Pharmazeutische Zeitung online
Vergütung

624 Millionen wären ein fairer Ausgleich

29.05.2012
Datenschutz bei der PZ

Von Daniel Rücker / Die Entscheidung über eine Anpassung der Apothekervergütung steht unmittelbar bevor. Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Fritz Becker, rechnet mit einer deutlichen Erhöhung – allerdings nicht in einem Schritt.

PZ: Die Entscheidung über eine Anpassung des Apothekerhonorars steht kurz bevor. Welches Ergebnis erwar­ten Sie?

 

Becker: Ideal wäre es natürlich, wenn wir den vollen Ausgleich bekommen für Mehrarbeit, Tariferhöhungen und inflationsbedingte Kostensteigerungen seit 2004. Seit jenem Jahr wurde unser Honorar nicht mehr angepasst. Wir haben einen Fehlbetrag von 624 Millionen Euro für die Apotheken errechnet. Diese Summe wäre ein fairer Ausgleich.

 

PZ: Wären Sie auch mit weniger zufrieden?

 

Becker: Natürlich kann man sich nie darauf verlassen, dass die Politik unsere Vorstellungen eins zu eins umsetzt. Ich kann aber nur wiederholen: Unsere Forderung ist gut begründet und angemessen.

 

PZ: Sie haben Ihre Forderung sehr detailliert aufgeschlüsselt. Es geht vor allem um die packungsabhängige Honorierung, den Notdienst, Betäubungsmittel und Rezepturen. Worauf muss der Schwerpunkt liegen?

 

Becker: Ganz klar auf der Anpassung der packungsabhängigen Vergütung von 8,10 Euro. An zweiter Stelle folgt die Umstellung der Notdienstvergütung auf eine Pauschale. Dies wird aber wohl in einem zweiten Schritt erfolgen.

 

PZ: Warum braucht es dafür einen zweiten Schritt?

 

Becker: Die neue Notdienstregelung muss im SGB V verankert werden. Das ist mit der AMG-Novelle nur schwer umsetzbar.

 

PZ: Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn sagt, die Apotheker jonglieren mit zu vielen Bällen gleichzeitig. Wa­rum hat die ABDA eine so differenzierte Forderung aufgestellt?

 

Becker: Es gibt nur einen Ball in der Luft und das ist unsere Honorierung. Die setzt sich natürlich aus mehreren Komponenten zusammen. Tatsächlich haben wir aber nur eine Forderung.

 

PZ: Welche Apotheken profitieren von der Vergütungsumstellung am stärksten?

 

Becker: Apotheken auf dem Land, in dünnbesiedelten Gebieten, haben wegen der Notdienstvergütung am meisten von einer Umstellung in diesem Bereich. Sie müssen viel häufiger Notdienst machen als Innenstadtapotheken. Mit einer Notdienstpauschale würden Landapotheken deutlich besser gestellt, was aber auch angemessen wäre.

 

PZ: Der DAV fordert für die Zukunft einen Anpassungsmechanismus für das Apothekenhonorar. Wie stehen hier die Chancen?

 

Becker: Im ersten Schritt sehe ich dafür kaum Chancen. Wir haben dieses Thema in die Politik hineingetragen. Die Gespräche waren gut, man hat unser Anliegen verstanden, aber es liegt noch einige Arbeit vor uns. Es bleibt unverändert wichtig, zu einer jährlichen Anpassung zu gelangen.

 

PZ: Wann würde eine Honoraranpassung umgesetzt?

 

Becker: Am besten sofort. Realistischer ist aber der 1. Januar 2013. /

 

Mehr von Avoxa