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Pharmacon Meran

Betriebsordnung stärkt Apotheker

04.06.2012  20:06 Uhr

Von Daniel Rücker, Meran / Die neue Apothekenbetriebsordnung stand im Mittelpunkt der Eröffnungsrede zum 50. Pharmacon in Meran. Die Präsidentin der Bundesapothekerkammer, Erika Fink, zeigte sich insgesamt mit der Verordnung zufrieden.

»Die neue Apothekenbetriebsordnung ist auch eine Stärkung von uns Apothekerinnen und Apothekern als freie Heilberufler.« Noch vor wenigen Monaten hätte sich kaum ein Apotheker und ganz sicher auch nicht die BAK-Präsidentin vorstellen können, derart positiv über eine Verordnung zu sprechen, die in ihren ersten Entwürfen das Potenzial hatte, die Apothekenlandschaft in Deutschland erheblich zum Schlechten hin zu verändern. Natürlich ging Fink in einem Schlenker auch auf die noch rechtzeitig von den Bundesländern gestoppte Privilegierung der Filialapotheken ein. Von dort sei es ein langer Weg gewesen zu der in den kommenden Tagen in Kraft tretenden Version.

Richtige Ansätze

 

In dieser gibt es laut Fink eine Reihe richtiger Ansätze, etwa den Paragrafen 20. Fink: »Hier wird klar aufgeführt, dass Information und Beratung Aufgaben des Apothekers sind.« Der Apotheker dürfe die Beratung zwar an nicht approbiertes pharmazeutisches Personal delegieren. Er müsse dies aber schriftlich festlegen und auch aufzeigen, an welcher Stelle Apotheker eingeschaltet werden müssen.

 

Fink weiß, dass einige Apotheker diese Regelung für überflüssige Bürokratie halten. Tatsächlich bringe der Staat damit aber deutlich zum Ausdruck, dass er das Expertenwissen der Apotheker anerkenne und auch nutzen wolle. Die BAK-Präsidentin sieht die Apotheker hier auch in einer Bringschuld. Es liege am Apotheker selbst, das Wissen für seine Patienten verfügbar zu machen. Die Kunden und Patienten müssten den Apotheker auch verstehen. Aus dem Expertenwissen entstehe mithilfe berufspraktischer Erfahrung Anwendungswissen. Erst dieses sei die Existenzberechtigung der Apotheker.

 

Auch dem verpflichtenden Qualitätsmanagement kann Fink viel Gutes abgewinnen. Werde ein QMS richtig eingesetzt, sei es keine überflüssige Bürokratie, sondern ein Instrument, die pharmazeutischen Prozesse in der Apotheke zu hinterfragen und zu optimieren. QMS müsse vom ganzen Apothekenteam gelebt werden. Dann, so Fink, »wird aus dem QMS das, was es sein soll – erlebbare pharmazeutische Qualität im besten Sinne des Wortes«.

Sehr wichtig ist für Fink auch die Anerkennung des Medikationsmanagements als pharmazeutische Tätigkeit in der Apothekenbetriebsordnung. Medikationsmanagement sei weit mehr als Information und Beratung. Die Voraussetzung dafür sei »höchstes Expertenwissen«, so Fink. Deshalb bleibe es ausschließlich den Apothekern vorbehalten. Nach Finks Vorstellungen sollte das Medikationsmanagement möglichst bald gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung erprobt werden.

 

Fink benannte aber auch die Schwächen der neuen Betriebsordnung: »Es gibt zu viel Spielraum für Interpretationen – sowohl aufseiten der Apotheker als auch aufseiten der Aufsichtsbehörden.« Als Beispiel nannte sie die Ausstattung des Labors, die Dokumentationspflichten bei der Rezeptur und die Umsetzung der Beratungspflicht. Erst im Laufe der nächsten Monate werde sich zeigen, wie diese Regelungen auszulegen sind, vermutet Fink. In einigen Fällen würden auch Gerichte darüber entscheiden müssen.

 

Für die Apotheker ist dies ein Problem. Fink warnt jedoch vor Aktionismus: »Setzen Sie die Apothekenbetriebsordnung zwar zügig, aber gleichwohl besonnen und ohne Hast um.« Sie warnte vor Anbietern, die Apothekern ein »Rundum-sorglos-Paket« für die Umsetzung der Apothekenbetriebsordnung versprechen. Dies sei nicht redlich, denn auch die Anbieter könnten heute nicht zweifelsfrei wissen, wie die Regelungen umzusetzen sind.

 

Zuverlässige Informationen

 

Die BAK-Präsidentin verwies auf die Landesapothekerkammern, die in den kommenden Wochen Fortbildungsveranstaltungen für ihre Mitglieder anbieten werden. Hier erhielten die Apotheker zuverlässige Informationen, was für ihren Betrieb notwendig sei. / 

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