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Die Toleranz des Immunsystems

06.06.2018
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Das Immunsystem soll den Körper vor Feinden schützen und etwa Viren, Bakterien oder Tumorzellen bekämpfen. »Es muss aber auch gleichzeitig lernen, nicht gegen körper­eigene Strukturen vorzugehen. Die B- und T-Zellen müssen tolerant sein«, verdeutlichte Dr. Ilse Zündorf von der Universität Frankfurt am Main.

 

Greift die körpereigene Abwehr wie bei einer Allergie auch harmlose Substanzen an oder wie bei einer Autoimmun­erkrankung körpereigen Strukturen, haben die Immunzellen diese Toleranz verloren. Auf molekularer Ebene können dabei verschiedene Selektionsmechanismen versagen. Warum dies passiert und eine Auto­immunerkrankung entsteht, lasse sich aber nicht in jedem Fall eindeutig erklären, so Zündorf. »Neben bestimmten genetischen Voraussetzungen gibt es auch Umweltfaktoren sowie mikrobielle Erreger, die als Mitauslöser solcher Erkrankungen gelten«, sagte sie.

 

Schädliche Umweltfaktoren sind erwiesenermaßen Zigarettenrauch beim systemischen Lupus erythematodes (SLE) und bei der rheumatoiden Arthritis, bei SLE außerdem UV-B-Strahlung, anorganische und organische Lösungsmittel und einige Medikamente, etwa Sulfadiazin und Hydralazin. Eine Ursache könnte sein, dass durch Zellschädigungen körpereigene Antigene freigesetzt werden, die wiederum autoreaktive Immunzellen aktivieren können, sagte Zündorf.

 

Bei einer Autoimmunerkrankung ist das Gleichgewicht zwischen autoreaktiven und regulatorischen T-Zellen (Treg) gestört. Diese Treg-Zellen hemmen normalerweise die Aktivität von auto­reaktiven T-Zellen. »Um eine Auto­immunerkrankung zu heilen, muss die Balance wiederhergestellt werden«, erklärte Professor Dr. Theo Dingermann aus Frankfurt am Main. Erreichen lasse sich dies entweder über eine Verringerung der Zahl der autoreaktiven ­T-Zellen, eine Erhöhung der Zahl der Treg-Zellen oder beide Strategien in Kombination.

 

In der POINT-(Primary Oral Insulin Trial)-Studie testen Wissenschaftler beispielsweise gerade das Prinzip der oralen Toleranzinduktion zur Prävention von Typ-1-Diabetes. Kinder im Alter zwischen vier und sieben Monaten, die ein erhöhtes Risiko haben, einen Typ-1-Diabetes zu entwickeln, bekommen im Rahmen der Untersuchung oral Insulinpulver verabreicht. Das Insulin wird über die Schleimhäute des Munds und des Verdauungstrakts aufgenommen. Ähnlich gehen Wissenschaftler auch bei der PINIT-Studie vor. Hier wird das Insulin allerdings nicht oral, sondern per Nasenspray verabreicht.

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