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Reiseapotheke

Packen mit Plan

26.07.2013
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Von Elke Wolf / Eine wohldurchdachte Reiseapotheke hat schon so manchen Urlauber vor größeren Unannehmlichkeiten bewahrt. Doch deren Zusammenstellung ist eine Gratwanderung.Niemand will Unmengen von Medikamenten mitschleppen – aber jeder im Ernstfall das passende dabeihaben. Die PZ hilft mit einer Checkliste.

Die Kunst im Beratungsgespräch ist, die Reiseapotheke nach den individuellen Bedürfnissen des Kunden zusammenzustellen. Plant der Kunde eine Nilkreuzfahrt, steht ein mehrwöchiger Business-Trip nach New York an, oder will sich ein 70-jähriger Rentner auf einer Städte-Tour weiterbilden? Wer eine Fahrradreise durch die Mongolei plant, will anders versorgt sein als der Badeurlauber im Fünf-Sterne-Hotel auf Mallorca.

Jede Reiseapotheke enthält ein gewisses Basissortiment (siehe Kasten). Für ein erfolgreiches Beratungsgespräch erarbeitet man sich am besten im Vorfeld eine Checkliste, die zusätzlich nach Urlaubszielen, Urlaubsart beziehungsweise Patientengruppen unterteilt. Für die Zusammenstellung der relevanten Arzneimittel sollte die Reisedauer erfragt werden, um die Menge der benötigten Arzneien einschätzen zu können. Auch der Impfschutz plus eventuelle Malariaprophylaxe ist abzuklären.

 

Gut geschützt am Strand

 

Zu jedem Urlaub gehört der geeignete Sonnenschutz. Deshalb sollten während des Beratungsgesprächs die Sonnenschutzmittel, die von der letzten Reise übriggeblieben sind, überprüft werden. Sind die Zubereitungen noch verwendbar? Passen sie hinsichtlich des Lichtschutzfaktors für das neue Reiseziel? Reicht die Menge für die ganze Familie?

Gerade beim letzten Punkt liegt die Crux. Untersuchungen haben ergeben, dass die meisten Verbraucher im Schnitt nur ein Drittel der notwendigen Menge an Sonnenschutz aufträgt. Dabei wäre es besser, mit dem jeweiligen Präparat verschwenderisch umzugehen. So sollten Erwachsene pro Anwendung etwa 40 ml auf dem ganzen Körper verteilen. Bei den üblichen Packungsgrößen ist das etwa ein Viertel der Packung! Wasserfeste Produkte sind besonders bei Kindern und wegen der Schweißbildung auch für Sportler ein Muss.

 

Rucksack-Apotheke

 

Wer einen Wanderurlaub plant, sollte mit gut bestückter Rucksack-Reiseapotheke in Sachen »kleine Pannenhelfer« losziehen. Deshalb auf genügend Blasenpflaster, elastische Binden, Multifunktionstaschenmesser mit Schere und Pinzette, Wunddesinfektionsmittel und Sportsalben achten. Auch Kältesprays oder Sofort-Kompressen, die erst auf Druck Kälte freisetzen, sind für den Rucksack ideal.

 

Auch ein Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor brauchen Wanderer. Denn führt die Tour ins Gebirge, kann die UV-Strahlung sehr intensiv werden. Zudem sind Zecken bei Wanderungen ein Thema, sodass Repellents mit ins Reisegepäck gehören (siehe auch Repellentien: Geschützt vor Zecken, Mäuse und Co.). Der Kunde sollte darüber aufgeklärt werden, dass die meisten Repellents längere Zeit Mücken abwehren als Zecken. Auch dieser Tipp gehört ins Beratungsgespräch: Erst den Sonnenschutz auftragen, dann das Repellent.

Reisefreundliche Galenik

 

Zwar können zum Beispiel Analgetika auch auf Reisen mit einem großen Glas Wasser in Form von Tabletten eingenommen werden. Wer jedoch etwa einen Tagesausflug mit dem Bus macht, wird über Alternativen dankbar sein. So gibt es diverse schmerzlindernde Arzneistoffe auch in Form von Kau- oder Schmelztabletten, die ohne Flüssigkeit bei der Einnahme auskommen.

 

In manchen Reiseländern wie Ägypten oder Tunesien besteht die Gefahr, durch ungewohnte Speisen oder verunreinigtes Trinkwasser Durchfall zu bekommen. Manchen wird auch bei Flügen oder Seereisen so übel, dass sie sich übergeben müssen (siehe dazu auch Reisekinetose: Krank durch Kurven und Kamele). Bei Durchfall oder Erbrechen können perorale Arzneimittel dann eventuell nicht mehr (ausreichend) wirken. Deshalb ist es sinnvoll, die Reiseapotheke auch mit alternativen Arzneiformen zu bestücken. So bieten vor allem Zäpfchen eine Ausweichmöglichkeit, wenn Magen und Darm Achterbahn fahren. Auch Migräne- Patienten können sich mit Zäpfchen behandeln, wenn ihnen Übelkeit übel mitspielt.

 

An spezielle Darreichungsformen und Dosierungen für die Reiseapotheke ist auch dann zu denken, wenn Kinder mit auf Tour gehen. So sollte etwa das Antitussivum auch in Saftform verfügbar sein. Bei Analgetika am besten gleich auf Paracetamol- oder Ibuprofen-haltige Varianten gehen, um die Doppelbestückung mit Acetylsalicylsäure-haltigen Analgetika zu umgehen.

Sinnvolle Reisebegleiter

Zur Basisausstattung einer jeden Reiseapotheke gehören folgende Medikamente und Utensilien:

 

  • Schmerz- und Fiebermittel (Tipp: Bei Tropenreisen möglichst keine Acetylsalicylsäure-haltigen Schmerzmittel, da Gerinnungsprobleme bei Dengue-Fieber auftreten können.)
  • Medikamente gegen Durchfall, Elektrolytmischungen
  • Medikamente gegen Verdauungsbeschwerden wie Sodbrennen oder Verstopfung
  • Medikamente gegen Reiseübelkeit
  • Medikamente gegen Erkältung, Halsschmerzen, Husten und Schnupfen (Nasale α-Sympathomimetika erleichtern bei Flugreisen den Druckausgleich.)
  • Antiallergika
  • Sonnenschutzmittel, After-sun- Präparate, Repellentien
  • Medikamente gegen Lippenherpes
  • Desinfektionsmittel, Wund- und Heilsalbe
  • Medikamente gegen Sportverletzungen/Kühlkompressen
  • Fieberthermometer
  • Verbandsmaterial, Schere (bei Flugreisen nicht ins Handgepäck), (Zecken-)Pinzette, Einmalhandschuhe
  • Medizinische Dokumente wie Impfpass, Diabetikerausweis oder Allergiepass

 

Die Reiseapotheke wird ergänzt durch individuell benötigte Arzneimittel wie orale Kontrazeptiva oder Antihypertonika.

Gesund an Bord

 

Flugreisen sind in. Im Beratungsgespräch lässt sich einiges dafür tun, dass selbst ein 14-stündiger Interkontinentalflug nicht zur Tortur wird. So empfiehlt es sich, besonders bei Langstreckenflügen keine Kontaktlinsen zu tragen. Die geringe Luftfeuchtigkeit im Flugzeug führt zur verstärkter Verdunstung des Tränenfilms und trocknet Kontaktlinsen leicht aus. Wer keine Brille tragen mag, ist mit künstlicher Tränenflüssigkeit gut beraten, die er im Flugzeug häufig nachträufeln sollte. Ob bei längeren Flugreisen eine Thromboseprophylaxe mit speziellen Kompressionsstrümpfen individuell zu empfehlen ist, sollte der Arzt entscheiden (siehe dazu auch Reisethrombose: Risiko überschätzt).

 

Daneben ist es für so manchen Urlauber hilfreich, wenn er abschwellende Nasentropfen vor dem Flug griffbereit hat. Dann nämlich, wenn er eine Erkältung mit verstopfter Nase hat. Durch die geschwollenen Nasenschleimhäute kann sich die Verbindung zwischen Rachen und Mittelohr schließen. Der zunehmende Druck beim Starten und vor allem beim Landen schmerzt dann im Ohr. Dem Dilemma kann man mit abschwellenden α-Sympathomimetika vorbeugen. Gähnen hilft zusätzlich.

 

Medikamente, besonders dauerhaft benötigte Arzneimittel, gehören ins Handgepäck (siehe dazu auch  Arzneimittel auf Reisen). Aufgrund der verstärkten Sicherheitsvorkehrungen an den Flughäfen dürfen Flüssigkeiten und Salben, Gele und Sprays nur in begrenzten Mengen an Bord mitgeführt werden. Diabetiker müssen gegebenenfalls klären, ob sie ihr Insulin beziehungsweise das Injektionsbesteck mit an Bord nehmen dürfen. Damit solche Medikamente die Kontrollen passieren, ein ärztliches Attest oder eine beglaubigte Rezeptkopie (am besten zusätzlich in englischer Sprache) bei sich führen. Diese ärztliche Erklärung am besten von der Gesundheitsbehörde des jeweiligen Bundeslandes beglaubigen lassen.

 

Für einige Medikamente können Bescheinigungen bei der Einreise in das gewünschte Land erforderlich werden, wie bei Betäubungsmitteln. Die »Bescheinigung für das Mitführen von Betäubungsmitteln im Rahmen einer ärztlichen Behandlung bei Auslandsreisen« stellt der behandelnde Arzt aus oder kann beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) unter www.bfarm.de > Betäubungsmittel > Formulare heruntergeladen werden (siehe dazu auch Medikamente im Koffer: Nicht unbedarft einpacken). Außerdem: Patienten, die auf Opioide angewiesen sind, sollten immer ihren Opiat-Ausweis mit sich führen. /

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