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Traditionelle chinesische Medizin

Leber potenziell gefährdet

11.06.2014
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Von Ulrike Viegener / Angesichts vermehrter Hinweise auf eine Hepatotoxizität pflanzlicher Arzneimittel der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wurde zu dieser Frage eine systematische Literaturanalyse durchgeführt. Demnach ist bei einigen Mono- und Kombinationspräparaten Vorsicht geboten.

Die traditionelle chinesische Medizin erfreut sich zunehmender Beliebtheit, obwohl – so die Autoren der Literaturrecherche – die Evidenz für eine therapeutische Wirksamkeit vieler TCM- Arzneimittel limitiert sei. Andererseits haben sich im Zuge der vermehrten Anwendungen Berichte gehäuft, denen zufolge bei manchen pflanzlichen TCM-Präparaten mit hepatotoxischen Effekten zu rechnen ist.

 

Um eine valide Beurteilungsgrundlage zu schaffen, hat die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Rolf Teschke, Klinikum Hanau, die englischsprachige Literatur seit 2011 systematisch nach entsprechenden Publikationen durchforstet. Des Weiteren wurden die Datenbanken der National Institutes of Health (NIH) sowie von Livertox zurate gezogen (doi:10.1111/apt.12798). Dabei kristallisierten sich vor allem neun pflanzliche Mixturen sowie vier Monopräprate als potenziell hepatotoxisch heraus: Ban Tu Wan, Chai Hu, Du Huo, Huang Qin, Jia Wei Xia Yao San, Jiguja, Kamishoyosan, Long Dan Xie Gan Tang, Lu Cha, Polygonum-multiflorum-Zubereitungen, Shan Chi, »White flood« und Xiao Chai Hu Tang. Aber die Liste kritischer TCM-Präparate ist noch länger und umfasst neben definierten Kräutermischungen auch Mixturen unklarer Zusammensetzung.

 

Die genaue Zuordnung leberschädigender Effekte gestaltet sich bei pflanzlichen Kombinationspräparaten oft schwierig. In der traditionellen chinesischen Medizin werden oft Mixturen eingesetzt, die eine Vielzahl pflanzlicher Komponenten enthalten, wobei die Zusammensetzung zum Teil nicht ausgewiesen ist. Hinzu kommt, dass bislang keine verbindlichen Qualitätsstandards für die Herstellung pflanzlicher TCM-Extrakte existieren. Auch Verunreinigungen können deshalb die Ursache für einen Leberschaden sein. Ein Beispiel ist die Kontamination mit Pyrrolizidin-Alkaloiden, die zu einem Verschluss der Lebervenen führen und daher sind entsprechende Pflanzen auch in der TCM verboten.

 

Systematische Studien gefordert

 

Bei den Hinweisen auf hepatotoxische Effekte von TCM-Kräutermischungen handelt es sich meist um Einzelfall- Berichte oder Fallserien und es ist davon auszugehen, dass es sich um ein insgesamt seltenes Phänomen handelt. Die genaue Größenordnung des Problems lässt sich anhand der vorliegenden Daten allerdings nicht beziffern. Auch eine Definition von Risikopersonen ist beim aktuellen Kenntnisstand nicht möglich. Zwar bilden sich die iatrogenen Leberfunktionsstörungen nach Absetzen der TCM-Droge in den meisten Fällen wieder zurück, es gibt aber sehr wohl Fallberichte über akutes Leberversagen mit Todesfolge oder dem Notwendigwerden einer Lebertransplantation. Die Autoren der Literaturrecherche kommen zu dem Schluss, dass Arzneimittel der traditionellen chinesischen Medizin unbedingt einer – an westlichen Standards orientierten – sorgfältigen Prüfung unterzogen werden müssen, um einerseits die Wirksamkeit zu validieren und andererseits mögliche Gesundheitsschäden auszuschließen. /

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