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Retina

Blutgefäße mit Intelligenz assoziiert

26.07.2013  13:07 Uhr

Christina Hohmann-Jeddi / Die Gesundheit des Gehirns lässt sich anscheinend an den Augen ablesen: Der Durchmesser der Blutgefäße in der Netzhaut korreliert mit dem Intelligenzquotienten (IQ). Das ergab eine Untersuchung eines internationalen Forscherteams, die nun im Fachjournal »Psychological Sciences« (doi: 10.1 77/095 6797612470959) veröffentlicht wurde.

Menschen mit niedrigen IQ-Werten haben insgesamt mehr gesundheitliche Probleme und sterben früher als Menschen mit höherem IQ. Nur ein Teil dieses Unterschieds lasse sich durch den niedrigen Sozialstatus und das Gesundheitsverhalten erklären, schreiben die Autoren. Sie gehen davon aus, dass ein hoher IQ vielmehr ein Zeichen für ein gesundes Gehirn und damit eine stabile Gesundheit ist.

 

Um den Zusammenhang zwischen Gehirngesundheit und Intelligenz zu untersuchen, griffen die Forscher um Idan Shalev von der Duke University in Durham, USA, zusammen mit Kollegen aus Singapur, Großbritannien und Neuseeland auf die IQ -Daten von 1000 Personen zurück, die alle Jahrgang 1972 oder 1973 sind und an einer Langzeitstudie in Dunedin, Neuseeland, teilnehmen. Die Forscher fotografierten zudem den Augenhintergrund der Probanden mithilfe einer digitalen Fundus-Kamera und ermittelten aus den Aufnahmen die Weite der Blutgefäße in der Retina. Da sich Struktur, Größe und Funktion der Blutgefäße im Gehirn und Auge gleichen, sei diese Methode ein einfaches, nicht-invasives Verfahren, die Gesundheit des Gehirns bei lebenden Menschen zu untersuchen.

 

Den Durchmesser der Blutgefäße setzten die Forscher in Bezug zu den Ergebnissen der IQ-Tests, die im Alter von 38 Jahren gemacht wurden. Es zeigte sich, dass weite Blutgefäße mit niedrigen Ergebnissen im IQ-Test im Alter von 38 Jahren assoziiert waren, ­schreiben die Autoren. Dies traf auch zu, wenn weitere Gesundheitsfaktoren und Lebensstilfaktoren wie Rauchen mitberücksichtigt wurden. Interessant war auch, dass die Probanden mit weiten Blutgefäßen auch schon in der Kindheit, 25 Jahre früher, schlechter bei IQ-Tests abgeschnitten hatten.

 

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass die Weite der Blutgefäße in der Retina ein Indikator für Gehirngesundheit ist, schreiben die Forscher. Aus früheren Untersuchungen war bereits bekannt, dass weite Gefäße mit Demenz assoziiert sind. Welche Mechanismen dem Zusammenhang zwichen Gefäßweite und Intelligenz zugrunde liegen, wurde bislang nicht untersucht. Die Forscher vermuten, dass die Durchblutung des Gehirns hierbei eine Rolle spielt. /

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