Biologika

13.06.2018
Datenschutz bei der PZ

Von Annette Mende / Welches Biologikum wirkt bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) am besten? Weil direkte Vergleiche fehlen, lässt sich diese Frage auch fast 20 Jahre nach der Markteinführung der Substanzklasse nur sehr schwer beantworten. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat es jetzt trotzdem versucht und anhand von indirekten Vergleichen eine Bewertung vorgenommen.

 

Das primäre Therapieziel bei RA ist heute die klinische Remission. Sie lässt sich laut IQWiG mit allen Biologika gleich gut erzielen, wenn sie in der Erstlinientherapie in Kombination mit Metho­trexat gegeben werden. Einen geringen Vorteil besitzen allerdings Adalimumab und Etanercept, denn eine niedrige Krankheitsaktivität ist mit diesen beiden Arzneistoffen besser erreichbar als mit Certolizumab Pegol oder Tocilizumab, so das IQWiG.

In der Zweitlinientherapie, also nach Versagen von Methotrexat und Hinzunahme eines Biologikums, fand das IQWiG für Abatacept, Adalimumab, Certolizumab Pegol und Golimumab jeweils einen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen gegenüber Anakinra. Gleiches galt für Abatacept, Adalimumab und Infliximab in puncto niedrige Krankheitsaktivität und für Golimumab hinsichtlich der gesundheits­bezogenen Lebensqualität. Einige Wirkstoffe schnitten aber im Vergleich auch schlechter ab als andere. So kam es unter Adalimumab und Golimumab häufiger zu schwerwiegenden Infektionen als unter Infliximab; Certolizumab Pegol war den meisten anderen Biologika sogar in mehreren Endpunkten unterlegen. Ein Wechsel des Biologikums scheint wenig sinnvoll zu sein, denn der Analyse zufolge profitiert der Patient davon nicht.

 

Die Nutzenbewertung der Biologika bei RA erfolgte durch indirekte Vergleiche, die das IQWiG anhand von Zusatzauswertungen klinischer Studien vorgenommen hatte. »Doch auch noch so akribische indirekte Vergleiche können Langzeitstudien und direkte Vergleiche nicht vollständig ersetzen«, sagte Beate Wieseler, Leiterin des Ressorts Arzneimittelbewertung im IQWiG. Dass 18 Jahre nach der Zulassung der ersten Biologika bei RA immer noch keine direkten Vergleichsstudien existieren, sei angesichts der Krankheitshäufigkeit und der starken Belastung der Patienten durch die Erkrankung nicht nachzuvollziehen. /

Mehr von Avoxa