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Medikationsmanagement

Benkert fordert Extra-Honorar

27.05.2013  18:46 Uhr

Von Daniel Rücker, Meran / Das Medikationsmanagement wird in Zukunft eine zentrale Aufgabe der Apotheker sein. Dafür brauche es aber die richtigen Rahmenbedingungen, unter anderem eine angemesse Honorierung, sagte der Vizepräsident der Bundesapothekerkammer (BAK), Thomas Benkert, in seiner Eröffnungsrede zum Pharmacon Meran.

Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Im Jahr 2050 werden auf 100 Berufstätige 53 Rentner kommen. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Sozialversicherungen und auch auf die konkrete Arbeit in den Apotheken. In Zukunft werde es mehr Menschen mit chronischen Erkrankungen geben, die regelmäßig mehrere Arzneimittel einnehmen müssen, sagte Benkert. Dies lasse das Risiko unerwünschter Arzneimittelwirkungen und Interaktionen steigen. Gleichzeitig falle es Senioren mit abnehmenden geistigen und motorischen Fähigkeiten schwer, Tabletten korrekt zu teilen, Tropfen genau abzuzählen und alle Medikamente zum jeweils richtigen Zeitpunkt einzunehmen, so der BAK-Vize.

Apothekerliche Leistung

 

Es sei deshalb notwendig, Senioren gemeinsam mit Ärzten und anderen Gesundheitsberufen in multiprofessionellen Teams zu betreuen. In diesen Teams »tragen wir Apothekerinnen und Apotheker zur Optimierung der Arzneimitteltherapie dieser Menschen und damit zum Erhalt des bestmöglichen Gesundheitszustands und bestmöglicher Lebensqualität bei«, sagte Benkert. Keine andere Berufsgruppe könne die Patienten bei der Arzneimitteltherapie besser unterstützen. Die Apotheker kennen die Medikation, könnten sie kontinuierlich analysieren, mögliche Probleme erkennen und gemeinsam mit dem Arzt lösen. Benkert begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung, das Medikationsmanagement in der neuen Apothekenbetriebsordnung als apothekerliche Leistung festzuschreiben. Viele Aufgaben seien allein den Apothekern vorbehalten.

 

Ein Selbstläufer wird diese Aufgabe aber nicht. Benkert: »Medikationsmanagement ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, die wir nicht einfach erbringen können.« Der Apotheker müsse seine Apotheke so organisieren, dass er ausreichend Zeit für die Betreuung der Patienten habe. Er müsse entscheiden, welche Teilaufgaben pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) übernehmen können. Zudem müsse er die ausreichende Kompetenz seines Teams sicherstellen. Klar sei auch, dass eine solch anspruchsvolle Leistung gesondert bezahlt werden müsse. Sie sei nicht über die Packungspauschale abgedeckt. Benkert: »Zusätzliche Leistungen wie das Medikationsmanagement bedingen auch eine gesonderte Vergütung.«

 

Den Weg dorthin sieht Benkert geebnet. Mit der Einführung der Notdienstpauschale sei der Einstieg in neue Honorierungsformen bereits gemacht. Mit dem Apothekennotdienst-Sicherstellungsgesetz habe der Gesetzgeber honoriert, dass die Apotheker die flächendeckende Arzneimittelversorgung rund um die Uhr garantieren. Vor allem für die Landapotheken sei dies ein wichtiger Schritt.

 

Voraussetzung für eine flächendeckende Versorgung sei aber nicht nur das Honorar, sondern auch eine ausreichende Zahl von Apothekern und Apothekenpersonal. Hier macht sich der BAK-Vize Sorgen. Bis zum Jahr 2025 werde es rund 20 Prozent weniger Schulabgänger geben, bei Haupt- und Realschülern sei der Rückgang besonders dramatisch. Die Apotheker müssten sich deshalb darauf einstellen, in Zukunft noch stärker mit anderen Branchen um den Berufsnachwuchs zu konkurrieren. Benkert: »Wir müssen den Schulabgängern attraktive Angebote machen. Das gilt nicht nur für die Ausbildung, sondern auch für den Beruf.« Die BAK habe sich für eine neue Ausbildungsordnung für PTA starkgemacht, um die Attrak­tivität des Berufs zu erhöhen. Jetzt liege es an den Apothekern, Schulabgänger auch auszubilden. Bei den PTA müssten auch die Inhalte der Ausbildung an neue Aufgaben wie Information und Beratung angepasst werden. Eine Verlängerung auf drei Jahre hält Benkert dabei allerdings nicht für sinnvoll.

 

Mehr Selbstbewusstsein

 

Mehr pharmazeutisches Selbstbewusstsein forderte Benkert bei Rabattverträgen. Er riet seinen Kollegen, »immer da, wo wir es für notwendig halten, pharmazeutische Bedenken geltend zu machen«. Laut Benkert zeigen Apotheker so pharmazeutische Kompetenz, leisten einen Beitrag zur Arzneimittelsicherheit der Patienten und helfen, Folgekosten zu vermeiden. /

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