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Sanacorp

Lang fordert Schulterschluss

07.06.2011
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Von Maria Pues, München / Angesichts schwieriger Bedingungen sollten Apotheker und Großhandel zusammenhalten. Das wünschte sich der Sanacorp-Vorsitzende Dr. Herbert Lang in der Vertreterversammlung.

Trotz schwarzer Zahlen konnte die Geschäftsentwicklung der Sanacorp nicht befriedigen. Mit 12,3 Millionen Euro blieb der Überschuss um rund ein Drittel hinter dem Vorjahresergebnis zurück.

Die Gründe dafür erläuterte Vorstandsvorsitzen­der Dr. Herbert Lang der Sanacorp-Vertreterver­sammlung in München: verschlechterte Konditionen für den eigenen Einkauf durch das GKV-Änderungsgesetz im August 2010, drastische Einschnitte durch das AMNOG (Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz) zu Beginn dieses Jahres, außerdem eine Änderung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes sowie ein Buchverlust durch den Verkauf der Anzag-Anteile. Dass der Rückgang der Erträge nicht noch stärker ausgefallen ist, verdankt der Pharma-Großhandel Sanacorp eG der positiven Entwicklung seiner französischen Tochter.

 

Deutliche Kritik an der Politik

 

Deutliche Worte der Kritik fand Lang für die Urheber der Entwicklungen. Trotz bis zum Apothekertag signalisierter Gesprächs- und Kompromissbereitschaft aufseiten der Politik und damit verbundener Hoffnungen auf die »Rückkehr von Vernunft in den Ministerien« sei es von Anfang an die politische Vorgabe gewesen, den gemeinsamen Markt mit 400 Millionen Euro zu belasten. Und es sei dem Ministerium eindeutig bewusst gewesen, dass der Großhandel diese Belastung nicht in Gänze schultern könne. »Angesichts dieser Situation fällt es schwer, gelassen zu bleiben«, betonte Lang. Denn während andere Leistungserbringer zusätzliche Mittel zugesprochen bekämen, raube man einer äußerst effizient organisierten Branche 400 Millionen Euro.

 

Für Investitionen fehlten daher derzeit die Mittel. Verschiedene Niederlassungen wurden jedoch inzwischen oder werden zurzeit noch modernisiert, sodass man mit dem gegenwärtigen Stand zufrieden sein könne. Neue Projekte wurden allerdings vorläufig auf Eis gelegt. Mittelfristig müsse es aber auch wieder möglich sein zu investieren, so Lang. »Dies ist unsere klare Forderung an die Politik«, sagte er und zweifelte einmal mehr an deren Worten.

 

»Man kann nicht Gesetze wie das AMNOG formulieren und gleichzeitig unser qualitativ hochstehendes System der Arzneimitteldistribution öffentlich loben. Wer dieses System nicht mehr will, der soll auch den Mut haben, es öffentlich auszusprechen.«

 

Positiv bewertete er die steigende Zahl der Mitglieder in der Genossenschaft. In Deutschland sind es inzwischen 8141, zusammen mit Belgien und Frankreich über 14 000. Mit Sorge beobachtet man allerdings, dass in Deutschland mit der zunehmenden Mitgliederzahl nicht unbedingt ein steigender Umsatz verbunden ist. Ein Teilnehmer brachte es in der Diskussion auf den Punkt: Manche »Genossen« scheinen zu meinen, das Wort leite sich vor allem von »genießen« ab. Sie nähmen die Vorzüge der Mitgliedschaft in der Genossenschaft gerne in Anspruch, gäben dieser allerdings nichts zurück.

 

Das Plus an Mitgliedern bestärkte Lang jedoch in der Überzeugung, »dass die Genossenschaft als starke Gemeinschaft Gleichgesinnter ein absolutes Zukunftsmodell ist«. In der öffentlichen Debatte müssten Großhandel und Apotheker wieder näher zusammenrücken, betonte er. »Wir müssen uns den immer neuen Vorgaben der Politik im engen Schulterschluss entschlossen entgegenstellen.«

 

Neu im Aufsichtsrat

 

Neben der Genehmigung des Jahresabschlusses stand die Wahl zweier neuer Aufsichtsratsmitglieder auf der Tagesordnung. Für den ausscheidenden Dr. Herbert Gaber aus München wurde Klaus Mellis aus Krefeld gewählt.

 

Ein leises Erschrecken zeigte sich im Gesicht von Sitzungsleiter und Aufsichtsratschef Jürgen Funke auf die Frage eines Teilnehmers, ob man sich auch selbst als Kandidaten für einen Aufsichtsratsposten vorschlagen könne. Unvorhergesehenes schien zu drohen. Funkes Gesicht entspannte sich jedoch schnell wieder, als der Betreffende fortfuhr: Nein, eigentlich wolle er ja auch nicht sich selbst, sondern eine viel Geeignetere, nämlich Noch-Aufsichtsrätin Ursula Schröder aus Esslingen zur Wiederwahl vorschlagen. Sie wurde im direkt anschließenden Wahlgang gewählt.

 

Verabschiedet wurde Vorstandsmitglied Ulrich von der Linde, der die Geschäftsführung vorzeitig zum 30. Juni 2011 verlässt. /

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