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Neuer BPhD-Präsident

Von Studenten für Studenten

27.05.2013  07:24 Uhr

Von Sven Siebenand / David Reiner ist neuer Präsident des Bundesverbandes der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD). Auf der 114. Bundesverbandstagung (BVT) in Berlin wählten die Delegierten den Pharmaziestudenten im sechsten Semester von der Universität in Frankfurt am Main zum Nachfolger von Daniel Mädler, der nicht mehr für das Amt zur Verfügung stand. Im Gespräch mit der PZ stellt Reiner sich vor und berichtet über Ziele und Aufgaben des Verbandes.

PZ: Herr Reiner, wie waren die ersten Tage als Mr. President?

 

Reiner: Ich bin nun seit einem Jahr im Vorstand des BPhD tätig, das Umfeld ist für mich damit nicht neu. Dennoch habe ich mich in den ersten Tagen ertappt, wie ich mich versehentlich und erfolglos in meinem vorherigen E-Mail-Postfach anmelden wollte. Aber um einen ernsthaften Gedanken zu äußern. Ich denke nicht, dass die ersten Tage bereits vorbei sind. Es wird für mich viel Neues zu lernen geben. Das habe ich bereits feststellen können.

PZ: Welche Aufgaben und Ziele haben Sie sich für Ihre Präsidentschaft vorgenommen?

 

Reiner: Der BPhD ist ein Verband von Pharmaziestudierenden für Pharmaziestudierende. Um eine starke, gemeinsame Meinung zu repräsentieren, müssen wir in einer Einheit mit unseren Kommilitonen zusammenarbeiten. Konkret bedeutet das für mich, dass wir unsere Möglichkeiten besser nutzen und ausbauen müssen, um mehr Mitglieder in die Arbeit des BPhD einzubeziehen.

 

Ein weiteres Ziel wird sein, neue Projekte auf den Weg zu bringen, die den Pharmaziestudierenden in seinem Studium unterstützen. Wir sind als Studierendenverband in der exzellenten Position, im Alltag direkt die Fehlstellen zu sehen. Da müssen wir hinschauen und daraus können wir unsere Konzepte entwickeln.

 

PZ: Gerade hat der BPhD mit dem Young Pharmacist auch einen ganz neuen Vorstandsposten geschaffen. Wie kam es dazu, und was soll dieser Young Pharmacist genau machen?

 

Reiner: Wir müssen unsere Arbeit auf einer breiten Basis aufbauen. Deswegen sind die Aufgaben des Young Pharmacist sehr vielfältig. Mit unseren Beauftragten für Lehre und Studium und für das Praktische Jahr gewährleisten wir bereits jetzt die Unterstützung der Studierenden in ihrer pharmazeutischen Ausbildung. Durch den Einsatz des Young Pharmacist soll ihnen nun auch bei Fragen zum Übergang ins Berufsleben ein kompetenter Ansprechpartner zur Seite stehen.

 

Mit Apotheker Sören Krawczyk, der dieses Amt zum ersten Mal bekleidet, haben wir gleichsam auch einen Diskussionspartner direkt an unserem Tisch, der den Übergang zwischen Studium und Beruf selbst miterlebt hat. Durch diese Zusammenarbeit erhoffen wir uns, Probleme zu erkennen, zu analysieren und bereits aus dem Studium herauslösen zu können.

 

PZ: Der neue ABDA-Präsident Friedemann Schmidt ist der Meinung, dass das Pharmaziestudium weiterentwickelt werden muss und sich stärker an den zukünftigen Aufgaben in der Offizin orientieren sollte. Können Sie dem zustimmen?

 

Reiner: Selbstverständlich. Unsere zahlreichen Evaluationsergebnisse sprechen eindeutig dafür. Auch gemessen an der bekannten Tatsache, dass mehr als Dreiviertel der Pharmazeuten im Praktikum nach ihrer Graduierung eine Tätigkeit in der öffentlichen Apotheke aufnehmen, ist dem zuzu- stimmen.

 

PZ: Welche Dinge im Pharmaziestudium sollte man denn dringend ändern?

 

Reiner: Die zu diskutierenden Veränderungen betreffen sowohl strukturelle als auch inhaltliche Aspekte und in diese Diskussion lässt sich hier allenfalls nur einleiten. Für mich entspricht es einer Utopie, die Studieninhalte, die dem Studierenden für die Arbeit in der öffentlichen Apotheke obligatorisch sein werden, auf die letzten Fachsemester zu komprimieren. Genau das ist aber mit einem Blick auf die Disziplinen Pharmakologie und Klinische Pharmazie der Fall. Nicht nur die Statistik zu Durchschnittsstudienzeiten würde zum Beispiel für eine Verlängerung der Regelstudienzeit zugunsten einer didaktisch angemessenen Lernzeit sprechen. Ebenso würde die Erstreckung der genannten Fächer in frühere Fachsemester der Nach­haltigkeit der Wissensvermittlung entgegenkommen.

 

Ein zweiter wichtiger Ansatzpunkt ist die verstärkte Ausbildung der sogenannten Soft Skills bereits im Studium. Als fester Bestandteil der Gesellschaft, muss der Apotheker einwandfreie soziale Kompetenzen aufweisen. Das scheint jedoch auch ein globales Problem zu sein – nicht umsonst ergreifen sogar unser globaler und europäischer Studierendenverband, IPSF und EPSA, auf diesem Feld die Initiative mit eigenständigen Trainings-Projekten. Der Implementierung ins Studium wären in Anbetracht der sich durch Präsentationen im Studium und auch der Famulatur ergebenden Möglichkeiten hier keine unüberwindbaren Grenzen gesetzt.

 

Wenn ich mir hier eine Anmerkung auf das passenderweise kürzlich in der PZ erschienene Interview (Anmerkung: PZ 20/2013, Seite 10) mit Professor Clement aus Kiel gestatten darf, müssen wir selbstverständlich den Wandel der Bedeutung des Apothekers schon aus der Ausbildung heraus kritisch betrachten. Jedoch ist dies nicht der erste Wandel in der Geschichte der Pharmazie.

 

PZ: Gibt es auch etwas, dass Sie im Bereich der Ausbildung im Praktischen Jahr gerne ändern oder verbessern würden?

 

Reiner: Diejenigen Lücken, die der Hochschulabsolvent mitbringt, schlagen sich auch im Praktischen Jahr nieder. Das bestätigen uns ausbildende Apotheker regelmäßig. Interessanterweise sind hier jedoch die durch das Hochschulstudium vermittelten pharmazeutischen Fachkenntnisse keinesfalls angesprochen, diese werden als sehr fundiert empfunden. Vielmehr geht es hier um das Auftreten, die praktischen Kompetenzen im Apothekenalltag und letztlich um die Interaktion mit dem Patienten. An dieser Stelle ist das Engagement der Apotheker um die Ausbildung im Praktischen Jahr von wesentlicher Bedeutung. Ich würde mir wünschen, dass hier mehr Apotheker die Initiative ergreifen und sich ihrer Rolle in der Ausbildung der ihnen nachfolgenden Generation bewusst werden.

PZ: Glauben Sie, dass alle Studenten genau wissen, was der BPhD macht und anbietet?

 

Reiner: Ich weiß, dass das nicht so ist. Die Mitgliedschaft im BPhD erfolgt automatisch mit Studienbeginn und in den vielen neuen Herausforderungen, die auf den Studienanfänger treffen, geht diese dann auch sehr schnell unter.

 

PZ: Wie könnte man den Verband denn bekannter machen, und wo können sich Pharmaziestudierende über Aktivitäten des BPhD informieren?

 

Reiner: Die Werbung für den Verband erstreckt sich unglücklicherweise auf zwei Ebenen. Durch die Einsetzung des Vorstandes von den Fachschaften als Mitgliedsorganisationen des BPhD scheint sich hier eine ungewollte Hierarchie aufzutun, die wir ständig zu durchbrechen versuchen. Seit dem vergangenen Jahr arbeiten wir an Projekten, die wir für die Werbung des BPhD nutzen wollen und solche, mit denen wir unsere Präsenz zeigen.

 

Über unsere Website www.bphd.de lassen sich Eindrücke über unsere Arbeit gewinnen, Informationen nachlesen und nützliche Dokumente herunterladen. Vielmehr freuen wir uns jedoch über direkte Anfragen per E-Mail und den persönlichen Kontakt. Nicht zuletzt helfen die Fachschaften unseren Kommilitonen weiter, wenn sie uns erreichen wollen.

 

PZ: Gibt es eine pharmazeutische Disziplin, die Ihnen an der Uni am meisten Spaß macht, und wissen Sie schon, wie es nach dem Studium und dem Praktikum bei Ihnen weitergehen soll?

 

Reiner: Trotz der Diskussion um die Innovation des Studiums, macht mir die ureigene Disziplin des Apothekers, die Pharmazeutische Technologie, am meisten Spaß. Wohin ich mich mit diesem Interesse beruflich entwickeln kann, bleibt natürlich nicht zuletzt eine Frage des Studienerfolgs.

 

PZ: Pharmazie gehört zu den arbeitsintensivsten Studiengängen überhaupt. Bleibt dennoch Zeit für Hobbys?

 

Reiner: Das ist ein sicherlich häufig aufkommender Gedanke beim Blick auf die Fülle des Stundenplans. Und dennoch kann ich sagen, dass man durchaus seine Freizeit finden und seinen Hobbys nachgehen kann. Hier kommt es auf das gesunde Maß an. Man darf das Studium nicht vernachlässigen, wenn man weiter kommen will – keinesfalls darf man sich dabei selbst vergessen, sonst kommt man im Studium auch nicht voran. /

Wechsel im BPhD-Vorstand

Neben dem neuen BPhD-Präsidenten David Reiner, der zuvor bereits im BPhD-Vorstand tätig war, sind auf der vergangenen Bundesverbandstagung drei Neue in den Vorstand eingetreten. Kathrin Gasteyer aus Freiburg ist neue EPSA Liaison Secretary und Sven Lobeda aus Halle an der Saale kümmert sich fortan um die Aufgaben des Beauftragten für Lehre und Studium. Als sogenannter Young Pharmacist bekleidet Apotheker Sören Krawczyk aus Halle an der Saale einen neu geschaffenen Vorstandsposten. Der Young Pharmacist soll als Schnittstelle zwischen Berufseinstieg und Berufsleben dienen, wobei alle möglichen Einsatzgebiete eines Pharmazeuten mit berücksichtigt werden sollen.

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