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Typ-2-Diabetes

Jedes Kilo zählt

01.06.2007  14:21 Uhr

Typ-2-Diabetes

Jedes Kilo zählt

Von Elke Wolf, Frankfurt am Main

 

Es ist ein Teufelskreis: Die meisten Typ-2-Diabetiker tragen zu viel Gewicht mit sich herum. Zudem klettert durch eine Insulintherapie der Zeiger der Waage meist noch weiter nach oben. Das verschlechtert wiederum die Stoffwechsellage. Ein gewichtsneutrales Insulin könnte den Einstieg in die Therapie erleichtern.

 

Mehr als 80 Prozent der Typ-2-Diabetiker sind übergewichtig. Dass eine Gewichtsreduktion positive Effekte auf die Insulinsensitivität, den Blutdruck oder das Schlaganfallrisiko hat, ist bekannt. Dass aber bereits eine Gewichtsabnahme von nur einem Kilo etwas bringt, ist neu. So zeigte das Diabetes Prevention Programme (DPP) erst kürzlich, dass eine Gewichtsreduktion von einem Kilogramm Körpergewicht innerhalb von drei Jahren bei Patienten mit gestörter Glucosetoleranz bereits mit einer um 16 Prozent reduzierten Inzidenz von Typ-2-Diabetes assoziiert ist. »Jedes Kilo zählt also«, betonte Professor Dr. Stephan Jacob aus Villingen-Schwenningen auf einer Presseveranstaltung von Novo Nordisk.

 

Unter einer Insulintherapie kommt es bei den ohnehin größtenteils übergewichtigen Diabetikern zudem häufig zu einer Gewichtszunahme: So ergab die United Kingdom Prospective Diabetes Study (UKPDS), in der mit Insulin behandelte Typ-2-Diabetiker randomisiert wurden, eine Gewichtszunahme im Schnitt von 6,5 Kilogramm. Generell gilt, dass die Patienten für jede Senkung des HbA1c-Wertes um einen Prozentpunkt eine Gewichtszunahme von 1,5 Kilogramm hinnehmen müssen. Grund: Durch die Insulintherapie wird die Glucose-Ausscheidung im Urin reduziert. »Vor der Therapie wurden rund 150 bis 200 g Glucose über die Nieren ausgeschieden. Dieser Kalorienverlust wird durch die Insulintherapie gestoppt. Somit besteht automatisch der Trend zum Zunehmen«, erklärte Dr. Hans-Joachim Lüdekke aus München.

 

»Zum Einstieg in die Insulintherapie brauchen diese Patienten ein Insulin, das ihnen keine zusätzlichen Kilos aufbürdet«, sagte Jacob. Das lang wirksame Analogon Insulindetemir (Levemir®) bringe eine signifikant geringere Gewichtszunahme im Vergleich zu anderen Basalinsulinen wie NPH-Insulin und Insulinglargin mit sich. Empfohlen wird die abendliche Applikation.

 

Dr. Andreas Liebl, Bad Heilbrunn, präsentierte aktuelle Studien, wonach die Patienten unter NPH-Insulin in Kombination mit oralen Antidiabetika in 20 Wochen etwa 1,6 Kilogramm zunahmen, Insulindetemir-Patienten bei einer vergleichbar effektiven HbA1c-Senkung von 1,5 Prozentpunkten dagegen nur 0,7 Kilogramm. Und: Der Gewichtsvorteil von Insulindetemir fiel umso stärker aus, je übergewichtiger der Patient zu Beginn der Therapie. Die Studie zeigte auch, dass die gute Blutzuckereinstellung unter Insulindetemir nicht durch vermehrte Hypoglykämien erkauft wird: Bei einmal täglicher Gabe zog Insulindetemir zu 53 Prozent weniger Hypoglykämien nach sich als NPH-Insulin. Nächtliche Unterzuckerungen waren um 65 Prozent reduziert.

 

Eine der größten internationalen Anwendungsbeobachtungen in Sachen Insulintherapie mit fast 40.000 Patienten, die PREDICTIVE-Studie, bestätigt diese Zahlen. Die Insulindetemir-Patienten nahmen bei einem HbA1c-Rückgang von 0,9 Prozentpunkten im Durchschnitt fast ein halbes Kilo ab. In einer Subgruppe der neu auf Insulindetemir eingestellten Patienten sank der mittlere HbA1c-Wert um 1,3 Prozentpunkte und das Körpergewicht um 0,7 Kilo innerhalb von drei Monaten.

 

Wie erklärt man sich den Gewichtsvorteil? In Studien konnten höhere Konzentrationen von Insulindetemir im Vergleich zu Humaninsulin im Gehirn gemessen werden. Dies könnte einen positiven Einfluss auf das Sättigungsgefühl haben. Darüber hinaus unterstützen Studiendaten die Annahme, dass Insulindetemir die hepatische Glucoseproduktion verlangsamt und gleichzeitig in der Peripherie die Glucoseaufnahme stärker verringert als NPH-Insulin.

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