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Betreuung von Krebspatienten

Apotheker mehr und mehr gefordert

31.05.2017
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Immer mehr ältere Patienten mit Polymedikation erhalten eine Tumortherapie. Die Apotheke kann durch Adhärenzförderung, Interaktionsmanagement und Unterstützung der Supportivtherapie zur Arzneimitteltherapiesicherheit beitragen.

Bereits vor Beginn der Tumortherapie nimmt rund die Hälfte der Patienten mindestens fünf Medikamente dauerhaft ein. Auf dieses Ergebnis einer Untersuchung seines Arbeitskreises wies Professor Dr. Ulrich Jahede von der Universität Bonn hin. 

 

Mit Blick auf die Zunahme an oralen Tumortherapeutika werde die Betreuung von Krebspatienten zukünftig auch in den öffent­lichen Apotheken eine zunehmend größere Rolle spielen.

 

Jaehde betonte, dass durch die Betreuung in der Apotheke auch die Adhärenz der Patienten gefördert werden kann. »Sehr häufig sind unerwünschte Arzneimittelwirkungen sowie die Angst davor die Ursache für Nicht-Adhärenz«, sagte der Professor für klinische Pharmazie. Aber auch ein komplexes Therapieregime, höheres Alter und Komorbiditäten wirkten sich negativ auf die Adhärenz aus. Eintragungen in einem Therapie-Tagebuch, Patienteninformationen zur Bedeutung der Therapietreue und die Verknüpfung der Medikamenten­einnahme mit einer Routinehandlung können laut Jaehde hilfreiche Maßnahmen sein, um die Adhärenz zu verbessern.

 

Viele Interaktionen

 

Der Apotheker informierte, dass bei der Einnahme von Krebsmedikamenten in vielen Fällen Interaktionen zu beachten sind. Als Beispiel nannte er die gefährliche Kombination von Brivudin (Zostex®) mit 5-Fluorouracil (5-FU), 5-FU-Derivaten oder 5-FU-Prodrugs wie Capecitabin (Xeloda®). Brivudin bewirkt eine irreversible Hemmung des Enzyms, das den Abbau von 5-FU reguliert, woraus eine lebensbedrohliche Wechselwirkung resultiert. »Ein entsprechender Warnhinweis ist bereits auf der Zostex-Packung aufgebracht«, so der Referent.

 

Tamoxifen ist nach wie vor das am häufigsten verordnete orale Tumortherapeutikum. Auch beim Einsatz dieses Wirkstoffs hob Jaehde die Interaktionsgefahr hervor. Hemmstoffe des Enzyms CYP2D6 können dafür sorgen, dass der wirksame Metabolit des Prodrugs Tamoxifen, Endoxifen, nicht mehr gebildet wird und das Medikament damit unwirksam ist.

 

Laut Jaehde können auch Tyrosin­kinasehemmer (TKI) hinsichtlich Interaktionen ein Problem darstellen, zum Beispiel wenn sie mit einem Protonenpumpeninhibitor (PPI) gleichzeitig verabreicht werden. Der PPI erhöht den pH-Wert im Magen, wodurch die Bioverfügbarkeit einiger TKI, zum Beispiel Erlotinib, abnimmt.

 

Erst eine adäquate supportive Therapie ermöglicht eine erfolgreiche, spezifische Krebstherapie. Aus diesem Grund empfahl der Referent die Lektüre der S3-Leitlinie »Supportive Therapie bei onkologischen Patienten«. Ein Kapitel darin widmet sich Hauttoxizitäten, die durch die Tumortherapie induziert werden. Beispielsweise liegt die Inzidenz eines akneiformes Exanthems unter Therapie mit einem EGFR-spezifischen Antikörper wie Cetuximab oder Panitumumab bei 70 bis 90 Prozent, unter den EGFR-Tyrosinkinasehemmern Erlotinib und Gefitinib bei 49 bis 80 beziehungsweise 37 bis 66 Prozent.

 

Die Haut schonen

 

Wie Jaehde informierte, empfehlen die Leitlinienautoren Prophylaxemaßnahmen. »Die Patienten sollten die Haut nicht zu sehr strapazieren«, fasste er die Basispflegemaßnahmen zusammen. Apotheker könnten zum Beispiel dazu raten, zur Reinigung der Haut nur Wasser und seifenfreie Lotionen zu verwenden. Unnötiges Waschen der Haut, hohe Raumtemperaturen und direkte Sonneneinstrahlung sollten die Patienten vermeiden und leichte, luftdurchlässige und nicht einengende Kleidung tragen. Laut Leitlinie sollte während einer EGFR-Inhibitor-Therapie auch eine orale Prophylaxe mit Minocyclin oder Doxycyclin erfolgen, um den Schweregrad des akneiformen Exanthems zu verringern.

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