Pharmazeutische Zeitung online

Nachgefragt

15.06.2010  15:07 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler, Daniel Rücker und Sven Siebenand / Wie attraktiv ist ein Pharmaziestudium und wie kann der Nachwuchs in der Apotheke gefördert werden? Warum es sich lohnt, Pharmazie zu studieren, um anschließend in der Apotheke zu arbeiten...

Die Studieninhalte sind bereits äußerst attraktiv, da das Pharmaziestudium wie kein anderes Fach vielfältige naturwissenschaftliche Inhalte umfasst. Das starre Korsett der Approbationsordnung regelt zwar sehr viel, lässt aber doch Freiräume für spezifische Akzente. Dies könnte ausgeweitet werden, wenn es mehr Möglichkeiten gäbe, in Kleingruppen forschungsnahe Projektarbeiten zu machen – so wie es im Rahmen der Wahlpflichtfächer bereits angeboten wird. Das würde dem Interesse der Studenten, eigene Schwerpunkte zu setzen, entgegenkommen. Letztlich muss es uns aber gelingen, nach außen zu vermitteln, dass gerade das vermeintlich antiquierte Pharmaziestudium alle Merkmale eines modernen Studiengangs hat: kurze Studienzeit, relativ große Praxisnähe (für ein Hochschulstudium) und gute Berufsaussichten.

Professor Dr. Rolf Daniels, Universität Tübingen

Ich bin sehr gerne Apotheker und vermittle dies auch bei den Berufs-Informationsabenden am Dachauer Gymnasium und bei Schnupperpraktika in der Apotheke. Wer gerne mit Menschen zu tun hat, dem wird es in der Apotheke nie langweilig. Man bekommt hier einen anderen Blick aufs Leben, denn wir sind immer wieder mit seinen Polen konfrontiert. Für mich ist der Beruf ein Traum: Es gibt nichts Schöneres als Dienstleistung am Menschen. Das hat Zukunft. Nicht zu vergessen: Unser Beruf bietet wohnortnahe und sichere Arbeitsplätze, auch langfristig; außerdem sind wir ein extrem familienfreundlicher, sehr sozialer Berufszweig.

Maximilian Lernbecher, Obere Apotheke, Dachau

Das Problem mit dem Nachwuchsmangel  in den Apotheken haben wir heute schon. Wir können nicht darauf warten, ob in fünf oder zehn Jahren mehr junge Leute Pharmazie studieren. Wie können wir erreichen, dass Hochschulabgänger nicht ins Ausland abwandern? Ich meine, man sollte die Studenten in Deutschland verpflichten, nach dem Examen zunächst für einige Zeit hier zu arbeiten. Über eine entsprechende Regelung für Ärzte und Apotheker sollte man nachdenken. Damit könnte der Absolvent der Gesellschaft etwas von dem zurückgeben, was er von ihr für seine Ausbildung erhalten hat.

Andrea Kern, Apotheke Heinrichs, Suhl

Wir müssen es politisch unbedingt verhindern,  dass PTA oder Bachelor-Absolventen die Leitungsbefugnis für eine Apotheke bekommen. Diese Ausbildungen reichen nicht aus, eine Apotheke zu leiten. Wir brauchen die fünfjährige universitäre Ausbildung, damit der Apotheker gerüstet ist für seine vielfältigen Aufgaben. Und wir brauchen unbedingt mehr Absolventen, die in die öffentliche Apotheke gehen. Genauso wichtig ist es, dass Frauen nach der Familienpause in den Beruf zurückkehren, und zwar möglichst zügig.

Dr. Anke Ritter, Schloss-Apotheke, Arnstadt

Die Entscheidung, Pharmazie zu studieren  habe ich noch nie bereut. Es ist für Schüler mit einem breiten naturwissenschaftlich-medizinischen Interesse einer der attraktivsten Studiengänge. Die Einführung des Studienfachs Klinische Pharmazie war in diesem Zusammenhang ein entscheidender Schritt. Auch die vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten und die geringe Arbeitslosigkeit tragen zur hohen Attraktivität des Studiums bei. Ich sehe ein Problem in dem geringen Bekanntheitsgrad. Schüler müssen frühzeitig auf die Inhalte und Möglichkeiten, die das Pharmaziestudium bietet, aufmerksam gemacht werden. Bei dem Beruf des Apothekers denken viele leider immer noch zunächst an eine kaufmännische Ausbildung. Wenn wir mehr über das Studium informieren, wird die Attraktivität des Studiums für sich sprechen. Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) will das Studium in Zukunft wieder verstärkt auf Abiturientenmessen vorstellen.

Maria-Christina Scherzberg, Studentin aus Saarbrücken und BPhD-Präsidentin

Es gibt keinen schöneren Beruf, wenn jemand naturwissenschaftlich interessiert ist und gleichzeitig gerne mit Menschen arbeitet. Man hilft kranken und gesunden Menschen, berät zu Therapie und Prävention, darf Arzneizubereitungen herstellen, kann Generalist oder Spezialist werden, in Voll- oder Teilzeit arbeiten, angestellt oder selbstständig. Man hat die Chance, eine Betätigung zu finden, die zu einem passt, und für andere Menschen von Bedeutung ist. Apotheker ist ein Beruf, der lebenslänglich Chancen bietet. Und man kann BAK-Präsidentin werden!

Erika Fink, Apothekerin und BAK-Präsidentin, Frankfurt am Main

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