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Schmerzen und Sodbrennen

Richtig beraten bei Magenbeschwerden

07.06.2011
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Bei der Beratung von Kunden mit säurebedingten Magenbeschwerden hat der Apotheker eine große Verantwortung. Alarmsymptome und Wechselwirkungen gilt es auszuschließen, bevor ein geeignetes Präparat für die Selbstmedikation ausgewählt werden kann. Eine Anleitung dazu gab Dr. Eric Martin.

Dyspeptische Beschwerden – hinter diesem Symptomenkomplex können sich so unterschiedliche Erkrankungen verbergen wie eine Gastritis, ein peptischer Ulkus, eine Refluxkrankheit, ein Reizmagen oder gar ein Magenkarzinom. »Die Patienten kommen zu uns nicht mit Diagnosen, sondern mit Symptomen«, sagte der Apotheker aus Marktheidenfeld. Um zu entscheiden, ob ein Arztbesuch erforderlich oder ein Therapieversuch mit OTC-Präparaten möglich ist, gelte es daher, die richtigen Fragen zu stellen.

 

So sollten sich Apotheker erkundigen, ob der Patient in letzter Zeit spontan mehrere Kilo an Gewicht verloren oder keinen Appetit mehr hatte. Dies könne auf einen Tumor hindeuten. Ein weiteres Alarmsymptom sind gastrointestinale Blutungen, die sich als Bluterbrechen, Blut im Stuhl, Teerstühle oder auch in Form einer Eisenmangelanämie äußern können. Schluckbeschwerden, anhaltendes Erbrechen, hohes Fieber, ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl, ein progredienter Verlauf sowie ein frühes Sättigungsgefühl schließen ebenfalls einen Selbstmedikationsversuch aus. Auch Beschwerden, die bei Belastung zunehmen, erfordern einen Arztbesuch, da sich hinter einer solchen Symptomatik eine Angina Pectoris verbergen könnte.

 

Als OTC-Präparate bei säurebedingten Magenbeschwerden stehen mit den Antazida, H2-Antihistaminika und Protonenpumpenhemmern (PPI) drei verschiedene Wirkstoffklassen zur Verfügung. Da es für die Selbstmedikation in dieser Indikation keine Leitlinie gibt, spielen bei der Entscheidung für eine bestimmte Arzneistoffgruppe mehrere gleichberechtigte Auswahlkriterien eine Rolle: Wie gut, wie schnell und wie lange wirkt das Präparat? Und welche Neben- beziehungsweise Wechselwirkungen sind bei diesem Patienten relevant?

 

Antazida sind rasch, stark, aber nur kurz wirksam. Sie eignen sich daher vor allem zur Behandlung von sporadischen Beschwerden mit klar identifizierbarem Auslöser oder bei Durchbruchschmerzen unter antisekretorischer Therapie. Aluminiumsalze haben den Vorteil, dass sie adstringierend wirken und so zu einer Verschorfung mukosaler Läsionen führen können. Ihre Nachteile, eine obstipierende Wirkung und langsamer Wirkeintritt, lassen sich durch Kombination mit Magnesiumsalzen, die schneller und in hohen Dosen abführend wirken, ausgleichen. Empfehlenswert sind Martin zufolge Schichtgitter-Antazida wie Magaldrat oder Hydrotalcit, die neben der Neutralisation von Magen- und Gallensäuren eine schleimhautprotektive Wirkung entfalten, indem sie sich wie ein Schutzfilm auf die Schleimhaut auflagern.

 

Bei Sodbrennen und saurem Aufstoßen seien dagegen Mittel mit Natriumalginat überlegen, da die Alginsäure bei Kontakt mit Säure einen auf den Mageninhalt aufgelagerten Gelschaum bildet, der eine physikalische Refluxbarriere darstellt. Vorsicht ist geboten bei Patienten, die Arzneimittel mit geringer therapeutischer Breite wie Antikoagulanzien, Antiinfektiva oder L-Thyroxin einnehmen. Um eine Komplexbildung mit dem Antazidum zu vermeiden, sollte die Einnahme in einem zeitlichen Abstand von mindestens ein bis zwei Stunden erfolgen.

 

Für die rezeptfrei erhältlichen H2-Antihistaminika Famotidin und Ranitidin gibt es laut Martin heutzutage kaum noch eine Indikation. »Diese Arzneistoffe sind in den OTC-Formulierungen unterdosiert, und es stehen mittlerweile besser wirksame Alternativen zur Verfügung«, urteilte der Referent. Erste Wahl seien diese Medikamente nur noch bei der Stressulkus­prophylaxe, dann aber in der voll antisekretorisch wirksamen – und verschreibungspflichtigen – Dosierung.

 

PPI zeichnen sich durch ihr gutes Sicherheitsprofil sowie ihre starke und lang anhaltende Wirkung aus. Patienten, die mit Magenschmerzen in die Apotheke kommen, sind aber in der Regel vor allem an einem schnellen Wirkeintritt interessiert. In dieser Hinsicht sind die Antazida den PPI überlegen. Wiederholt auftretende Beschwerden und nächtlicher Säure­schmerz sprechen dagegen für den Einsatz von PPI. Da Omeprazol das Enzymsystem CYP2C19 hemmt, hat es ein höheres Interaktionspotenzial als Pantoprazol. Mögliche Wechselwirkungen, etwa mit Clopidogrel oder Diazepam, sind aber beim OTC-Einsatz von Omeprazol nur begrenzt relevant, so Martin. Auch die Gefahr von bakteriellen Superinfektionen, Vitamin-B12-Mangel, Störungen der Eiweißverdauung und einem erhöhten Osteoporoserisiko gehe eher vom langfristigen hochdosierten PPI-Gebrauch aus, der unter der Kontrolle eines Arztes erfolgen müsse.

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