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IQWiG zu Biologika bei Rheuma

Bessere Evidenz, aber fehlende Direktvergleiche

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat seinen Abschlussbericht zur Nutzenbewertung biotechnologisch hergestellter Arzneimittel für verschiedene rheumatische Erkrankungen vorgestellt. Es gebe wichtige neue Erkenntnisse, aber noch zu wenig Langzeitstudien und Direktvergleiche zwischen den einzelnen Biologika.
Daniela Hüttemann
18.09.2019
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Mittlerweile stehen neun Biologika für den rheumatischen Formenkreis zur Verfügung: Abatacept, Adalimumab, Certolizumab Pegol, Etanercept, Golimumab, Infliximab und Tocilizumab, die alle als Erstlinientherapie zugelassen sind, sowie Anakinra und Rituximab, die in Kombination mit Methotrexat erst später zum Einsatz kommen dürfen.

Das IQWiG hat nun die Vor- und Nachteile dieser modernen Arzneistoffe für sieben Therapiesituationen bewertet. Das IQWiG bemängelt in seinem Abschlussbericht, dass es auch nach fast zwei Jahrzehnten seit den ersten Marktzulassungen kaum Studien gibt, in denen mindestens zwei der neun Biologika gegeneinander getestet wurden – obwohl an potenziellen Teilnehmern kein Mangel herrsche. 

So kommen die Prüfer zu dem Schluss, dass es in der Erstlinientherapie in Kombination mit Methotrexat beim primären Therapieziel, der klinischen Remission, keinen Anhaltspunkt für einen höheren oder geringeren Nutzen eines Biologikums gegenüber den anderen gebe. »Eine niedrige Krankheitsaktivität war mit Adalimumab und mit Etanercept besser zu erreichen als mit Certolizumab Pegol oder Tocilizumab, woraus sich jeweils ein Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen ergibt«, heißt es in einer Pressemitteilung. Weitere Unterschiede hätten sich nicht gezeigt.

Bekommen die Patienten nicht direkt eine Biologikum, sondern erst zusätzlich, wenn Methotrexat allein versagt hat, zeigte sich für alle Wirkstoffe mit Ausnahme von Etanercept ein höherer Nutzen im Vergleich zu Anakinra. »Für Certolizumab Pegol gibt es einen Anhaltspunkt für einen höheren Schaden wegen mehr Nebenwirkungen im Vergleich zu allen anderen Wirkstoffen«, urteilt das IQWiG. Unter Golimumab und Tocilizumab traten mehr Nebenwirkungen als unter Infliximab auf; unter Tocilizumab brachen außerdem mehr Patienten die Therapie aufgrund unerwünschter Wirkungen ab als unter Abatacept. Diese Ergebnisse werteten die Prüfer jeweils als Anhaltspunkt für einen höheren Schaden.

Auch für die dritte mögliche Therapiesituation, wenn ein Biologikum versagt hat, gebe es neue Daten. Zur Monotherapie nach Methotrexat-Unverträglichkeit konnten laut IQWiG erstmals Ergebnisse zu Endpunkten ermittelt werden, die in den Studienunterlagen ursprünglich nicht enthalten waren. Für die drei verbleibenden Therapiesituationen sei jedoch wegen der unzureichenden Datenlage kein Fazit möglich.

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