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Medikamente im Koffer

Nicht unbedarft einpacken

26.07.2013
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Von Anna Hohle / Wer mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln verreisen will, sollte sich vorab gut informieren. Insbesondere für die Einfuhr von Betäubungsmitteln müssen je nach Reiseland unterschiedliche Auflagen erfüllt werden. Auch HIV-Patienten müssen aufmerksam sein: Nicht alle Staaten lassen Infizierte ohne Probleme einreisen.

Kopfschmerztabletten, Durchfallmittel: Die meisten Menschen denken beim Packen für den Urlaub daran, eine kleine Reiseapotheke für den Notfall mitzunehmen. Was aber ist, wenn ein Urlauber regelmäßig verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen muss?

Er sollte sie jedenfalls nicht unbedarft in den Koffer legen, denn je nach Präparat können im Urlaubsland Einfuhrbeschränkungen oder gar -verbote gelten. Reisen in Mitgliedsstaaten des Schengener Abkommens, zu denen fast alle europäischen Länder gehören, sind dabei am wenigsten problematisch.

 

Botschaft gibt Auskunft

 

Hier gelten für die Mitnahme der meisten Medikamente ähnliche rechtliche Vorgaben wie in Deutschland. Anders sieht es in Staaten aus, die sich außerhalb des Schengen-Raums befinden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rät, bei Reisen in solche Länder vor der Mitnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten grundsätzlich die jeweilige diplomatische Vertretung zu befragen. Diese kann über die entsprechenden Einfuhrbestimmungen informieren.

 

Einen Sonderfall stellt die Einfuhr von Betäubungsmitteln (BtM) dar. Denn nicht in allen Ländern sind dieselben BtM verschreibungsfähig wie in Deutschland. Wer Betäubungsmittel ins Ausland mitnehmen will, braucht deshalb grundsätzlich eine vom Arzt ausgefüllte Bescheinigung darüber, dass er diese Medikamente benötigt. Für Reisen in Schengen-Staaten genügt dafür ein Formular im Rahmen des Artikels 75 des Schengener Durchführungsabkommens, das unter anderem auf der Homepage des BfArM bereitsteht. Anschließend muss die jeweilige Landesgesundheitsbehörde oder eine von ihr beauftragte Institution die Bescheinigung beglaubigen. Das beglaubigte Formular muss der Patient dann auf der Reise mitführen.

 

Noch komplizierter wird es, wenn die Reise in ein Land außerhalb des Schengen-Raums geht. Für diese Fälle rät die Bundesopiumstelle Patienten, sich gemäß den Vorgaben des Internationalen Suchtstoffkontrollamtes zu verhalten. Demnach benötigen BtM-Patienten für die betroffenen Länder eine mehrsprachige Bescheinigung, die detaillierte Angaben zum Wirkstoff des Betäubungsmittels, zu Dosierung und Reisedauer enthält. Auch dieses Formular muss von einer Landesgesundheitsbehörde beglaubigt werden.

 

Da einige Staaten außerdem Importgenehmigungen verlangen, die Menge von eingeführten BtM beschränken oder die Einfuhr bestimmter Präparate ganz verbieten, rät das BfArM dringend, vor der Reise in Länder außerhalb des Schengen-Raums stets die diplomatische Vertretung des Urlaubslandes zu den rechtlichen Vorgaben zu befragen. Eine Liste mit Botschafts-Adressen und Links zu Formularen steht auf der Homepage der BfArM unter dem Stichwort »Reisen mit Betäubungsmitteln« bereit.

 

Sowohl für Länder innerhalb als auch für solche außerhalb des Schengen-Raums gilt: Die beglaubigten ärztlichen Bescheinigungen sind maximal 30 Tage gültig. BtM-Patienten dürfen also nur die Menge an Betäubungsmitteln einführen, die einer Einnahmedauer von 30 Tagen entspricht. Will sich ein Patient länger im Ausland aufhalten, muss er sich das benötigte Präparat von einem dort ansässigen Arzt verschreiben lassen.

 

Reisen mit HIV-Infektion

 

Schwierigkeiten auf Reisen können aber nicht nur im Zusammenhang mit der Einfuhr von Medikamenten entstehen. Manchmal genügt bereits die Erkrankung an sich, um die Einreise in bestimmte Länder zu erschweren oder gar auszuschließen. Noch immer lassen einige Staaten Menschen mit einer HIV-Infektion nicht einreisen.

 

Laut einer Studie der Deutschen Aidshilfe fordern etwa Ägypten, Singapur, die Russische Föderation und 16 weitere Länder von jedem Einreisenden, seinen HIV-Status im Visumsantrag oder im Einreiseformular offenzulegen – selbst wenn nur ein Kurzaufenthalt im Land geplant ist. 14 weitere Staaten verlangen die Preisgabe des HIV-Status bei längerfristigen Aufenthalten von mehr als drei Monaten.

 

»Wer sich entscheidet, die Wahrheit zu sagen, muss damit rechnen, dass ihm die Einreise verweigert wird«, so Karl Lemmen, Autor der Studie. Bestimmte Staaten sähen für ein Visum bei längeren oder mehrmaligen Aufenthalten sogar eine Untersuchung bei einem Vertragsarzt der Botschaft vor oder verpflichteten eingereiste Ausländer zu regelmäßigen Routineuntersuchungen. In diesen Fällen lässt sich eine HIV-Infektion ohnehin nicht verbergen. »Bei der Einreise in bestimmte Länder ist es angezeigt, sich vorher gut zu informieren«, rät Lemmen. So biete etwa die Website www.hiv-restrictions.org stets aktuelle Informationen für HIV-Infizierte zu mehr als 196 Ländern.

 

Keine Besserung in Sicht

 

Die Deutsche Aidshilfe kritisiert die strengen Einreiseregeln für HIV-Infizierte seit Langem. »Einreisebestimmungen aufgrund von HIV sind unsinnig und diskriminierend«, erklärt Holger Wicht, Pressesprecher der Aidshilfe. Neu-Infektionen verhindere man ohnehin nicht durch Verbote, sondern durch Aufklärung. »Diskriminierung schadet der Prävention, weil sie zu Tabus führt«, so Wicht.

 

Ob und wann sich die teils komplizierte Einreise für HIV-Infizierte ändern wird, ist bislang nicht abzusehen. Zumindest einige Staaten haben in den letzten Jahren ihre strikten Regeln gelockert. So hoben die USA und China 2010 ihre Einreiseverbote für HIV-positive Menschen auf. Für China-Reisen empfiehlt die Deutsche Aidshilfe Infizierten jedoch nach wie vor, ihren HIV-Status im Visumsantrag nicht offenzulegen. Noch sei unklar, wie dort das geltende Recht zukünftig umgesetzt wird. /

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